4 Finde ich gut

Erasmus+ verbindet Europa mit 150 Partnerländern in aller Welt

Das Europäische Bildungsprogramm Erasmus beschränkte sich bisher im Wesentlichen auf 33 europäische Programmländer. 2015 wurde es unter dem Namen Erasmus+ um eine „internationale Dimension“ erweitert und auf 150 zusätzliche Partnerländer ausgedehnt. Das größte europäische Bildungs- und Mobilitätsprogramm bietet nun Studierenden, Doktoranden, Hochschulmitarbeitern und Wissenschaftlern aus aller Welt die Möglichkeit, an einer europäischen Hochschule zu lehren oder zu studieren.

So konnte auch Batoul Adel davon profitieren: Ihr Aufenthalt in Deutschland wurde von Erasmus+ gefördert. „Ich habe so viele Menschen verschiedener Nationalitäten kennengelernt. Das hat meine interkulturelle Kompetenz sehr gestärkt“, sagt die Masterstudentin von der Deutsch-Jordanischen Hochschule in Amman. Sie war von April bis Ende Juli 2016 in Berlin und hat dort an einem gemeinsamen Forschungsprojekt ihrer jordanischen Universität und der Humboldt-Universität zu Berlin im Bereich „Integrated Natural Resources Management“ gearbeitet.

„Ich konnte viele neue wissenschaftliche Erfahrungen sammeln. Und wir haben durch die Arbeit an dem Projekt ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern aufgebaut“, erzählt Batoul Adel. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig ein Auslandsaufenthalt für die persönliche und berufliche Entwicklung sein kann: Die Studierenden und Wissenschaftler lernen ein anderes Land und viele neue Leute kennen, können sich in einer anderen Lernumgebung ausprobieren, sie stärken ihre interkulturellen und wissenschaftlichen Kompetenzen und lernen neue Fremdsprachen. Diese Fähigkeiten sind auch für spätere Arbeitgeber attraktiv.

EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport

Das Programm Erasmus+ hat eine Laufzeit von 2014 bis 2020. Neben dem Austausch von Studierenden, Doktoranden, Hochschulmitarbeitern und Wissenschaftlern (Leitaktion 1) werden drei weitere Programmlinien gefördert:

  • Partnerschaften und Kooperationsprojekte (Leitaktion 2): Hierbei wird die Internationalisierung von europäischen Hochschulen im Rahmen von strategischen Partnerschaften und Wissensallianzen gefördert. Außerdem werden die Netzwerkbildung und gemeinsame Projekte zum Kapazitätsaufbau in europäischen Nachbarschaftsregionen unterstützt und weltweit internationale Partnerschaften gefördert.
  • Unterstützung politischer Reformprozesse (Leitaktion 3): Mit Erasmus+ unterstützt die Europäische Kommission bildungspolitische Reformprozesse in Europa und über die Grenzen Europas hinaus.
  • Jean-Monnet: Mit dieser Programmlinie werden Lehrtätigkeiten, Forschung und Untersuchungen im Zusammenhang mit internationalen EU-Studien gefördert.

Die Leitaktion 1 und die Strategischen Partnerschaften in der Leitaktion 2 werden dezentral durch die Nationale Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit verwaltet. Die übrigen Programmlinien der Leitaktionen 2 und 3 sowie Jean-Monnet werden bei der Europäischen Kommission zentral verwaltet. Die Nationale Agentur berät und informiert zu allen Aktionen.

150 Partnerländer außerhalb Europas

„Wir haben mit den 28 EU-Staaten sowie Island, Norwegen, der Schweiz, der Türkei und Mazedonien weiterhin unsere 33 Programmländer“, sagt Dr. Markus Symmank, der im DAAD Experte für die „1. Leitaktion „Mobilität von Einzelpersonen“ im Rahmen von Erasmus+ ist. „Seit 2015 verbinden wir Europa durch Erasmus+ aber außerdem noch mit dem Rest der Welt.“

Hinzugekommen sind 150 sogenannte Partnerländer weltweit. Der Schwerpunkt der Förderung liegt dabei auf den Nachbarregionen der Europäischen Union: dem westlichen Balkan, zehn Staaten Nordafrikas, dem Nahen Osten, Russland und sechs weiteren Staaten in Osteuropa und dem Kaukasus. Vor allem der Austausch nach Europa soll unterstützt werden. Aber auch in die andere Richtung bietet das Programm zahlreiche neue Möglichkeiten: Studienaufenthalte in den Partnerländern werden ebenfalls uneingeschränkt gefördert.

Umfangreiche Unterstützung für Geförderte aus den Erasmus+-Partnerländern

In den neuen Partnerländern wird die Möglichkeit auf Förderung eines Auslandsaufenthaltes in Europa gut angenommen: „In Deutschland fördern wir mit den Partnerländern pro Jahr den Austausch von etwa 3.000 Wissenschaftlern und Studenten“, sagt Symmank. Geförderte, die aus den 150 Partnerländern von Erasmus+ nach Deutschland kommen, erwartet eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Unterstützung: So werden beispielsweise Zuschüsse zu den Fahrtkosten gezahlt und es fallen keine Studiengebühren an.

Außerdem bekommen Geförderte aus den Partnerländern über Erasmus+ pro Monat 800 Euro. „Das ist eine deutlich höhere Summe, als Geförderte aus den Programmländern erhalten, die einen Auslandsaufenthalt innerhalb der 33 Erasmus+-Programmländer absolvieren“, sagt Dr. Markus Symmank. Je nach Land sind es für diese Geförderten „nur“ 150 bis 500 Euro monatlich, wenn sie in eines der anderen Programmländer gehen.

Wie kann ich mich über Erasmus+ um eine Förderung in Deutschland bewerben?

  1. An der eigenen Universität erfragen, ob und mit welchen Universitäten in Deutschland Verträge im Rahmen von Erasmus+ bestehen.
  2. Wenn ein solcher Vertrag besteht: Kontakt zur Wunschuniversität in Deutschland aufnehmen. Ansprechpartner finden Sie auf der Webseite des DAAD zum Programm Erasmus+.
  3. Über die Bewerbungskriterien an der Wunschuniversität informieren. Dann die Bewerbung direkt an die Wunschuniversität richten. Bewerbungsfristen, die geforderten Unterlagen und weiteres wird meist über die Webseite der Wunschuniversität bekanntgegeben oder ist über das jeweilige „International Office“ zu erfahren.

Detaillierte Informationen für Studierende finden Sie auf der Webseite der Europäischen Kommission zu Erasmus+

Zur Webseite

Mit Erasmus+ mehr als einmal ins Ausland

„Bei Bachelor- oder Masterstudiengängen können insgesamt zwölf Monate im Ausland gefördert werden“, sagt Symmank. Durch das neue Erasmus+-Programm gibt es hier eine Neuerung, die vor allem für Studierende aus den 33 Programmländern interessant sein dürfte: „Die zwölf Monate kann man nun verteilen: Zum Beispiel viermal drei Monate, zweimal sechs oder einmal zwölf Monate“, erklärt Symmank. „Außerdem kann man dabei nun auch verschiedene Länder wählen.“

Davon hat Dilek Utku profitiert: Sie war im Sommersemester 2016 schon zum zweiten Mal für einen Studienaufenthalt in Deutschland. Die Germanistin aus Izmir hat von Mai bis September an der Universität Wuppertal an ihrer Masterarbeit geschrieben. Bereits 2013 war sie für ihre Bachelorarbeit an der Universität in Augsburg. „Das habe ich dem neuen Erasmus+-Programm zu verdanken. So konnte auch mein zweiter Auslandsaufenthalt gefördert werden“, erzählt sie.

„Um eine Sprache zu lernen, gibt es nichts Besseres, als sie zu sprechen. Gerade für mich als Germanistin ist das wichtig“, sagt Dilek Utku. „In den vergangenen Monaten konnte ich meine Sprachkenntnisse enorm verbessern. Dass Erasmus+ mir noch einen zweiten Aufenthalt in Deutschland ermöglicht hat, war mein Glück!“

  • Batoul Adel: „Es war toll, mein Wissen für ein konkretes Projekt zu nutzen.“

    „Es war toll, mein Wissen für ein konkretes Projekt zu nutzen.“


    Batoul Adel macht an der Deutsch-Jordanischen Hochschule in Amman ihren Master.
    Das  gemeinsame Forschungsprojekt ihrer Hochschule und der Humboldt-Universität Berlin zu Aspekten der Wasserbewirtschaftung / des Wassermanagements in Jordanien startete im Dezember 2015. Im März 2016 waren Masterstudenten der Humboldt-Universität in Jordanien. Dort erhoben sie gemeinsam mit Masterstudenten der Deutsch-Jordanischen Hochschule empirische Studien für das Projekt. Von April bis August 2016 kamen dann die jordanischen Studenten nach Berlin, um das Projekt abzuschließen. Erasmus+ hat diesen Austausch gefördert.

    „Ich habe so viele Menschen verschiedener Nationalitäten kennengelernt. Das hat meine interkulturelle Kompetenz sehr gestärkt. Außerdem konnte ich viele neue wissenschaftliche Erfahrungen sammeln. Und wir haben durch die Arbeit an dem Projekt ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern aufgebaut. Es war auch toll, mein Wissen für ein konkretes, Projekt zu nutzen. Für mich war das eine ganz neue Lern-Erfahrung. Durch den Austausch konnte ich mich persönlich und in meiner wissenschaftlichen Kompetenz sehr stark weiterentwickeln.“

    Zum Community-Profil von Batoul Adel

  • Dilek Utku: „Ich habe nun keine Angst mehr, Deutsch zu sprechen.“

    „Ich habe nun keine Angst mehr, Deutsch zu sprechen.“


    Dilek Utku hat ihr Germanistikstudium mit einem Bachelor an der türkischen Universität Ege in Izmir abgeschlossen. Jetzt schreibt sie ihre Masterarbeit an derselben Uni.

    „Für die Arbeitssuche ist es natürlich wertvoll, wenn ein Auslandssemester in Deutschland in meinem Lebenslauf steht. Die beste Möglichkeit dafür war Erasmus+. Das Programm hat mich unterstützt.

    Ich lerne seit sieben Jahren Deutsch, und seit zwei Jahren unterrichte ich Deutsch in meinem Heimatland. Um eine Sprache zu lernen, gibt es nichts Besseres, als sie zu sprechen. Gerade für mich als Germanistin ist das wichtig. Dass Erasmus+ mir noch einen zweiten Aufenthalt in Deutschland ermöglicht hat, war mein Glück! Ich habe nun keine Angst mehr, Deutsch zu sprechen.

    Außerdem habe ich in Deutschland viele neue Freunde aus verschiedenen Ländern gefunden. In meiner Freizeit habe ich viele Städte (Köln, Hamburg, Düsseldorf, Dortmund, Essen) und verschiedene Veranstaltungen (Theater, Oper, Feste) besucht. Eine neue Kultur, neue Gerichte, neue Leute, neue Städte – eine neue Welt für mich!“

    Zum Community-Profil von Dilek Utku

  • Goshunali Taghiyev: „Das wird bestimmt eine gute Erfahrung!“

    „Das wird bestimmt eine gute Erfahrung!“


    Goshunali Taghiyev stammt aus Aserbaidschan. Er studiert an der türkischen Universität Ege in Izmir Business Administration.

    „Über das Programm YFU (Youth for Understanding: Internationaler Jugendaustausch) war ich 2011 und 2012 bereits für zwölf Monate in Deutschland, in Bayern. Ich habe die deutsche Kultur und Sprache also schon kennengelernt.

    Mit Erasmus+ bleibe ich nun für ein Jahr in Hamburg – bis September 2017. Während dieser Zeit möchte ich mein Deutsch verbessern. Ich erwarte außerdem, dass ich meine beruflichen Fähigkeiten und Kenntnisse weiterentwickeln kann. Und natürlich möchte ich viele andere Studenten kennenlernen. Das wird bestimmt eine gute Erfahrung für mich!“

Das Schwerpunktthema „Ortswechsel – Neue Wege gehen“ beschäftigt sich mit den vielen Gründen, sein Heimatland für eine gewisse Zeit zu verlassen. Eine Möglichkeit ist ein Auslandssemester während des Studiums. Mit welchem Programm sind Sie ins Ausland gegangen? Und welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Berichten Sie uns von den Herausforderungen eines Auslandssemesters in der Community-Gruppe „Studium und Forschung“!

Community-Diskussion

Autorin: Verena Striebinger

Planen Sie auch einen Studienaufenthalt im Ausland? Welche Erwartungen haben Sie?

Oktober 2016

Dieser Text ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. Möglicherweise unterliegen zusätzliche Inhalte wie Bilder und Videos jeweils zusätzlichen Bedingungen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie einverstanden. Zudem gilt folgende Regelung für die korrekte Benennung der Urheber und Quelle sowie Übersetzungen.

Kommentare

Valentina marinovska
11. November 2016

Ich moechte mich fuer die Information sehr bedanken.Das Mitgeteilte ueber die Zeit des Vervollkommens in Deutschland finde ich sehr wichtig.Die Ausbildung Im Ausland ist wirklich eine dauerhafte Investition fuer die Zukunft.Frueh oder spaet bringt sie den Gefoerderten viel Lebensfreude und Selbstachten.

Samy Elngar
6. November 2016

Was für ein klima kann man dadurch echt vieles lernen und mehrere Erfahrungen sammeln.
Wirklich finde ich toll!

Jetzt kommentieren