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Es ist eine Herausforderung, immer unter den Besten zu bleiben

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Im Stadtteil Etoudi in Jaunde, der Hauptstadt Kameruns, gelegen, befindet sich der Sitz von des Ingenieurbüros RODCON GmbH in einem ehemaligen Einfamilienhaus. Nur etwa 150 Meter entfernt steht die "Semmelweiss Klinik" des Dr. André Edou, dem stellvertretenden Oberbürgermeister von Jaunde, der - wie der Name der Klinik bereits nahelegt - in Deutschland studiert hat. Heute bin ich jedoch auf dem Weg zu einem anderen Deutschland-Alumnus. Für das APD möchte ich wissen, wie es Kamerunen nach ihrer Rückkehr nach Kamerun ergangen ist und welche Ratschläge sie zukünftigen Rückkehrern mit auf den Weg geben. Der Geschäftsführer der RODCON Gmbh, ALI ABOUBAKAR, hat sein Ingenieurstudium in Deutschland absolviert. Er empfängt uns für ein Interview in seinem Büro.


Tags zum Artikel: Deutschland-Alumni, Kamerun, Ingenieur, APD



Ndougou Abanda (apd): Herr Direktor, Sie sind ein erfolgreicher Geschäftsmann – und ein Deutschland-Alumnus. Können wir Näheres über Ihren Aufenthalt in Deutschland erfahren?

Aboubakar: Ich bin am 21 September 1986, zusammen ich 116 anderen Landsleuten, in Ostdeutschland eingetroffen. Nach einem Jahr Sprachausbildung am Herder-Institut der Leipziger Universität, wo mein Abschlussdiplom der Stufe 2 entsprach, habe ich von 1987 bis 1992 erfolgreich an der ehemaligen Hochschule für Verkehrswesen Friedlich List in Dresden mein Studium als Ingenieur für Bauwesen/Fachrichtung Brückenbau absolviert. Heute heißt es Fakultät für Verkehrswesen Friedlich List der Technischen Universität Dresden. Danach habe ich 3 Jahre als Laboringenieur beim Professor für Geotechnik im Institut für Geotechnik und Tunnelbau der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden gearbeitet. Gleichzeitig bereitete ich meine Promotion vor. 1996 bin ich endgültig nach Kamerun zurückgekehrt.  

Die eigene Existenz

Erzählen Sie mal von den Anfängen Ihrer Firma? Was hat Sie zur Existenzgründung bewegt?

In der Heimat eingetroffen und als Stipendiat des kamerunischen Staates, bin ich sofort und voller Zuversicht zur öffentlichen Verwaltung gerannt. Alle Stipendiaten hatten sich ja damals schriftlich verpflichtet, nach dem Studium mindestens 10 Jahre im Dienste des Staates zu arbeiten.  

 

Die Ernüchterung kam prompt: Wegen der schlechten Konjunktur und der damit zusammenhängenden strengen Maßnahmen aus dem Programm zur Sanierung der Wirtschaft, hatte der Staat aufgehört, neue Beamten einzustellen. Also wandte ich mich den lokalen klein- und mittelständischen Bauunternehmen zu, die damals Auftrieb bekamen, nachdem der Staat entschieden hatte, die Straßenerhaltung und Instandsetzung zu privatisieren.  

Zwei Gründe bewegten mich schließlich dazu, selbst eine Existenz zu gründen: zum einen die unsaubere Arbeitsweise, die ich bei vielen Unternehmen feststellte, und zum anderen mein Ehrgeiz, das in Deutschland erworbene Fachwissen vor Ort in die Tat umzusetzen.

so holte ich ein mit kamerunischen Kommilitonen entworfenes Existenzgründungsprojekt aus der Schubladen hervor. Am 11 April 1996 wurde die Einrichtung RODCON ins Leben gerufen. Am 30 Januar 2003 fand die Umwandlung zu einer GmbH statt.  

 

Welche Problemen, Schwierigkeiten oder auch freudigen Momente haben Sie durchlebt?

Die Schwierigkeiten in der alltäglichen Arbeit beziehen sich auf die Menschen. Einerseits gibt es unerklärliche Verzögerungen bei den Behörden. Anderseits ist die Untreue mancher Mitarbeiter schwierig.

Freude gibt es natürlich auch, wenn man Hürden überwindet und Bauleistungen erbringt.

Ich schaue zurück und stelle fest, dass die Firma voranschreitet.  

 

Internationale Kooperation

Auf welche Leistungen Ihres Ingenieurbüros sind Sie besonders stolz? Haben Sie den Eindruck, dass Ihre Kompetenz von den Konkurrenten und den  öffentlichen Entscheidungsträgern anerkannt wird?

Im Rahmen eines von der KfW Entwicklungsbank[1] und dem Staat Kamerun finanzierten Programm zur Sanierung von Brücken aus Beton und Spannbeton in drei Regionen Kameruns, sind wir, in Zusammenarbeit mit dem deutschen Ingenieurbüro Rhein Ruhr International, kurz RRI, zuständig für die Sanierung von ca. 60 Bauwerken. Das ist bedeutend.  

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Als weitere nennenswerte Leistung würde ich die umfassenden Studien angeben, die wir zur Sanierung der "Pont de l’enfance" (siehe Foto) auf dem Sanaga-Fluss durchgeführt haben. Unsere Kompetenz wird von den Fachleuten eindeutig anerkannt.  

 

Es gibt ja noch sehr viel zu tun in Kamerun, im Straßenbausektor. Bedeutet das, dass Sie mit Aufträgen und Aufgaben überfordert seid. Oder muss man sich schon Mühe geben, um Aufträge zu bekommen?

Im heutigen Kontext, da sich zunehmend mehr konkurrierende Firmen im Sektor tummeln, erfordert es schon Aufwand, um Aufträge zu bekommen. Es ist aber auch eine Herausforderung, immer unter den besten zu bleiben.  

 

Haben Sie weitere Alumni als Mitarbeiter? Spielt es für Sie überhaupt eine Rolle, wo jemand studiert hat, bevor Sie ihn einstellen?

Ja, andere Alumni sind in RODCON beschäftigt. Ausschlaggebend für uns ist die Kompetenz. Wir haben auch Mitarbeiter, die woanders ausgebildet wurden, nämlich in Russland, Japan und natürlich in Kamerun.  

 

Deutsche Mentalität

Glauben Sie, dass es eine Art deutscher Färbung gibt in der Art und Weise, wie Sie Ihre Arbeit tagtäglich verrichten? Hat Ihr Aufenthalt im Lande Goethes Sie nachhaltig geprägt?

Ja, das glaube ich schon. Es gibt etwas deutsche Mentalität in meinem Vorgehen und meinen Handlungen. Es sind die berühmten Tugenden: Wertarbeit, Sorgfalt, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Treue, Gehaltenes Wort. Alles Werte, die ich versuche, der gesamten Belegschaft beizubringen.  

 

Wie beurteilen Sie die heutigen deutsch-kamerunischen Beziehungen? Was würde Sie als Absolvent einer Hochschule in Deutschland vorschlagen, um die Bindungen zwischen beiden Ländern zu kräftigen?

Seit vielen Jahren verfolge ich mit Interesse, was in der bilateralen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern geschieht. Man stellt fest: Es findet eine Umkehrung statt.  

Damals, in den Achtzigerjahren Jahre, waren mehrere deutsche Firmen in Kamerun tätig. Die damals entstandenen Bauwerke in Kamerun zeugen noch heute schwärmend von dieser Zeit. Da gibt es beispielsweise den imposanten Sitz der Fernsehanstalt von Kamerun und den Flughafen von Nsimalen in Yaounde.

 

Wünsche für die Zukunft?

Mein Wunsch ist natürlich dass die deutschen Unternehmen Kamerun wiederentdecken.   Ich würde drei Vorschläge machen:

 

  1. Deutschland-Rückkehrern, vor allem den Unternehmern unter ihnen, sollte es erleichtert werden, zwischen beiden Ländern zu hin und her zu reisen;
  2. Partnerschaften zwischen deutschen und kamerunischen Firmen sollten gefördert werden. Die Alumni würden dabei die Rolle des Bindeglieds übernehmen;
  3. die Denkmalschutzbehörden beider Länder sollte sich verstärkt um die Bauwerke kümmern, die zwischen 1884 und 1918 von den Deutschen in Kamerun errichtet wurden. 

 

Was würden Sie, bezüglich ihrer späteren Wiedereingliederung in Kamerun, Ihren jüngeren Landsleuten raten, die heute in Deutschland studieren?

Denen rate ich ganz klar, nach dem Studium heimzukehren. Je früher, umso besser. Ich weiß, es gibt die Furcht vor einer eventuellen prekären Lage, es gibt die Schwierigkeiten am Anfang. Aber auf Dauer passt man sich an und man findet Gelegenheiten, Lösungen oder Auswege. Die Rückkehr muss selbstverständlich vorbereitet und geplant werden. Rückkehrwillige sollten sich informieren und die Programme in Anspruch nehmen, die von den verschiedenen Organisationen bereitgestellt werden.  

Danke für das Interview, Herr Geschäftsführer.

Ich danke Ihnen gleichfalls für das Interesse, dass Sie den Absolventen deutscher Hochschulen widmen und wünsche Alumniportal Deutschland viel Erfolg bei seinen Zielsetzungen.

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[1] Die KfW Entwicklungsbank gehört zur KfW Bankengruppe. Im Auftrag der Deutschen Bundesregierung ist sie verantwortlich für die finanzielle Abwicklung vieler Projekte und Programme die im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Kamerun, au geführt werden.

(c) Ndougou Abanda, apd
cameroon@jobs.alumniportal-deutschland.org

 

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