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„Buddies for Refugees“: Das Mentorenprogramm der TU München

Angesichts des großen Zuzugs von Flüchtlingen nach Deutschland stellen sich auch die Universitäten auf eine steigende Zahl ausländischer Studienbewerber ein. In Mentorenprogrammen wie der Initiative „Buddies for Refugees“ setzen sich Studierende für die Integration von Flüchtlingen ein.  Ein Gespräch mit dem Vizepräsidenten für Studium und Lehre der Technischen Universität München, Professor Gerhard Müller, und dem Geschäftsführer der „TUM: Junge Akademie“, Peter Finger.

Die „TUM: Junge Akademie“ ist das Förderprogramm der TU München für außerordentlich talentierte und engagierte Studierende. Peter Finger ist hier Geschäftsführer und einer der Initiatoren des Programms „Buddies for Refugees“. Professor Gerhard Müller ist Inhaber des Lehrstuhls für Baumechanik und geschäftsführender Vizepräsident für Studium und Lehre der TU München.

Herr Professor Müller, Sie sind als einer der ersten an der TU München mit der Frage konfrontiert gewesen, was der große Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland ganz konkret für die Universität bedeutet. Wie macht sich das in Zahlen bemerkbar? Und welche Maßnahmen hat die TU München in diesem Zusammenhang ergriffen?

Gerhard Müller: Genaue Zahlen kann man da nicht nennen, sie werden auch nicht gesondert erhoben. Wir merken schon, dass die internationalen Bewerbungen deutlich zunehmen. Aber wir können hier nicht eindeutig differenzieren, ob die einzelnen Bewerberinnen und Bewerber als Flüchtlinge bei uns anklopfen oder weil sie in ihrer Heimat ganz gezielt einen bestimmten Studiengang gewählt haben, für den sie sich bewerben.

Für einen regulären Bachelor- oder Masterstudiengang sind Schätzungen zufolge nur etwa zwei Prozent der hier ankommenden Geflüchteten geeignet. Das liegt nicht zuletzt an den fehlenden Deutschkenntnissen. In den internationalen Masterstudiengängen ist die sprachliche Hürde in der Regel geringer, weil hier auf Englisch unterrichtet wird. Und für die Gruppe der Gasthörer können wir grundsätzlich die Anforderungen bei den Sprachkenntnissen absenken.

Einstieg für Flüchtlinge als Gasthörer

Herr  Finger, Sie sind einer der Initiatoren, des Programms „Buddies for Refugees“ hier an der Technischen Universität München. Was ist das für ein Programm und welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht.

Peter Finger: In unserem Programm werden Geflüchtete, die als Gasthörer an unserer Universität studieren wollen, im Tandem von jeweils einem oder einer kleinen Gruppe der hiesigen Studierenden kontinuierlich begleitet. Die positivste Erfahrung, die wir bisher gemacht haben, ist die, in welchem Umfang und mit welcher Hingabe sich die Studierenden, aber auch die Universität insgesamt dabei engagiert haben, die Geflüchteten hier willkommen zu heißen.

Was die konkrete Arbeit im Programm „Buddies for Refugees“ angeht, ist natürlich auch hier die Sprache ein elementares Thema. Fast immer funktioniert die Verständigung gut, weil die meisten Flüchtlinge, die sich für eine Gasthörerschaft interessieren, zumindest über ausreichende Englischkenntnisse verfügen. Schwierig wird es, wenn weder ausreichende Englisch- noch Deutschkenntnisse vorhanden sind. Wir hatten jetzt im Wintersemester zum Beispiel eine junge Frau aus Libyen, die außer Arabisch nur Französisch konnte. Für sie war die Kommunikation mit ihrem „Buddy“, der weder das eine noch das andere beherrscht, natürlich schwer. Die beiden haben sich mit Händen und Füßen verständigen müssen, sind aber immer noch in dieser Tandemstruktur zusammen. Sie sind beide sehr geduldig und haben sich immer mehr angenähert.

Letztlich zielt unser Programm vor allem darauf ab, dem jeweiligen Gasthörer auch die Perspektive zu eröffnen, sich in einer absehbaren Zeit für ein reguläres Studium bewerben zu können. Im Falle der jungen Frau aus Libyen ist es so, dass sie wirklich sehr ehrgeizig ist und sich voll reinhängt. Trotzdem wird sie frühestens in zwei Jahren so weit sein, in einen deutschsprachigen Bachelorstudiengang einsteigen zu können.

Flüchtlinge an deutschen Hochschulen

2016 könnten bis zu 50.000 Flüchtlinge ein Studium an einer deutschen Universität aufnehmen wollen. Die Hochschulen rüsten sich für diese Aufgabe. Völlig neue Wege geht die „Kiron University“.

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Mentorenprogramm „Buddies for Refugees“ fördert die Integration

Auch wenn der ganz große Flüchtlingsansturm an die Hochschulen bisher ausgeblieben ist, werden die Zahlen in Zukunft sicherlich weiter steigen. Nach Auskunft des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) kann bereits für 2016 mit 30.000 bis 50.000 zusätzlichen ausländischen Studierenden in Deutschland gerechnet werden. Sind die Hochschulen für einen solchen Ansturm gerüstet?

Gerhard Müller: Wie gesagt: Was die tatsächlichen Zahlen angeht, könnte ich da nur spekulieren. Aber: Ja, wir fühlen uns gut gerüstet! Und: Wir sehen die internationalen Studierenden vor allem als Chance. Auch deshalb haben wir uns sehr frühzeitig proaktiv mit dieser Herausforderung auseinandergesetzt. Und wir haben darüber hinaus ganz gezielt Programme zur Begleitung auch für diejenigen Interessenten aufgelegt, die noch nicht die Voraussetzungen für einen unserer internationalen Studiengänge mitbringen.

Auch wer in seinem Heimatland kurz vor der Aufnahme eines Studiums stand, sein Studium dort unterbrechen musste oder aber in einem Beruf stand, soll sich hier sinnvoll weiterqualifizieren können. Deshalb haben wir für diese Personengruppe parallel zur Möglichkeit des Gasthörerstudiums das Betreuungsangebot „Buddies for Refugees“ entwickelt, das aus den Reihen der Studierenden und Mitarbeiter der Universität, aber auch aus der Zivilgesellschaft vielfältige Unterstützung erfahren hat, zum Beispiel im letzten Semester durch die Kostenübernahme für den Öffentlichen Nahverkehr.

In diesem Programm gibt es neben den Studierenden als „Junior Buddies“ auch sogenannte „Senior Buddies“, das sind Personen, die schon im Beruf stehen oder auch Professorinnen oder Professoren der Universität, die Studierendengruppen aus Buddies und Geflüchteten betreuen. Und im bevorstehenden Sommersemester wird es darüber hinaus spezielle „Campus Buddies“ geben. Diese nehmen Flüchtlinge, die sich als Gasthörer bewerben, gleich zu Beginn an die Hand, begleiten sie während des ganzen Beratungs-, Bewerbungs- und Einschreibungsprozesses und unterstützen sie bei allen Formalitäten.

Studierendeninitiative „Cross Borders“

Die Russin Evgenia Gavrilova ist eine der Ehrenamtlichen der Studierendeninitiative „Cross Borders“, die mit kostenfreien Sprachkursen Flüchtlingen das Ankommen in Deutschland erleichtern soll.

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Beide Seiten profitieren durch interkulturellen Austausch

Das Buddies-for-Refugees-Programm hat sich aus einem großartigen ehrenamtlichen Engagement hier an der Hochschule entwickelt. Und von der Universität wird es unter anderem mit speziell entwickelten Vorbereitungskursen für die Buddies unterstützt. Gegenstand solcher Kurse sind etwa Fragen der interkulturellen Kommunikation oder der Umgang mit traumatisierten Personen und vieles andere mehr. Hier sind viele Expertinnen und Experten aus den verschiedenen Instituten der Universität eingebunden.

Damit sind es nicht nur die Flüchtlinge, die von diesem Programm profitieren, indem sie von den Buddies bei ihrem Weg ins und durch das Studium unterstützt werden. Auch die Buddies und die Kommilitoninnen und Kommilitonen profitieren vom Austausch mit den Studierenden aus anderen Kulturkreisen und gewinnen erweiterte Perspektiven auf die Welt in all ihrer Vielfältigkeit. Diese Aspekte sollte man vor dem Hintergrund der bevorstehenden Integrationsleistungen nicht gering schätzen. Schließlich werden viele unserer Studierenden später in Führungspositionen die Geschicke unserer Gesellschaft mitbestimmen.

April 2016

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Kommentare

Mudondo Ketty Nankya
9. Mai 2016

Educating refugees helps to reduce on the number of un employment in the country and also reduce on the level of crimes created

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