Bewerben in Afrika – Augenkontakt ist wichtig

Viele Staaten in Zentral- und Südafrika haben ihre Eigenheiten beim Bewerbungsprozess. Deutschland-Alumni Gerald Mwesige aus Uganda und Mamadou Mbaye aus dem Senegal schildern, wie man in ihren Ländern zu einem Job kommt und worauf man achten sollte.

In vielen afrikanischen Staaten findet man Jobangebote in Zeitungen, die an bestimmten Tagen ihre Anzeigen schalten. Auch das Arbeitsamt oder professionelle Vermittlungsstellen bieten Jobs an. „An einen guten Job kommt man aber auch durch Beziehungen, wenn man zum Beispiel gut situierte Menschen aus der Wirtschaft oder Politik kennt“, weiß Gerald Mwesige, der in Kampala, Uganda als Analyst tätig ist.

Mamadou Mbaye aus dem Senegal scherzt: „Wenn man in den USA eine Stelle sucht, wird man gefragt, was man kann, in Frankreich, welche Diplome man hat, aber im Senegal, welche Person man kennt oder welche Person eine Empfehlung ausgesprochen hat.”

Polizeiliches Führungszeugnis erwünscht

Hat man eine passende Stelle gefunden, schickt man seine Bewerbungsunterlagen an den möglichen Arbeitgeber. Auch in Uganda gilt: Der Lebenslauf darf neben dem Anschreiben natürlich nicht fehlen. Auch Zertifikate, Auszeichnungen, eine Kopie des Personalausweises oder des Reisepasses, ein ärztliches Attest, ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Empfehlungsschreiben werden der Bewerbung üblicherweise beigelegt. „Man sollte allerdings darauf verzichten, Unterlagen zu seiner Gesundheit wie zum Beispiel ein Attest zu HIV beizulegen“, rät Gerald. Da die Amtssprache in vielen Ländern Afrikas überdies nicht die Muttersprache der Bevölkerung ist, und der Bewerber die Amtssprache vielleicht nicht perfekt beherrscht, muss man beim Anschreiben darauf achten, dass diese keine Sprachfehler hat.

Aktuelle Themen beim Bewerbungsgespräch gefragt

Wird man zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, stellen sich in der Regel zu Beginn des Treffens zunächst beide Seiten vor. Der Bewerber nennt seinen Namen, seine Qualifikation, derzeitige und/oder vergangene Arbeitsverhältnisse und seine Schwerpunkte. Anschließend spricht man über die Anforderungen an den Kandidaten und die Erwartungen an den Job. Üblich ist es auch, auf aktuelle Themen aus der Region oder des Landes einzugehen. „Dabei kann es auch um Wirtschaft, Politik oder Sport gehen“, erzählt Gerald. Normalerweise bekommt der Bewerber auch Informationen darüber, welche Mitbewerber er hat und welche Qualifikationen diese mitbringen. Dann folgen Gespräche über die Höhe des Gehalts.

„Während des Bewerbungsgesprächs sollte man darauf achten, Augenkontakt zu dem Interviewer zu halten und selbstsicher auf die Fragen zu antworten“, empfiehlt Gerald für Uganda. Aber: Der Blickkontakt ist auch die größte Herausforderung für die Senegalesen. Beim Vorstellungsgespräch spielt er eine wichtige Rolle. „Diese Eigenschaft besitzen viele Senegalesen nicht, weil es in der Erziehung nicht beigebracht wird“, schildert Mamadou. Den Eltern oder einer älteren Person beim Gespräch in die Augen zu schauen, gelte in dem Land nämlich als eine unhöfliche Geste.

Hat der Bewerber Fragen an den möglichen Arbeitgeber, kann er diese auch während des Bewerbungsgesprächs stellen. War das Gespräch erfolgreich, folgt der nächste und letzte Schritt: Meistens wird der Bewerber durch einen Anruf des Arbeitgebers darüber informiert, ob er den Job bekommt.

Fazit: Ein ärztliches Attest und das polizeiliche Führungszeugnis sind bei der Bewerbung in Europa eher ungewöhnlich, in Afrika jedoch weit verbreitet. Während man in Deutschland beim Bewerbungsgespräch niemals über Politik spricht, gehört dies in afrikanischen Staaten oft zur Routine. Auf Augenkontakt und Selbstbewusstsein wird jedoch überall Wert gelegt.  

Jobs und Karriere in Afrika und weltweit

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