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Fingerhakeln und Fahnenjagen – Regionale Sportarten in Deutschland

Sport in Deutschland ist weit mehr als nur Fußball. Ganz typische regionale Sportarten wie das bayerische Fingerhakeln oder das norddeutsche Fahnenjagen haben sich über Jahrhunderte entwickelt und tragen zur Stärkung der kulturellen Identität ihrer jeweiligen Regionen bei.

Deutschland ist ein Sportlerland! In mehr als 90.000 Vereinen betätigen sich rund 24 Millionen Deutsche in unzähligen Sportarten, die meisten davon im Bereich des Breitensports. Viele Sportarten sind deutschlandweit beliebt, vor allem natürlich die Ballsportarten wie Fußball und Handball. Es gibt aber auch Sportarten, die traditionell nur in ganz bestimmten Regionen des Landes betrieben werden. Manche von ihnen sind bekannt in aller Welt, andere kennt man wirklich nur in ihrer Heimat Deutschland.

Das Fingerhakeln – eine der typisch bayerischen Sportarten

Die Bilder von Menschen in bayerischen Trachten auf dem Münchner Oktoberfest kennt wohl die ganze Welt. Vielleicht nicht ganz so bekannt ist das Fingerhakeln. Bei dieser Kraftsportart versuchen zwei Männer, sich gegenseitig am Finger über einen Tisch zu ziehen. Von dieser Sportart stammt übrigens auch die Redewendung „jemanden über den Tisch ziehen“, also jemanden hereinlegen. Dabei sitzen die beiden Gegner an einem Tisch, haken ihren Mittelfinger in einen Lederring und ziehen auf ein Signal hin mit aller Kraft. Hinter ihnen steht jeweils ein sogenannter „Auffänger“, denn wenn einer der beiden Kontrahenten plötzlich loslässt, kann es sonst zu Stürzen kommen.

In früheren Zeiten wurden so in den ländlichen Gebieten Streitigkeiten öffentlich beigelegt – oft ging es dabei um die Gunst einer Frau. Heutzutage gibt es sogar eine Deutsche Meisterschaft im Fingerhakeln. Die Wettkämpfe finden zumeist in traditionellen Bierzelten statt und die Sportler tragen bayerische Tracht. Damit ist das Fingerhakeln nicht nur eine beliebte regionale Sportart, sondern auch eine Attraktion für Touristen aus aller Welt.

Mächtige Mittelfinger: Meisterschaft im Fingerhakeln

Im Norden Deutschlands werden Fahnen gejagt

Das Fahnenjagen, auch Ringreiten genannt, ist eine der regionalen Sportarten, die vor allem im Norden Deutschlands betrieben wird. Sie geht auf die mittelalterlichen Ritterspiele zurück und ist damit rund 600 Jahre alt. Damals war das Ringreiten vor allem eine Übung für die Knappen, also junge Adelige, die den Rittern dienten und dabei von ihnen ausgebildet wurden. Die Sportart wird auch Fahnenjagen genannt, weil die Sieger mit Fahnen belohnt wurden.

Heutzutage treffen sich die Fahnenjäger und Ringreiter auf öffentlichen Turnieren. Die Reiter müssen mit ihren Pferden unter einem sogenannten „Galgen“ her reiten und mit einer Lanze einen kleinen Messingring aufspießen. Das klingt vielleicht nicht besonders schwierig, aber der Ring ist nur etwa zwei Zentimeter groß und die Pferde müssen unter dem Galgen galoppieren. Es gehört also schon einiges an Können und Geschicklichkeit dazu, gleichzeitig das Pferd zu steuern und die schwere Lanze präzise durch den Ring zu stechen.

Das Ringreiten zählt nicht nur in Norddeutschland zu den beliebten regionalen Sportarten, sondern es wird auch im Süden Dänemarks und in den Grenzgebieten der Niederlande ausgeübt. Im Gegensatz zum Fingerhakeln gibt es das Fahnenjagen auch für Frauen und Kinder.

„Regionalsport“ hat im Deutschen noch eine weitere Bedeutung

Damit ist der Sport gemeint, der eben nicht auf deutschlandweiter Ebene getrieben und ausgetragen wird, sondern eher regional. Nicht in jeder Sportart gibt es eine Bundesliga, aber dafür gibt es Bezirks- und Regionalwettkämpfe, bei denen die Sportler genauso ehrgeizig und begeistert antreten – auch wenn sie zumeist keine Profis sind. Im Regionalsport werden die Spitzensportler der Zukunft trainiert, deshalb kritisieren Vereinsvorstände und Trainer oft, dass diesem Bereich im Gegensatz zum Spitzensport schlechte Bedingungen geboten werden. Sie wünschen sich, dass die Kommunen nicht nur Prestigeobjekte wie große Fußballstadien unterstützen, sondern dass die regionalen Spielfelder und Sporthallen ebenso instand gehalten werden.

Noch viele weitere regionale Sportarten in Deutschland

Natürlich gibt es noch zahlreiche regionale Sportarten, so zum Beispiel das Klotstockspringen, eine Art von Stabhochsprung, oder das Boßeln, das dem französischen Boule-Spiel ähnelt. All diesen Sportarten ist gemeinsam, dass sie zumeist im ländlichen Raum betrieben werden. Das könnte daran liegen, dass vor dem Zeitalter von Fernsehen, Radio und Internet die Jugendlichen auf dem Lande selbst für ihre Unterhaltung sorgen mussten und die Bedeutung der örtlichen Vereine für das gemeinschaftliche Leben in den ländlichen Regionen weitaus höher ist als in den Städten.

February 2014

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