
Die Solarindustrie in Deutschland profitiert von der Atom-Katastrophe in Fukushima und der daraus resultierenden Neu-Orientierung bei der Energiegewinnung. Der Industriezweig legt im ersten Quartal 2011 zweistellig zu, sowohl beim Umsatz als auch bei der Beschäftigtenzahl. Qualität „made in Germany“ zählt auch im Ausland; die Branche bietet eine Vielzahl zukunftssicherer Arbeitsplätze.
Solarenergie: Ein Segen für Deutschland
Die Sonne hat in Deutschland mehr als sechs Millionen Kunden. So viele Menschen nutzen aktuell das himmlische Kraftwerk für ihre Wärme- und Stromversorgung. Die Branche, die dahinter steckt, boomt. Allein von Januar bis März dieses Jahres produzierten die Photovoltaik-Anlagen in Deutschland 2,75 Mrd. Kilowattstunden Strom. Damit könnte man München und Köln ein Jahr lang mit Strom versorgen. Vor einem Jahr waren es noch 87 Prozent weniger.
Insgesamt sorgen ca. 150.000 Menschen in Deutschland dafür, dass durch die Sonne erzeugter Strom und Wärme bei Verbrauchern und der Industrie ankommen. Knapp 15 Prozent davon sind Akademiker, die meisten Ingenieure: Maschinenbau- und Elektro-, Verfahrenstechnik-, Prozess-, Entwicklungs- und Chemie-Ingenieure. Im Technologiebereich, in der Produktion und in der Qualitätssicherung überwiegt das Handwerk: Automatisierungstechniker, Mechatroniker, Werkstoff-, Umwelt- oder Elektrotechniker, die eine Weiterbildung zum Solarteur oder Solar-Techniker absolviert haben.
Charakteristische Anforderungen der Solar-Industrie
Die Branche hat ihre speziellen Anforderungen: Für die Verarbeitung des Rohmaterials Silizium, der Grundsubstanz der Solarzellen, braucht sie Chemiefacharbeiter und Maschinenanlagenführer. Im Prüffeld und in der Qualitätssicherung arbeiten Mikrotechnologen. Eine qualifizierte Ausbildung dazu gibt es seit 2004. Gebraucht werden überdies Sputter-Experten für die Vakuum-Beschichtung der Solarzellen und Ofen-Spezialisten. Dr. Gert Zinke vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) weiß: „Trotz einiger Besonderheiten sucht die Solarbranche vor allem gut ausgebildeten Nachwuchs mit Interesse für die Entwicklung modernster Technologien. Die Spezialisierung findet zumeist erst in den Betrieben statt.“
Laut einer Umfrage des Wissenschaftsladens Bonn vermisste fast die Hälfte der Solarunternehmen noch 2007 bei Hochschulabsolventen fundierte solartechnische Kenntnisse und Know-how in speziellen Bereichen wie Anfertigungschemie oder Dünnschichttechnologie. Seitdem hat sich viel getan: Die Zahl der Studiengänge, mit denen sich junge Leute fit für einen Job in der Wachstumsbranche machen können, ist von 144 auf 300 gewachsen. So bietet die Fachhochschule Ansbach den Studiengang Energie- und Systemtechnik oder die Universität Stuttgart den Studiengang Erneuerbare Energien mit dem Abschluss Bachelor of Science.
Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW), weiß, worauf es in der Solarindustrie künftig ankommt: „Jobs entstehen im Bereich Forschung und Entwicklung, weil die deutsche Solarbranche in neue Produkte und Verfahren investiert, um die Spitzenposition zu erhalten und die führende Rolle auszubauen.“
Photovoltaik ist ein Exportschlager
Nachdem sich die Solarstrombranche in Deutschland gut etablieren konnte, hat sich auch der Export in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt: Im Jahr 2010 wurden rund zehn Milliarden Euro im Ausland erwirtschaftet, das sind etwa zwei Drittel des Gesamtumsatzes. Der positive Trend wird laut BSW weiter anhalten – trotz der starken Konkurrenz vor allem aus Asien.
Durch einen globalen Forschungsvorsprung und gute Produktstandards bestehe international eine hohe Nachfrage nach Solartechnik-Produkten „Made in Germany. Durch steigende Produktionsleistungen in Deutschland und den weltweiten Ausbau der Produktionskapazitäten dürfte vor allem im Maschinenbau in der Photovoltaik-Komponentenproduktion der Bedarf an qualifiziertem Personal wachsen“, so BSW-Geschäftsführer Körnig.
Wenn man so will, hat die Solar-Industrie in Deutschland bereits den Segen von oben: 2008 baute der Bonner Solarworld-Konzern Papst Benedikt dem XVI. eine Solaranlage aufs Dach seiner Audienzhalle in Rom und stellte 2400 Solarmodule neben den Petersdom, so dass der Vatikan jetzt mit grünem Strom versorgt wird.
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Mr. Minh
26.03.2012 10:31 Uhr
Gut
SLAVISA
23.12.2011 14:20 Uhr
OK