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Lohnunterschied: Warum verdienen Frauen weniger als Männer?

Babypause, Halbtagsjobs – es gibt viele Faktoren, die als Erklärung dafür genannt werden, dass Frauen in Deutschland weniger verdienen als Männer. Dabei verlassen Frauen Schulen und Hochschulen oft besser qualifiziert als ihre männlichen Kollegen. Zwar unterstützt das Bundesfamilienministerium Projekte, um dem geschlechtsspezifischen Lohnunterschied entgegenzuwirken, aber es ist noch viel zu tun.

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes beträgt der Lohnunterschied in Deutschland 22 Prozent. Frauen verdienen im Schnitt 15,21 Euro brutto pro Stunde, Männer bekommen mit 19,60 Euro deutlich mehr. Der Lohnunterschied in den neuen Bundesländern beträgt „nur“ 8 Prozent, in Westdeutschland liegt er mit 24 Prozent weit darüber. Doch warum verdienen Frauen weniger als Männer?

Lohnunterschied: Konservative Gesetzgebung und Berufspausen

Einer der Gründe für den Lohnunterschied sind eineinhalb Jahrhunderte konservativer Gesetzgebung in Deutschland. Sowohl bei Bismarck im Deutschen Kaiserreich als auch unter Adenauer nach dem Zweiten Weltkrieg sahen die Gesetze und auch die Gesellschaft den Mann als Alleinverdiener vor. Frauen überbrückten die Zeit bis zur Heirat mit sozialen Berufen ohne Karriereperspektive. Diese Vorstellungen haben sich anscheinend im kollektiven Bewusstsein verankert. Bis heute basiert der geschlechtsspezifische Lohnunterschied auf diffusen Vorstellungen der männlichen Höherwertigkeit.

Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass selbst in sogenannten Frauenberufen Krankenpfleger mehr verdienen als Krankenschwestern. Im Schnitt ist das Gehalt von Frauen bei gleicher Position um 7 Prozent geringer. Hinzu kommen Berufsunterbrechungen durch die Familienplanung. Gerade in Westdeutschland sind diese in Kombination mit Teilzeitjobs typisch für Frauen, sodass der Einkommensvorsprung der Männer nicht mehr einzuholen ist. Das führt im Alter zum Gender Pension Gap: Frauen erhalten aufgrund ihres geringeren Verdienstes auch weniger Rente.

Bescheidenheit und falsche Berufswahl

Die deutlichen Lohnunterschiede wurzeln auch in Branchen- und Berufswahl der Frauen. Sie suchen nach Stellen, die gut mit der Familienplanung zu vereinbaren sind. Außerdem wechseln Frauen seltener den Job als Männer. Ziel der Männer ist es, ihre Karriere voranzutreiben und in eine höhere Gehaltsstufe zu wechseln. Die Bescheidenheit der Frauen wirkt sich auch in Verhandlungen aus. Bei einer Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, was ein gerechter Lohn sei, gaben Frauen im Schnitt eine um 25 Prozent geringere Summe an als die befragten Männer.

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) – umgangssprachlich auch Antidiskriminierungsgesetz – schreibt vor, „Benachteiligungen aus Gründen der […] sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.“ Das gilt für Einstellungsbedingungen ebenso wie für Arbeitsbedingungen einschließlich des Arbeitsentgelts.

Lohnunterschied in der EU und international

In der gesamten EU verdienen Frauen weniger als Männer: durchschnittlich 16,2 Prozent. Die Europäische Kommission kommentierte dies wie folgt: „Frauen in Europa arbeiten 59 Tage ‚unentgeltlich‘.“ Daten der Antidiskriminierungsstelle zeigen, dass die Lohnunterschiede in Italien, Malta, Rumänien und Slowenien unter 9 Prozent liegen. In allen anderen EU-Ländern sind die Lohnunterschiede höher. Schlechter als in Deutschland werden jedoch nur Frauen in Estland und Österreich bezahlt. Der Lohnunterschied in Österreich beträgt zum Beispiel 24 Prozent und Estland ist mit 27,7 Prozent negativer Spitzenreiter.

In Lateinamerika ist der Lohnunterschied noch weitaus deutlicher: Frauen verdienen hier lediglich 44 bis 77 Prozent der durchschnittlichen Männerlöhne, wenn sie überhaupt in den Arbeitsmarkt integriert sind. Ein positives Gegenbeispiel sind die USA: Hier verdienen junge, gut ausgebildete Frauen in Großstädten wie New York, Los Angeles und Chicago zum Teil bis zu 40 Prozent mehr als die Männer. In demokratisch regierten Bezirken ist dieser Trend ausgeprägter als in konservativ regierten Bezirken.

September 2013

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Kommentare

ehy yo
27. April 2016

whoa, lest das dingen mal: http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/gender-pay-gap-warum-bekommen-frauen-weniger-lohn-a-1024229.html

Dann bleiben noch 7% über, die sind in neuen studien bereits so erklärt, dass frauen sich bei gehaltsgesprächen zu sehr zurückhalten bzw. gar nicht erst führen.

Deswegen mein tipp, selbst ist die Frau und Qualifikationen hervorheben, mehr fordern und im zweifel nach alternativen umschauen. So wie es halt üblich ist.

Tzzzzzz
13. April 2016

In der USA ist bekommen Frauen 0,79$, wenn Männer 1$ machen und das auch nur die "Weißen". "Latinas" und "Afrikanische Amerikaner" noch weniger. Also ich weiß nicht, wie das ein gutes Beispiel sein soll.

k.m.
7. Mai 2015

"Positives Gegenbeispiel USA" - Was ist daran positiv, dass hier die Ungleichheit umkippt?

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