
„Ich wollte meine wissenschaftliche Ausbildung in meiner Heimat Uganda machen. Denn hier kann ich meine Kompetenzen sinnvoll einsetzen und beim Aufbau des Landes mitwirken“, betont Beatrice Mpora Odongkara. Die 34-jährige Kinderärztin hat ihren Master in Kinderheilkunde mit einem Sur-Place-Stipendium des DAAD erworben.
Sie wollte und konnte dafür nicht im Ausland studieren: Zum einen fehlte ihr das Geld, zum anderen hatte sie eine Familie zu versorgen. „Außer um unsere eigenen Kinder kümmern sich mein Mann und ich um Waisenkinder in Gulu, einer Region, die rund 20 Jahre Bürgerkrieg erlebt hat.“ Diese Verbindung von wissenschaftlicher Expertise und Engagement für die Heimat zeigen viele Ugander.
Kompetenzen sinnvoll verknüpfen
Zum Beispiel Geoffrey Bakunda. Der Dekan der School of Marketing and Hospitality Management an der Makerere Universität in Kampala plante, in einem großen Unternehmen Karriere zu machen. Doch nach dem Masterabschluss wurde ihm klar, dass er seine Kompetenzen für sein Land einsetzen wollte. „Das Sur Place-Stipendium für meinen PhD hatte mehrere Vorteile. Ich konnte vor Ort forschen und meine Kontakte in der Politik halten.“ Der Ökonom ist Experte für den Agrarsektor, dem bedeutendsten Wirtschaftszweig Ugandas und vieler Entwicklungsländer. Für Bakunda war es besonders wichtig, Kleinbauern vor Ort zu befragen und deren Situation zu analysieren. Denn als Berater der Regierung sitzt der Fachmann in verschiedenen Gremien und versucht, seine Kenntnisse in praktisches politisches Handeln umsetzen zu lassen.
Auch Silver Mugisha ist von der Idee des Sur Place-Stipendiums überzeugt: „Ich habe bewusst meine Doktorarbeit in Uganda geschrieben. Wir brauchen dringend Leute, die ihr Land lieben und es wirtschaftlich voranbringen wollen.“ Silver Mugisha ist verantwortlich für die Unternehmensentwicklung bei der Nationalen Gesellschaft für Wasserversorgung und Abwasser. Er arbeitet damit in einem Bereich, der überlebenswichtig ist: Gerechte Wasserversorgung. „Um die Probleme in Afrika anzugehen, sollten Wissenschaftler hier forschen, in einem chaotischen System und nicht in geordneten Systemen im Ausland. Europäische Wasserprobleme sind nicht auf Uganda übertragbar.“
Seit Ende der sechziger Jahre fördert der DAAD die Ausbildung junger Hochschullehrerinnen und -lehrer mit dem Sur Place-Programm in Uganda. Diese Förderung existiert auch in anderen Ländern der Region Subsahara, in Zentral- und Südamerika, Südostasien und dem Nahen Osten.
Nyeko Pen-Mogi ist Rektor der Universität im nordugandischen Gulu.
Kompetenzen im eigenen Land halten
Nyeko Pen-Mogi, Rektor der Universität im nordugandischen Gulu, unterstreicht die Bedeutung von Sur Place-Stipendien für die Forschungslandschaft. „Viele Stipendiaten, die für ihren Master oder PhD ins Ausland gehen, kommen nicht zurück. Wir verlieren diese jungen Wissenschaftler mit ihren so wichtigen Kompetenzen.“ Der Veterinärmediziner war selbst Stipendiat des DAAD und kennt daher die Bedingungen und Auswirkungen dieses Stipendiums. Als Hochschulpolitiker weiß er, dass immer mehr qualifizierte Fach- und Führungskräfte gebraucht werden. Denn je stärker die Hochschulen ihre Fächer ausbauen, umso wichtiger werden entsprechend ausgebildete Mitarbeiter. Damit steigt auch die Bedeutung der Sur Place-Programme.
Welche Erfahrungen haben Sie mit wissenschaftlicher Weiterbildung in der Heimat gemacht? Kann dies eine gute Alternative zum Auslandsaufenthalt sein?
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