Empfehlen Drucken   RSS-Feed Hilfe

Aktiv gegen Kinderarbeit: Verein „XertifiX“ macht sich stark für fair gehandelte Grabsteine

Grabsteine auf deutschen Friedhöfen kommen oft aus Steinbrüchen in Indien, in denen Kinder arbeiten müssen. Der Bevölkerung ist dieses Problem meist nicht bekannt. Der Verein „XertifiX“ klärt auf und setzt sich für fair gehandelte Natursteine ein.

 

 

 

100 Millionen Kinderarbeiter gibt es Schätzungen zufolge alleine in Indien. Die Internationale Arbeitsorganisation in Genf (International Labour Organisation – ILO) unterscheidet zwischen verschiedenen Formen der Arbeit: Leichte und geeignete Arbeit auf der einen und ausbeuterische Kinderarbeit auf der anderen Seite. Zu ausbeuterischer Kinderarbeit zählen alle Arbeiten, die die Gesundheit, Sicherheit oder Moral von Kindern gefährden: Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft, Leibeigenschaft sowie jegliche Formen des Missbrauchs, wie Prostitution, Pornografie oder Drogenhandel. Diese Form der Kinderarbeit ist international verboten.

 

„Schlimmste Form der Kinderarbeit“

 

XertifiX-Gründer Benjamin Pütter, der schon mehrfach in indischen Steinbrüchen persönlich war, ist entsetzt darüber, wie Kinder dort arbeiten müssen. "Zwölfjährige stehen vor Presslufthämmern und brechen unter ohrenbetäubendem Lärm und in völlig verstaubter Luft ganze Steinblöcke aus den Felsen", erzählt er und stellt fest: „Die Arbeit in Steinbrüchen gehört zur schlimmsten Form der Kinderarbeit.“

 

Armut und  Bildung spielen zentrale Rolle

 

Die Gründe für Kinderarbeit in Indien sind vielfältig. „Die Armut spielt natürlich eine zentrale Rolle“, erläutert XertifiX-Geschäftsführer Dr. Walter Schmidt. Besonders die Vergabe von so genannten Schuldscheinen sieht er problematisch. Familien erhalten dabei einen Kredit in Form von Schuldscheinen. Wenn sie die Schulden nicht zurückzahlen können, müssen die Kinder die Schulden abarbeiten. Problematisch sei hierbei, so Schmidt, dass viele Eltern weder lesen noch schreiben könnten und somit nicht wüssten, was sie eigentlich unterschrieben. Auch das indische Kastensystem trage zur Kinderarbeit bei. „Nicht jeder Mensch ist in Indien das gleiche wert“, beteuert der Experte.

 

Deutsche Städte unterstützen Xertifix

 

XertifiX will mit einem Gütesiegel erreichen, dass zukünftig keine Natursteine aus Kinderarbeit nach Deutschland importiert werden. Unternehmen können sich an den Verein wenden und ihre indischen Geschäftspartner von XertifiX India kontrollieren lassen. Auch deutsche Kommunen beteiligen sich an der Initiative. Inzwischen sind es mehr als 200 Städte und Gemeinden, die ausschließlich auf fair gehandelte Produkte zurückgreifen wollen. So hat zum Beispiel Saarbrücken erst kürzlich beschlossen, Grabsteine, die mit Hilfe von Kinderarbeit entstanden sind, zu verbieten. Zudem haben im Rahmen der „Kulturhauptstadt Ruhr“ 2010 über 50 Kommunen eine entsprechende Vereinbarung unterschrieben.

 

Der Vorsitzende von XertifiX, der ehemalige Bundesarbeitsminister Dr. Norbert Blüm, ist sich sicher: „Kein anständiger Mensch kann sich über neuverlegtes Pflaster in seiner Stadt freuen, wenn er weiß, dass dafür Kinder völlig unterbezahlt und manche sogar ganz ohne Lohn schuften mussten.“

 

Links zum Thema "Kinderarbeit" in der Community

Doing Good Business 


Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Berechnung an.
Captcha
=
Aufgabe neu laden

Diskutieren Sie in der Community!

Welche Herausforderungen entstehen bei der Durchsetzung von Sozialstandards? Welche Zertifizierungen sind seriös, welche Qualitätssiegel für welche Produkte empfehlenswert? Kann man Kinderarbeit durch Zertifizierung von Lieferketten eindämmen?

Diskutieren Sie in der Gruppe "Doing Good Business"!

 

Weitere Links zum Thema "Kinderarbeit"

 

Erkunden Sie das Alumniportal Deutschland