
Als Kraftwerk 1974 auf ihrem vierten Album „Autobahn“ (von ihren ersten drei Alben distanziert sich die Band bis heute) endgültig zu ihrem bis heute typischen Sound gefunden hatten, kam das einer Revolution gleich.
Die Rock- und Popmusik dieser Zeit war vor allem durch die E-Gitarre und deren Virtuosen wie Jimmy Page (Led Zeppelin) oder Ritchie Blackmore (Deep Purple) geprägt. Die Band Kraftwerk schlug einen radikal neuen Weg ein: Sie verwendete ausschließlich elektronische Klänge, die sie mit zum Teil selbst konstruierten Synthesizern und Rhythmusmaschinen erzeugte und verband diese mit möglichst einfachen, fast Kinderlied-artigen Melodien. Dem Kult der „Gitarrenhelden“ setzten Kraftwerk das Konzept der „Mensch-Maschine“ entgegen. Das führte sogar soweit, dass die Musiker bei ihren Konzerten schließlich von Robotern ersetzt wurden. So verband Kraftwerk das Image einer Popband mit den Prinzipien moderner Kunst.
Vorsprung durch Techno
Den Einfluss, den Kraftwerk vor allem in England und den USA ausübten, kann man kaum hoch genug einschätzen. In England begeisterten sich viele junge Musiker (vor allem solche mit Punk-Hintergrund) an der Idee, nicht mehr mühsam ein Instrument zu erlernen, sondern spontan mit preisgünstigen Synthesizern experimentieren zu können. So entstanden Bands wie Depeche Mode, Ultravox oder O.M.D. In den USA verwendeten die ersten HipHop-DJs gerne Kraftwerk-Tracks als Begleitung für die Rapper und dieser „Electro-Funk“-Sound fand schließlich auch seinen Weg in die ersten wegweisenden HipHop-Alben z.B. bei Africa Bambaata. In Detroit begannen DJs und Musiker wie Jeff Mills oder Derek May inspiriert von Kraftwerk einen noch minimalistischeren Sound zu entwickeln, der Anfang der 90er-Jahre als Techno vor allem in Europa für eine kleine Kultur-Revolution sorgte.
Kraftwerk weltweit
Kraftwerk-Einflüsse finden sich auch bei Musikern wie David Bowie bis hin zu Bands wie Rammstein. Das künstlerische Konzept der Düsseldorfer ist heute gerade im Hinblick auf die digitalen Möglichkeiten der Tonerzeugung und Aufnahmetechniken aktueller und lebendiger denn je - und das obwohl Kraftwerk seit 1986 nur noch zwei Studioalben aufgenommen haben. Ihre fast ebenso seltenen Tourneen führten Kraftwerk schon bis nach Südamerika, Japan und Australien, wo sie ebenfalls als musikalische Pioniere verehrt werden. Als die vielleicht einzige Pop-Band mit einer unverwechselbar deutschen Identität – und als die wohl wichtigste deutsche Band überhaupt.
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Ausstellung „Kraftwerk. 3-D Video-Installation“ im Lenbachhaus in München



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