Ndapewa V. Hangula: „Die deutsche Art und Weise, Dinge anzugehen, hat mich sehr geprägt“

Name: Ndapewa V. Hangula
Lebt in: Windhoek, Namibia
Herkunftsland: Namibia
Deutschlandaufenthalt: 2004 bis 2005
Beruf: Managerin der beratenden Abteilung von PricewaterhouseCoopers Namibia

Nach Abschluss ihres Studiums der Wirtschaftsinformatik am Polytechnikum Namibia arbeitete Ndapewa V. Hangula bei verschiedenen Telekommunikationsunternehmen. In dieser Zeit besuchte sie im Rahmen des InWent-Programms „IT Consultancy in African Businesses“ ein Jahr lang Deutschland.

Karriere und Weiterbildung prägten auch die Zeit nach ihrer Rückkehr. 2009 machte sie ihren BWL-Abschluss an der University of Cape Town Graduate School of Business. Parallel arbeitete sie für ein Start-up, das eine App für den mobilen Geldtransfer entwickelt hat. 2013 gründete sie ein eigenes Beratungsunternehmen. 2015 verließ sie ihre Firma, weil sie dem Angebot nicht widerstehen kann, zukünftig bei PricewaterhouseCoopers Namibia den Bereich IT-Kundenservice zu managen und im Bereich „Strategic Business Services“ mitzuwirken.

Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken: Welche Rolle spielt Deutschland in Ihrem Lebenslauf?

Ndapewa V. Hangula: In Deutschland bin ich mit der IT-Beratung für Unternehmen in Berührung gekommen. Auch wenn ich erst ein paar Jahre nach meiner Rückkehr angefangen habe, selbst als Beraterin tätig zu sein, hat mir die Ausbildung in Deutschland doch eine solide Grundlage verschafft. Auch die „deutsche Art und Weise“, Dinge anzugehen, hat mich sehr geprägt. Ich weiß noch, dass ich nach meiner Rückkehr in meinen alten Job in Namibia oft frustriert war, aber letztlich hat doch noch immer alles geklappt.

In Namibia gibt es zahlreiche Deutschland-Alumni. Engagieren Sie sich in der örtlichen Alumni-Szene, nehmen Sie vielleicht sogar aktiv daran teil? Gibt es unter den Deutschland-Alumni ein funktionierendes Netzwerk?

Ndapewa V. Hangula: Nach meiner Rückkehr aus Deutschland habe ich mich zunächst sehr aktiv an Alumni-Aktivitäten beteiligt, sowohl in Namibia als auch darüber hinaus. Leider ist mir derzeit kein aktives Alumni-Netzwerk bekannt, aber wenn eines ins Leben gerufen wird, würde ich mich sehr gerne daran beteiligen.

Was bedeutet es für Sie, GIZ-Alumna zu sein? Was verbindet Sie heute mit der GIZ?

Ndapewa V. Hangula: Die GIZ hat mich mit vielen unterschiedlichen Aspekten des Lebens in Berührung gebracht, vor allem im beruflichen Bereich. Als Alumna möchte ich gerne Teil der Capacity Building-Programme sein, einen Beitrag leisten oder andere unterstützen, wie ich von der deutschen Regierung durch InWEnt unterstützt wurde. Meine Verbindung zur GIZ ist heute nicht so eng, wie ich es mir wünschen würde, aber ich würde mich auf jeden Fall als sehr deutschlandfreundlich bezeichnen. Ich fahre ein deutsches Auto, ich absolviere meinen MBA-Kurs bei einer deutschen Business School und würde gerne irgendwann wieder nach Deutschland reisen.

Sie haben an einem GIZ-Fortbildungsprogramm im Bereich der Informationstechnologie (IT) teilgenommen. Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) in Deutschland und in Namibia?

Ndapewa V. Hangula: Die IKT in Deutschland ist dem Sektor in Namibia natürlich weit voraus, und das gilt noch mehr für die Zeit, als ich in Deutschland war. Glücklicherweise hat die IKT in Namibia in den letzten zehn Jahren enorm aufgeholt. Wir haben inzwischen flächendeckende Breitband-Internetverbindungen; in Windhoek sind es 4G-Verbindungen, in den meisten anderen Städten immerhin 3G. Fast jeder hat heute ein Handy, die Alten genauso wie die Jungen.

In den meisten Schulen gibt es Computerräume. Auch wenn sie nicht alle mit dem Internet verbunden sind, kommen die Schüler doch weitaus früher mit der Technologie in Berührung als zu meiner Schulzeit. Die jungen Leute in Namibia nehmen sehr aktiv an den sozialen Medien teil und fast alle meine Bekannten sind entweder auf Twitter oder Facebook. Die Berufstätigen engagieren sich auf LinkedIn. Trotzdem bleibt noch viel zu tun. Nicht jeder hat Zugang zum Internet, vor allem in den ländlichen Gegenden.

In welche Richtung entwickelt sich die IKT in Afrika? Welche Trends entstehen gerade und welche werden in Zukunft relevant sein?

Ndapewa V. Hangula: Die IKT entwickelt sich in Afrika in rasantem Tempo. Ich glaube, dass die Nutzung von Mobiltelefonen als Zahlungsinstrumente sich in Afrika schneller entwickelt hat als anderswo. Kürzlich habe ich von zwei jungen Männern in Nigeria gelesen, die ein eigenes soziales Netzwerk entwickelt haben, ganz ähnlich wie Facebook. Mobiltelefone sind so alltäglich geworden, dass schon meine zweijährige Tochter mein Smartphone bedienen kann: Sie weiß, wie YouTube geöffnet wird und wie sie mit anderen Apps für Kinder umgehen muss, die ich für sie installiert habe. Die neuen Trends sind Bezahl-Apps für Mobiltelefone und soziale Netzwerke. Mobiltelefone werden nicht mehr nur zum Telefonieren und Verschicken von Textnachrichten benutzt, sondern für viele andere Zwecke, sogar als Instrument zur Abwicklung von Geschäften.

Was hat Sie dazu motiviert, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Ndapewa V. Hangula: Ich habe „NAT Business Consulting and Support“ gegründet, weil in Namibia so viele ausländische Berater tätig sind, obwohl hier genügend eigenes Know-how vorhanden ist. Ich wollte Projekte anstoßen, bei denen ich mit hiesigen Experten für die Kunden gleichwertige oder sogar bessere Ergebnisse erzielen konnte. Außerdem wollte ich meine Zeit gerne selbst einteilen können, weil meine Tochter erst ein paar Monate alt war und ich flexibel sein musste, um so viel wie möglich bei ihr sein zu können.

Das war zunächst eine Herausforderung, weil ich oft Arbeit mit nach Hause nehmen musste. Aber ich lernte schon bald, meine Aufmerksamkeit zwischen Arbeit und zu Hause zu teilen. Eine weitere Motivation war es, Arbeitsplätze zu schaffen. Als ich selbstständig war, hatte ich fünf Angestellte. In diesem Land steckt so viel Potenzial, und wenn wir Unternehmen wie „NAT Consulting“ gründen und junge Namibier einstellen, tragen wir damit zur Bildung unserer Nation bei. Ich träume davon, mein Unternehmen wieder zu leiten, aber erst in ein paar Jahren.

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