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Madagaskars Telekommunikationsnetz wird weiter ausgebaut

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Johannesburg (bfai) - Madagaskar baut weiter sein Telekommunikationsnetz aus. Die Fiberoptikkabel in den Ballungszentren wurden bereits größtenteils verlegt. Einige entlegene Gegenden müssen noch mit Mikrowellentechnologie angeschlossen werden. Hierfür stellt die Weltbank einen Kredit von 30 Mio. US$ zur Verfügung. Großes Potenzial versprechen neue Verbindungen an zwei Überseekabel. Dann können auf der Insel IT-basierte Dienstleistungen angeboten werden, wie dies jetzt schon im nahen Mauritius der Fall ist.


Tags zum Artikel: Madgaskar



Anschluss an Überseekabel eröffnet neue Möglichkeiten / Mobilfunk mit hohem Wachstum

Der vormals staatliche Telekommunikationsmonopolist Telma wurde 2004 privatisiert. Für einige Jahre schützte die Regierung das Unternehmen, doch im Juni 2008 ist diese Monopolstellung zu Ende gegangen, sodass der Markt für neue Festnetzanbieter offen steht. Angesichts der hohen Investitionskosten hält sich das Interesse bislang in Grenzen. Einzig Gulfsat engagiert sich neben Telma noch im Festnetzbereich. Gulfsat ist ausgestattet mit einer Lizenz für elf entlegene Städte, die via Satellit miteinander verbunden sind. Das Unternehmen erzielt hauptsächlich mit seinen Internetkunden Gewinne und nicht im Telefoniebereich.

 

Telma selbst hat in der Vergangenheit seine Wettbewerbsfähigkeit verbessert. Das Unternehmen investierte in den Ausbau des Fiberoptiknetzes Backbone, welches die Telekommunikation des Landes zukünftig sicherstellen soll. Derartige Hochleistungskabel wurden in den letzten Jahren von der Hauptstadt Antananarivo nach Tulear (im Südwesten Madagaskars), nach Toamasina (Osten) und Mahajanga (Nordwesten) verlegt. Damit werden die wichtigsten Ballungsgebiete versorgt. Besonders entlang der Verbindung Antananarivo-Tulear lebt ein Großteil der madagassischen Bevölkerung. An dieser Strecke liegen auch die Städte Antsirabe und Fianarantsoa.

 

Damit nicht nur Ballungsgebiete mit Telekommunikationsanschlüssen versorgt werden, vergibt die Weltbank einen Kredit über 30 Mio. US$ für die Installierung von Mikrowellenanschlüssen in entlegenen Gebieten. Bei Verwendung dieser Technologie müssen keine Kabel verlegt werden, daher halten sich auch die Kosten in Grenzen. Hohe Übertragungskapazitäten werden in abgeschiedenen Ortschaften ohnehin nicht benötigt. Daher wird Mikrowellentechnik für dünnbesiedelte Gebiete bevorzugt. In der Regel wird über Masten mit dem Handy telefoniert. Ein weiterer Vorteil ist der relativ geringe Energieverbrauch. Denn in einigen Städten werden die Masten mit Solarzellen betrieben.

 

Vor allem die Westküste Madagaskars zwischen den Städten Mahajanga im Norden und Tulear im Süden muss an das Netz angeschlossen werden. Noch steht nicht fest, welcher Anbieter die Investition tätigt, die bei 18 Mio. US$ liegen dürfte. Experten schätzen, dass die Technologie von Unternehmen wie Alcatel, Ericsson oder den chinesischen Ausrüstern Huawei oder ZTE kommen wird. Siemens hingegen werden kaum Chancen eingeräumt. Die Gebiete im Norden wurden weitestgehend vom Mobilfunkanbieter Orange angeschlossen, der Südosten um Tulear entfällt auf den Anbieter Zain (vormals Celtel).

 

Neben dem Aufbau des Inlandsbackbones spielen auch die Verbindungen ins Ausland eine wichtige Rolle. Madagaskar dürfte nach Einschätzung von Experten bis Mitte 2009 an zwei Unterseekabel angeschlossen sein. Das der US-amerikanischen Firma Seacom gehörende Kabel verläuft entlang der afrikanischen Ostküste von Mosambik über Tansania durchs Rote Meer. Von dort aus besteht Anschluss an die Netze in Europa.

 

Das zweite Kabel gehört der französischen Orange und verbindet das französische Überseedepartement Réunion mit Fernost und Südafrika. Réunion liegt nur wenige 100 km östlich von Madagaskar. Mit dem Anschluss Madagaskars an beide Kabel ist auch die Verbindung an wichtige Überseeregionen hergestellt. Die Preise für Ferngespräche dürften deutlich sinken. Zudem macht die hohe Bandbreite auch Investitionen möglich, die im weitesten Sinne IT-basiert sind, wie zum Beispiel Callcenter, die Auslagerung bestimmter Dienstleistungen wie Buchhaltung oder auch E-Medicine.

 

Das bereits seit 2003 geplante Überseekabelprojekt EASSy (Eastern Africa Submarine Cable System) kommt hingegen nicht recht voran. EASSy ist eine Initiative von 23 afrikanischen Staaten, die sich untereinander nicht einig werden können. Hinzu kommt, dass mit dem Hinauszögern wichtiger Entscheidungen auch die Kosten weiter ansteigen. Im Jahr 2007 sah es so aus, als würde die französische Alcatel das Kabel für 250 Mio. Euro bauen, die Kosten waren aber inzwischen gestiegen, so dass neu verhandelt werden musste. Auch Telma ist bei EASSy involviert. Aufgrund der anderen Optionen scheint es aber möglich, dass sich Madagaskar aus dem Projekt zurückzieht.

 

Derzeit hat Telma etwa 150.000 Festnetzkunden. Über ihre Tochter Moov bietet Telma Internetdienstleistungen an. Im Mobilfunksektor ist das Wachstum weiterhin hoch, teilweise liegen die Steigerungszahlen bei 40%. Von den insgesamt 18 Mio. Madagassen hatten 2008 gerade 3 Mio. ein Handy. Größter Mobilfunkanbieter ist mit 2 Mio. Kunden die französische Orange. Danach folgen mit großem Abstand die beiden Anbieter Zain (600.000 Kunden) und Telma (500.000 Kunden). Mit dem Ausbau des Backbones erwarten Marktkenner auch in den kommenden Jahren hohes Wachstum im Mobilfunkbereich.

(c) Carsten Ehlers/bfai

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