Mit Fleiß und Beharrlichkeit konnte Wirtschaftsingenieur Chen Haozhong sein Studium in Deutschland zu mehr als einem reinen Auslandsstudium machen.
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Der Beifall rauscht noch in seinen Ohren als Chen Haozhong den DAAD-Preis in seinem Regal über dem Schreibtisch aufstellt. Er denkt über die letzten Jahre nach. Hier hat er jahrelang oft bis spät in die Nacht gesessen und nicht nur für die Uni gelernt.
DAAD-Preis für Chen Haozhong
Einmal im Jahr verleiht der DAAD einen renommierten Preis an ausländische Studierende, die herausragende Leistungen erbracht und sich durch besonderes Engagement an der Hochschule oder im sozialen Bereich hervorgetan haben.
Als Vorsitzender des chinesischen Studentenvereins der Hochschule Niederrhein kümmert sich Chen Haozhong um die Belange seiner Landsleute, organisiert Veranstaltungen zum Thema Integration und berufliche Perspektiven ausländischer Studierender und Neujahrsfeste. „Es ist eine große Ehre für mich, diesen Preis erhalten zu haben“, sagt er. Die Tatsache, dass er alle Prüfungen des Studiums des Wirtschaftsingenieurwesens in sechs Semestern geschafft und eine ausgezeichnete Diplomarbeit geschrieben hat, erfährt man erst durch beharrlicheres Nachfragen.
Der Preis motiviert ihn, sich weiterhin für ausländische Studierende einzusetzen. Vor allem will er ihnen helfen, sich besser in Deutschland zu integrieren. Warum er Integration als seinen „Kernwert“ bezeichnet, erschließt sich auch aus seiner eigenen Geschichte.
Willenskraft und Durchhaltevermögen
Chen Haozhongs Erfolg ist hart erarbeitet. Von dem heutigen Erfolg war zu Beginn seines Deutschlandaufenthalts kaum etwas zu spüren. Ein Austauschprogramm erlaubte ihm 2001 den Aufenthalt in Deutschland, sodass er ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens aufnehmen konnte. Doch war das Geld ohne jedwede finanzielle Unterstützung immer knapp. Das Gefühl, nicht Teil der Gesellschaft zu sein, sich aufgrund der anfänglichen Sprachbarriere nicht verständlich machen zu können und die zusätzlichen finanziellen Schwierigkeiten machten ihm den Anfang in Deutschland nicht leicht. Oft hörte er nur ein „Entschuldigen Sie, ich habe Sie nicht richtig verstanden“, wenn er auf Menschen zuging.
Mit diesen Erfahrungen steht Chen Haozhong nicht allein. Für viele ausländische Studierende ist die erste Zeit in Deutschland sehr schwierig. Gerade in dieser Phase bestehe die Gefahr des „China-Town-Phänomens“: dem Rückzug in die eigene vertraute Welt, erklärt er. Der Impuls, sich nach ersten, möglicherweise negativen Erfahrungen ausschließlich mit anderen Chinesen treffen, chinesisches Fernsehen anzuschauen... bleibt verständlich, führt aber leider zu einer immer größer werdenden Kluft zu Deutschland, so Chen Haozhong.
Allein seine Willenskraft und sein Durchhaltevermögen konnten ihn vor diesem Rückzug bewahren – in den Zeiten, als er zusätzlich zu seinem Studium hart bis spät in die Nacht arbeiten musste, paukte er nebenbei noch Deutschvokabeln. Nach unzähligen Stunden als Spüler im Biergarten, Kellner, Gartenbauer, Supermarktverkäufer und Chinesisch-Lehrer nimmt Chen Haozhongs Leben eine entscheidende Wende: In seinem Praxissemester bei der Continental AG kann er seine Leistungsfähigkeit endlich bei einer qualifizierten Tätigkeit unter Beweis stellen. Bereits die Suche nach dem Praktikum stimmte ihn zuversichtlich, da er aus mehreren Angeboten auswählen konnte. Die gewählte neue Aufgabe erfordert eine hohe Kommunikationsfähigkeit. Doch er sagt sich immer wieder: „Du kannst es schaffen. Du kannst die deutsche Sprache beherrschen.“
Erfolgserlebnis Praxissemester
Die Erfolgserlebnisse während des Praxissemesters beflügeln ihn so, dass er sich nach Feierabend noch intensiver mit der deutschen Sprache auseinandersetzt. Er fängt an, sich die deutsche Sprachmelodie anzueignen, indem er viel Radio hört. Plötzlich kann er mitreden: von Harald Schmidt bis zum Elterngeld. Es gelingt Chen Haozhong, sich an alltäglichen Gesprächen zu beteiligen. Heute zählt er viele Deutsche zu seinen Freunden. Mit weiteren Praktika und seiner Diplomarbeit bei einem Unternehmen baut er gezielt auf das Praxissemester auf. In diesem Prozess liegt für ihn im Nachhinein der Schlüssel zum erfolgreichen Zugang zur deutschen Gesellschaft.
Chen Haozhongs Weg ist ein positives Beispiel für viele ausländische Studierende. Sein Motto, nie aufzugeben, und sich über Sprache und Kultur zu integrieren, hat sich ausgezahlt.
Durch solche positiven Erfahrungen im Ausland kann bei der Rückkehr in das Heimatland ein „echter“ Mehrwert entstehen. Schließlich werden inzwischen auch die lokalen Fachkräfte in China besser ausgebildet.
Gut aufgestellt für die Zukunft
Wie geht es jetzt weiter nach dem Preis? Der Diplom-Wirtschaftsingenieur strebt zunächst einmal eine Tätigkeit als Nachwuchsführungskraft im Bereich Marketing/Vertrieb in Deutschland an. Dass er es schließlich geschafft hat, sich in Deutschland wohl zu fühlen, hat ihn ermutigt. Eine Zeitlang in einem englischsprachigen Land sein Englisch zu verbessern, kann er sich gut vorstellen. Mit seinem ausgezeichneten Abschluss und seinen praktischen Arbeitserfahrungen ist er in China und international gut aufgestellt.
Im Zuge der Preisverleihung spricht Chen Haozhong von Verantwortung, die er übernehmen will. Gern würde er in Zukunft allen ausländischen Studierenden bei der Integration während der Studienzeit helfen, z.B. indem er sie beim Bewerbungen schreiben unterstützt. Er hat erkannt, dass der Auslandaufenthalt erst dann in China zum echten Karrierevorsprung werden kann und die berufliche Re-Integration erleichtert, wenn Absolventen aus Deutschland mehr als gutes fachliches Know-how mitbringen. Auf die Frage, was er sich für die Zukunft wünscht, sagt Chen Haozhong: „Ausländerfreundlichkeit.“
Zuerst erschienen bei Newsletter Fachkräfte trained in Germany - China 02/08



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