
Die Schlafkrankheit ist ein Leiden, das man in Deutschland scherzhaft langsamen und trägen Kollegen und Freuden unterstellt. .Als echte Krankheit existiert sie hier jedoch kaum noch. Die afrikanische Form kostet allerdings jedes Jahr mehrere Tausend Menschenleben. Schon diese Wahrnehmungsunterschiede sind bezeichnend für die Probleme zwischen Afrika und der Entwicklungshilfe der westlichen Welt, die Ulrich Köhler in seinem neuen Film „Schlafkrankheit“ aufzeigt.
Fremde Heimat Kamerun
Hauptfigur ist der holländische Entwicklungshelfer Ebbo Velten, der mit seiner deutschen Frau Vera in Kamerun lebt. Sein Projekt, die Bekämpfung der Schlafkrankheit, ist erfolgreich beendet und so steht die Heimreise nach Deutschland bevor, wo ihre 14-jährige Tochter ein Internat besucht. Während Ebbo vorerst noch in Kamerun bleiben muss, reist Vera bereits nach Hause. Jedoch wird schon vor ihrer Abreise klar, dass Ebbo Afrika nicht loslassen kann. Erst später wird deutlich, dass diese Verbundenheit mit dem Kontinent eher das Ergebnis seiner Angst vor der Rückkehr in die mittlerweile fremd gewordene europäischen Heimat ist.
Drei Jahre später lebt Ebbo noch immer in Kamerun. Er ist Vera nicht nach Deutschland gefolgt, sondern hat eine Afrikanerin geheiratet, die ein Kind von ihm erwartet. Die Familie seiner neuen Frau nutzt Ebbo allerdings nur aus. Er selbst versucht, das eigentlich abgeschlossene Entwicklungsprogramm und damit seinen letzten seiner früheren Existenz, künstlich am Leben zu erhalten. Ein Vertreter der Weltgesundheitsorganisation soll dieses Programm nun überprüfen - und der betritt die Szene wie das dunkelhäutige Spiegelbild Ebbos.
Sinn westlicher Entwicklungshilfe
Alex, so sein Name, kommt aus Frankreich, seine Wurzeln liegen aber im Kongo. Regisseur Köhler stellt seine Zuschauer durch diesen Kunstgriff vor eine echte moralische Herausforderung: Denn Alex fühlt sich der Heimat seiner Väter so gar nicht verbunden, wie man vermuten würde. Ab dem Moment, in dem er afrikanischen Boden betritt, fühlt er sich unangenehm fremd, ist verunsichert und überfordert. Er führt Ebbo somit genau die Ängste vor Augen, die ihn selbst von der Heimkehr abhalten. Das trifft Ebbo so nachhaltig, dass der Niederländer buchstäblich vor seinem französischen Alter Ego, vor seinen Ängsten also, wegläuft.
Wie sehr Ebbo dabei die Realität aus den Augen verliert, zeigt ein Gespräch mit einem Freund aus Kamerun, an dessen Ende der Freund meint: „Du bist ja schwärzer als ich!“ Diese verzweifelten Versuche, sich seiner selbst gewählten Heimat anzupassen, machen jedoch vor allemkulturelle Unterschiede deutlich. Damit stellt Urlich Köhler in seinem Film „Schlafkrankheit“ auch die Frage, was Entwicklungshilfe in einer Welt bewirken kann, die man verändern soll, sie aber selbst nur aus der Sicht des Fremden versteht.



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