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Jugendbeteiligung an Politik weltweit fördern

Jugendliche werden bei politischen Entscheidungen selten einbezogen. Wie das Potential der Jugend genutzt und Jugendbeteiligung im Zeitalter der digitalen Gesellschaft gefördert werden kann, fragen sich Organisationen weltweit.

Mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung ist zwischen 10 und 24 Jahre alt, also etwa 1,8 Milliarden Menschen. Doch viele Jugendliche sind in ihren Ländern noch nicht wahlberechtigt, oder sie leben unter Bedingungen, in denen politische Partizipation nicht üblich oder gar nicht möglich ist. Viele Kommunen, Vereine und Initiativen setzen sich deshalb dafür ein, Jugendliche zum Mitgestalten und Mitentscheiden von politischen Prozessen zu gewinnen. Digitale Formate sind dabei heute fast unentbehrlich.

E-Partizipation zur Verbesserung des Lebensumfelds Jugendlicher

Ypart etwa ist eine Beteiligungsplattform im Internet, die es Jugendlichen ermöglicht, online konkrete Vorschläge einzubringen, mit anderen darüber zu diskutieren und abzustimmen. Sei es der Bau einer Skate-Anlage oder die Organisation von Videoabenden im Jugendhaus – immer geht es um Maßnahmen, die das Lebensumfeld der Jugendlichen vor Ort verbessern sollen. Hinter dem Online-Tool steht der gemeinnützige Verein Liquid Democracy e.V., der die Plattform in Kooperation mit dem Programm Youthpart und der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e. V. (IJAB) realisiert hat. Youthpart hat es sich zur Aufgabe gemacht, Jugendbeteiligung über digitale Medien auf Kommunaler Ebene zu fördern. Mittlerweile wird die Plattform Ypart auch von anderen internationalen Jugendorganisationen genutzt.

So zum Beispiel in Ghana: Die Youth Bridge Foundation (YBF) setzt Ypart ein, um die politische Beteiligung ghanaischer Jugendlicher auf lokaler Ebene zu stärken und ihnen dazu zu helfen, bei politischen Entscheidungen aktiv mitzubestimmen. Mittels der E-Partizipationsplattform können sie für ihre Interessen eintreten, indem sie beispielsweise mit Politikern und der öffentlichen Verwaltung diskutieren oder Petitionen einreichen. Die Plattform ist erst seit Oktober 2014 online, es gab aber in den ersten Wochen bereits 22 Vorschläge, die kommentiert und von anderen Mitgliedern bewertet wurden.

Mobile Technologien machen es möglich: Zugang für alle

Um nicht diejenigen auszuschließen, die keinen Zugang zum Internet haben oder im Umgang mit dem Medium unsicher sind, wollen die Youth Bridge Foundation und der deutsche Liquid Democracy e. V. zur Jugendbeteiligung langfristig auch mobile Technologien einsetzen und IVR/SMS-Systeme in ihre E-Partizipationsplattform einbetten. Dies macht Sinn, da mittlerweile jeder auf dem afrikanischen Kontinent ein Handy besitzt und somit partizipieren kann. Die mobilen Technologien haben außerdem den Vorteil, sich lokaler Sprachen zu bedienen, so dass Bildungsunterschiede überbrückt werden können.

Jugendbeteiligung international: Beispiele aus Südafrika und Guatemala

Südafrikanische Jugendliche engagieren sich unter Nutzung sozialer Medien für mehr Sicherheit in ihren Gemeinden – das ist die Initiative #EKSE! My voice my safety. Hier werden südafrikanische junge Menschen beim Thema Sicherheit und Gewaltprävention eingebunden. Neben Workshops und Aufklärungskampagnen werden besonders soziale Medien wie Facebook und Twitter zur Jugendbeteiligung eingesetzt. „This is meant to give young people a voice and to create dialogue around issues of criminality”, erklärt Jeff Mohlele, Vorsitzender des Youth Crime Prevention Desk (YCPD). Eine Teilnehmerin fügt hinzu: „I have a chance to engage with other young people and to know how they deal with their issues and how we deal with ours. We can share our ideas.“  So wurden 2014 zum Beispiel 67 Ideen gesammelt, wie die Sicherheit im direkten Wohnumfeld gesteigert werden kann. Die Ideen wurden anschließend über soziale Medien verbreitet und diskutiert.

In Guatemala Stadt wiederum werden Jugendliche aus sogenannten „zonas rojas“ – also aus Stadtvierteln mit hohem Gewalt- und Armutsanteil – zu Reportern für ein Online-Portal ausgebildet, auf dem sie dann – auch positiv! – über ihren Alltag berichten können. Das Projekt „Reporteros jóvenes“ hat zum Ziel, die Jugendlichen aus benachteiligten Gebieten anzuregen, ihr Recht auf Meinungsfreiheit und Mitbestimmung aktiv zu leben und ihnen dafür eine von ihnen selbst gestaltete Plattform zu bieten. Mehr als hundert Reportagen haben sich auf diese Weise bereits angesammelt, fast täglich kommen neue hinzu.

Video: Reporteros Jóvenes (englisch)

Diskussion über Möglichkeiten der Jugendbeteiligung in der Community

Jugendliche sind die Entscheidungsträger von morgen und Ausgangspunkt für gesellschaftlichen Wandel. Mit digitalen und mobilen Technologien lassen sie sich hervorragend in nachhaltige Veränderungsprozesse einbeziehen – und bestens weltweit vernetzen.

Kennen Sie noch weitere Initiativen zur Förderung der politischen Partizipation? Wie glauben Sie können junge Menschen zu mehr Teilhabe und Mitbestimmung angeregt werden? Welche Rolle können Online-Medien hier einnehmen? Diskutieren Sie mit uns in der Community-Gruppe „Digitale Gesellschaft – Digital Society“ über Möglichkeiten der Jugendbeteiligung!

Zur Community

Autorin: Miriam Moser

November 2014

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Kommentare

Jacek Kaczmarek
5. Dezember 2014

Als Bürger der Europäischen Union leben wir in einer Welt, die Informationstechnologie betroffen sind.Dank öffentlichen Zugang zu elektronischen Medien haben wir zum Beispiel Ausgangsbedingungen auf dem Arbeitsmarkt. Eine bessere Chance zum beruflichen und persönlischen Erfolg yu erzielen. Dank der Entwicklung der modernen elektronischen Medien, Junge Menschen und Politiker haben gleiche und gerechte Auswirkungen auf einander.

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