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Bildung für eine bessere Zukunft: Das Stipendienprogramm „Führungskräfte für Syrien“

Ein Studium ist in Syrien wegen des Krieges kaum möglich. Inzwischen wächst eine ganze Generation heran, die ihr berufliches und akademisches Potenzial nicht ausschöpfen kann. Das Stipendienprogramm „Führungskräfte für Syrien“ ermöglicht zumindest einigen von ihnen ein Studium in Deutschland.

Viele junge Syrerinnen und Syrer mussten wegen des Krieges ihr Heimatland verlassen und ihr Studium abbrechen oder haben erst gar keine Möglichkeit, ein Studium zu beginnen. Damit infolge des Syrien-Konflikts nach den Worten von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier keine „verlorene Generation“ heranwächst, hat der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) mit Mitteln des Auswärtigen Amts das Stipendienprogramm „Führungskräfte für Syrien“ aufgelegt.

„Führungskräfte für Syrien“ ermöglicht über 200 Stipendiaten ein Studium in Deutschland

„Das künftige Syrien braucht in allen Bereichen qualifizierte Leute – davon sind wir fest überzeugt“, sagt Dr. Christian Hülshörster, der im DAAD den Bereich Stipendienprogramme Süd leitet. In Syrien selbst stehen die Chancen auf eine qualifizierte Ausbildung aufgrund des andauernden Krieges schlecht. Daher wird durch das Programm „Führungskräfte für Syrien“ derzeit 200 Stipendiaten mit Mitteln des Auswärtigen Amtes und noch einmal 21 Stipendiaten durch die Unterstützung des Wissenschaftsministeriums Nordrhein-Westfalen ein Studium in Deutschland ermöglicht.

Das Programm richtet sich dabei in erster Linie an Masterstudierende, außerdem gibt es Plätze für Doktoranden und Bachelorstudierende. Ab Oktober 2014 konnten sich Studierende in Syrien und Flüchtlinge aus Syrien bewerben – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort. „Alle Stipendienplätze des Programms sind bereits vergeben, ob es eine Neuauflage gibt, wissen wir noch nicht“, erklärt Hülshörster.

Stipendien für syrische Studierende

Die Stipendienplätze des Programms „Führungskräfte für Syrien“ sind bereits alle vergeben. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) bietet aber jährlich weiterhin etwa 25 Regelstipendien für syrische Studierende an. Haben Sie Interesse? Dann informieren Sie sich auf der Webseite des DAAD – dort finden Sie eine Liste von Stipendien-Möglichkeiten für Studierende aus Syrien.

DAAD-Webseite

Bewerbung: Die akademische Leistung zählt

Der 29-jährige Omran Omran hat einen der begehrten Plätze bekommen und absolviert seit dem vergangenen Jahr ein Masterstudium in Englischer Linguistik an der Georg-August-Universität in Göttingen. „Als der Krieg 2011 in Syrien ausbrach, bin ich in den Libanon gegangen“, erzählt er. „Dort habe ich für eine Partnerorganisation der Vereinten Nationen gearbeitet.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte Omran Omran bereits sein Studium in Englischer Literatur mit einem Bachelor abgeschlossen.

„Bei dem Programm ‚Führungskräfte für Syrien‘ habe ich mich beworben, weil ich mich auf den Bereich Spracherwerb spezialisieren wollte. Mich interessiert vor allem die Verbindung von computergestützten und natürlichen Prozessen beim Erlernen einer Zweitsprache“, erklärt Omran. Mit seinem geisteswissenschaftlichen Studienfach ist er in der Minderheit der Stipendiaten. „Zu zwei Dritteln haben wir Studenten aus den Natur- oder Ingenieurswissenschaften“, sagt Hülshörster.

„Wer ein Stipendium erhalten hat, hat sich dies durch seine exzellenten akademischen Leistungen verdient“, betont Hülshörster. Von 5.000 Bewerbern wurden 500 für Bewerbungsgespräche mit Professoren aus dem jeweiligen Fachgebiet ausgewählt, unter denen schließlich die 221 Stipendien vergeben wurden. 40 Prozent der Stipendiaten sind Frauen.

Begleitprogramme: „Gute Regierungsführung“, „Zivilgesellschaft“ und „Demokratie“

„Unsere Stipendiaten haben die Möglichkeit, in fast allen Fachrichtungen zu studieren – je nach individueller Spezialisierung. Nur den Bereich Medizin haben wir komplett herausgenommen“, erläutert Dr. Christian Hülshörster. Das Studienprogramm für die Stipendiaten wird ausschließlich in Englisch angeboten. Daher sind sehr gute englische Sprachkenntnisse gefordert. Jeder Stipendiat erhält neben seinem Fachstudium aber auch Deutschkurse. Omran Omran besucht bereits einen C1-Kurs („Fachkundige Sprachkenntnisse“) und spricht fließend Deutsch.

Zu den Sprachkursen kommt außerdem ein verbindliches Begleitprogramm, das die Bereiche „Gute Regierungsführung“, „Zivilgesellschaft“ und „Demokratie“ abdeckt. Diese Module werden als Zertifikatsstudium innerhalb von zwei Semestern absolviert. Die Stipendiaten müssen an zwei Präsenzveranstaltungen pro Semester in Konstanz teilnehmen, die restlichen Inhalte werden online vermittelt. „Wir möchten mit diesen Kursen niemandem eine bestimmte Sichtweise aufzwingen“, erklärt Hülshörster. „Das Begleitprogramm soll aber zum Nachdenken und zur Diskussion anregen.“

Wie können junge Leute aus Syrien so unterstützt werden, dass Sie Fachwissen und Fähigkeiten erwerben, um das Land nach dem Krieg wieder aufzubauen?

Nach dem Stipendium stehen viele Türen offen

„Niemand, der am Programm „Führungskräfte für Syrien“ teilnimmt, wird angehalten, unmittelbar nach dem Studium nach Syrien zurückzukehren – es weiß ja auch niemand, wann eine Rückkehr nach Syrien überhaupt wieder möglich sein wird“, sagt Dr. Christian Hülshörster. Allen ausländischen Studierenden in Deutschland wird nach Paragraph 16 des deutschen Aufenthaltsgesetzes ein Aufenthaltstitel verliehen, der viele Türen öffnet: Nach einem erfolgreichen Studienabschluss in Deutschland können sich die Stipendiaten auf dem deutschen Arbeitsmarkt frei bewegen und haben 18 Monate Zeit, eine Arbeit zu finden, die ihrem Studium angemessen ist.

Auch Omran Omran hat erst einmal vor, in Deutschland zu bleiben: „Ich hoffe, dass ich nach meinem Masterabschluss eine Promotionsstelle finde. Ansonsten versuche ich, einen Job zu bekommen. Das ist momentan schwer vorherzusagen. Sollte es aber irgendwann wieder möglich sein, in Syrien zu leben, werde ich definitiv in mein Heimatland zurückgehen.“

Ausländische Absolventen einer deutschen Hochschule ...

... haben nahezu uneingeschränkten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt und sind gegenüber anderen Nicht-EU-Bürgern besser gestellt. Für Ausländer, die ihr Studium in Deutschland erfolgreich abgeschlossen haben, kann die Aufenthaltserlaubnis nach Paragraph 16 Absatz 4 des Aufenthaltsgesetzes für bis zu 18 Monate zur Suche nach einem diesem Abschluss angemessenen Arbeitsplatz verlängert werden. Wenn sie in diesem Zeitraum einen geeigneten Arbeitsplatz finden, kann die bisherige Aufenthaltserlaubnis in eine Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Beschäftigung (Paragraph 18 Aufenthaltsgesetz) umgeschrieben werden.

Quelle: Informationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit von ausländischen Studierenden, Hochschulabsolventen, Wissenschaftlern und anderen Akademikern des DAAD (PDF)

November 2016

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Kommentare

Pedro Hernandez Fernández
9. November 2016

Sehr wichtig die unterstuezung von Foerderunsprograme fuer Sirische Studenten und andere Migranten aus Kriegsgebieten.

Atte

Pedro Hernandez Fernández, Dr.oec
Costa Rica

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