0 Finde ich gut

Das Praxisprojekt 2015: „Nachhaltig leben“ digital lernen

Carolina Baiza und Francisco Soriano aus El Salvador und Rosa Melendez aus den USA haben mit ihrem Team „Eco Kinder“ das Praxisprojekt 2015 zum Thema „Nachhaltig leben“ gewonnen. Insbesondere die Konzeption, Nutzeranalyse und digitale Produktentwicklung des Teams waren bemerkenswert und haben ihnen den Gewinn des diesjährigen Alumniportal-Wettbewerbs beschert. Wir sprachen mit Carolina, Francisco und Rosa über ihre Erfahrung mit dem Praxisprojekt.

Im Rahmen des fünfwöchigen Praxisprojektes 2015 „Nachhaltig leben“ entwickelten 21 Teams Konzepte für Apps und andere digitale Lösungen, die dazu beitragen sollen, ein nachhaltiges, umwelt- und ressourcenschonendes Leben zu erleichtern oder darüber zu informieren. Am Ende entschied das Team „Eco Kinder“ mit seinem Konzept für das Lernspiel „Eco Amigos“, das gefährdete Kinder dabei unterstützen soll, die Wichtigkeit einer nachhaltigen Lebensweise zu verstehen, das Rennen für sich und gewann den ersten Preis. Mehr zum Lernspiel „Eco Amigos“ finden Sie im Blogbeitrag zum Team „Eco Kinder“ in der Community.

Blogbeitrag „Eco Kinder“

Das Gewinner-Team „Eco Kinder“

Ein Traum wird wahr

Das Team reagierte zunächst sehr emotional auf die Nachricht von ihrem Erfolg. Rosa Melendez erzählt, dass sie mit ihrem jüngsten Sohn bei einer Schulveranstaltung war, als sie die Textnachricht von Carolina Baiza erhielt: „Ich konnte es erst gar nicht glauben. Dann bin ich fast so herumgehüpft wie mein Kleiner und habe ihm gesagt, dass wir gewonnen haben. Und dann habe ich geweint. Die anderen Eltern haben mich ganz komisch angesehen.“

Francisco Soriano betont, dass sie sich vor allem gefreut haben, weil die Umsetzung ihres Projekts positive Auswirkungen für andere Menschen mit sich bringen wird: „Ich dachte an die Gesichter der Kinder in dem Video und sah Bilder des gesamten Prozesses wie eine Dia-Show vor mir… Ich fühlte mich wie ein echter Sieger!“ „Unsere Träume sind wahr geworden und wir freuen uns sehr über die Chance, gefährdeten Kindern in El Salvador zu helfen“, fügt Carolina hinzu.

Trotz ihres arbeits- und erfolgreichen Alltags im „wirklichen Leben“ fanden die Mitglieder des Teams „Eco Kinder“ die Zeit, sich für das Praxisprojekt zu engagieren. Sie investierten ihre Energie und Möglichkeiten erfolgreich in eine Idee zum Thema „Nachhaltig leben“, die anderen helfen sollte.

Carolina Baiza führte die Marktforschung für „Eco Kinder“ durch und hatte die Aufgabe, den Pitch zu entwickeln. Sie studierte Artikel, Statistiken und weitere Quellen zu Gangs und der Umweltkrise in El Salvador. Carolina kümmerte sich um die Bilder, Videos und anderen Präsentationselemente, die zur Vermarktung des Spiels genutzt wurden. Darüber hinaus legte sie die Bereiche des Themas Nachhaltigkeit fest, die im Mittelpunkt des Spiels stehen sollten.

Im „wirklichen Leben“ sind sie sehr beschäftigt und erfolgreich

Rosa erklärt: „Ich bin Psychologin und habe einen MA in Personalwesen von einer Universität in El Salvador und einen MA in Berufs- und Erwachsenenpädagogik von der TU Dresden in Deutschland. Ich habe bereits als Kindertherapeutin gearbeitet und außerdem Trainingsmaterialien, Seminarpräsentationen und Kurspläne für ein Trainingsunternehmen entwickelt.“ Derzeit kümmert sich Rosa zu Hause um ihre Kinder. Durch die Arbeit ihres Mannes hat sie schon in verschiedenen Ländern gelebt; momentan lebt sie in den Vereinigten Staaten.

„Ich bin Nachhaltigkeitsbeauftragte im Arbol de Fuego Eco-Hotel in El Salvador und damit für die Umsetzung und Betreuung unserer grünen Initiativen zuständig. Außerdem halte ich in Schulen und Universitäten in El Salvador Vorträge über Nachhaltigkeit“, sagt Carolina. „Ich habe in Deutschland die Planung und Organisation von Handelsmessen studiert und organisiere die Teilnahme El Salvadors bei internationalen Ausstellungen. Zuletzt war das die Expo Yeosu in Korea im Jahr 2012.“

Francisco ist verheiratet, hat einen Sohn und ist begeisterter Sportler. Er läuft Marathon, hält sich gerne fit und ist ein sehr geselliger Mensch. Von Beruf ist er Anlagentechniker bei GBM, einem Unternehmen der IBM-Allianz, und leitet ein Rechenzentrum. Wie Carolina lebt er in El Salvador.

Rosa und Carolina kennen sich seit der 4. Klasse. „Wir mussten ein Jahr lang Deutsch lernen, um zur deutschen Schule in San Salvador zugelassen zu werden. Seitdem sind wir Freundinnen. Ich kenne Francisco erst seit dem Beginn des Praxisprojekts – Carolina hat uns zusammengebracht, um gemeinsam das Team ‚Eco Kinder‘ zu starten. Wir sind uns noch nie persönlich begegnet, aber nachdem wir nun seit Wochen fast täglich über Skype, WhatsApp und E-Mail miteinander kommunizieren, sehe ich ihn als einen guten Freund an“, sagt Rosa.

Carolina fügt hinzu, dass Francisco und sie zum Alumni-Netzwerk in El Salvador gehören. „Wir haben uns vor einigen Jahren kennengelernt, als wir an verschiedenen Netzwerkaktivitäten zusammenarbeiteten. Seitdem sind wir Kollegen und Freunde. Wir haben schon oft davon gesprochen, dass wir gerne zusammen etwas Positives für unser Land tun würden. Wir haben beide viel darüber gelernt, wie man in einem Land voller Gewalt eine Kultur des Friedens voranbringen kann.“

Francisco Soriano ist Informatiker und war daher für die Entwicklung des Lernspiel-Prototyps zuständig. Außerdem vereinbarte er mit der Schule ein Treffen, bei dem er die Kinder nach ihrem Feedback zu Persona und Product Canvas fragen konnte. Er kümmerte sich um die technischen Aspekte des Spiels sowie um die Präsentation.

Eine große Herausforderung: im Team zusammenarbeiten, obwohl man in verschiedenen Ländern lebt

Bei einer anspruchsvollen Gruppenaufgabe wie dem Praxisprojekt ist eine der großen Herausforderungen, die Arbeit zu organisieren und sich darüber zu verständigen, wer was tut. Rosa erklärt, dass sie für die pädagogisch-psychologische Seite des Projekts und für das Design verantwortlich war. „Francisco hat sich um die Technik gekümmert und war der Ansprechpartner für die Schule und die Kinder, die die Zielgruppe unseres Projekts darstellen. Carolina arbeitete an den Marketing- und Werbeaspekten des Projekts und sie beriet uns auch hinsichtlich seiner Nachhaltigkeit. Wir alle haben in unseren jeweiligen Arbeits- und Interessengebieten viel geforscht.“

Auf die Frage, was die größte Herausforderung des Praxisprojekts war, führen Rosa, Carolina und Francisco jeweils unterschiedliche Aspekte des Wettbewerbs an. Francisco fand das Marketing des Projekts schwierig. „Für mich war es schwer, mich nicht mit den anderen Teammitgliedern zusammensetzen und reden zu können. Und da wir auf unterschiedlichen Kanälen miteinander kommuniziert haben, sind manche Ideen im Chat verloren gegangen und wir mussten einiges öfter wiederholen, damit es auch jeder mitbekam“, sagt Rosa. Carolina stimmt ihrer Freundin zu und fügt hinzu: „Zu Anfang schien es uns beinahe unmöglich, als Team zu arbeiten, da wir verschiedenen Ländern leben. Es war zunächst kompliziert, uns zu organisieren und die besten Online-Tools für unsere Arbeit zu finden. Auch die verschiedenen Zeitzonen waren eine Herausforderung, vor allem, wenn wir an Webinaren in anderen Zeitzonen teilnahmen. Aber am Ende hat alles gut geklappt und wir haben gemerkt, wie wichtig Online-Tools sind.“

Das Team hat während der Zusammenarbeit viel voneinander gelernt. Francisco weist darauf hin, dass im Team die Zeit gut eingeteilt und die Arbeit nach den unterschiedlichen Fähigkeiten aufgeteilt werden muss. „Es ist wichtig, dass jeder gleich viel zu sagen hat. Die verschiedenen Teammitglieder haben Kenntnisse und Fähigkeiten in unterschiedlichen Bereichen und man muss geduldig sein und von ihnen lernen. Der Schlüssel zu einer harmonischen Zusammenarbeit war gegenseitiger Respekt“, beschreibt Carolina.

Rosa Melendez ist Psychologin, Pädagogin und Künstlerin. Sie war für das grafische Design des Spiels verantwortlich und hat den Fragebogen entwickelt, mithilfe dessen die Kinder bei der Ausarbeitung von Persona und Product Canvas mitwirkten. Sie hat zwei Kinder und kennt sich daher mit Videospielen aus. Außerdem hat sie weitere pädagogische Spiele recherchiert.

In fünf Wochen ein neues Produkt entwickeln

Allen drei Teammitgliedern haben die Webinare großen Spaß gemacht. Sie fanden es faszinierend zu lernen, wie man in fünf Wochen ein neues Produkt entwickelt. Auch der Besuch der Schule war ein besonders interessantes Element des Projekts. Obwohl Rosa nicht mit den anderen an diesem Besuch teilnehmen konnte, beschreibt sie, wie großartig er für Carolina und Francisco und auch für sie als virtuelle Teilnehmerin war. „Mein WhatsApp wurde geradezu mit Bildern von den Kindern und der Arbeit mit ihnen bombardiert. Der Besuch in der Schule war nötig, um die Bedürfnisse der Kinder zu identifizieren“, sagt Carolina. „Mithilfe der praktischen und effektiven Methoden, die uns zur Verfügung gestellt wurden, konnten wir ein Produkt für diese Kinder entwickeln. Und sie brauchen dringend Instrumente, mit denen sie ihre Zukunft verbessern können. Auch die Unterstützung durch die Partner während der Projektarbeit war fantastisch. Menschen aus allen möglichen Bereichen boten uns Hilfe bei der Arbeit für gefährdete Kinder an, darunter Künstler, Autoren, Journalisten, Lehrer und Unternehmer.“ Auch die Anregungen der anderen Teams war ausgesprochen hilfreich, stimmen Rosa, Francisco und Carolina überein.

Auf die Frage, wie es mit der App/Webseite weitergehen soll, bekräftigt Carolina, dass die drei vorhaben, das Projekt energisch voranzutreiben. „Mit starker Unterstützung unseres lokalen Netzwerks wollen wir noch mehr Schulen und mehr Kinder erreichen, um damit eine positive Veränderung für die Kinder und die Umwelt El Salvadors zu ermöglichen.“ „Wir möchten unser Spiel ‚Eco Amigos‘ vielen Kindern in unserem Land zugänglich machen, damit sie schon von klein auf lernen, wie wichtig ein nachhaltiges Leben ist. Wir hoffen, dabei von Schulen und verschiedenen Organisationen unterstützt zu werden. Sie könnten Netzwerke schaffen, in denen die Kinder ihre Ideen, Erfahrungen, Bilder und Spielresultate teilen und voneinander lernen können“, schließt Rosa.

Schwerpunktthema „Nachhaltig leben“

Damit die heutigen wie die zukünftigen Generationen dieselben Chancen auf ein erfülltes Leben haben, müssen wir auf allen Ebenen nachhaltig handeln. Das Schwerpunktthema „Nachhaltig leben“ beschäftigte sich mit der Frage, wie jeder Einzelne von uns einen Beitrag zu einem umwelt- und ressourcenschonenden Leben leisten kann. 

Dezember 2015

Dieser Text ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. Möglicherweise unterliegen zusätzliche Inhalte wie Bilder und Videos jeweils zusätzlichen Bedingungen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie einverstanden. Zudem gilt folgende Regelung für die korrekte Benennung der Urheber und Quelle sowie Übersetzungen.

Jetzt kommentieren