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Von der Randerscheinung zum Massenphänomen - Netzwerke im Internet

© Sergey Ilin - Fotolia.com

Bis vor wenigen Jahren wurde man im Regelfall mit einem fragenden Gesichtsausdruck angesehen, wenn man abends in einer gemütlichen Runde über die neuesten Erlebnisse in Foren oder Chats berichtete. Heute sieht die Welt etwas anders aus: Netzwerke im Internet sind für viele ein Bestandsteil des täglichen Lebens geworden – über alle Altersgruppen hinweg.

 

Akzeptanz von Online-Netzwerken nimmt zu

Vor fünf Jahren bestand das Internet für den Großteil der Internetnutzer fast ausschließlich aus E-Mails, Suchmaschinen und großen Portalen wie beispielsweise Yahoo. Deren Sinn und Nutzen lag auf der Hand, aber welchen Vorteil sollte es denn haben, kostenlos mehr oder weniger private Informationen im Internet zu veröffentlichen und sich mit anderen zu „vernetzen“?
Trifft man heute die gleichen Leuten wieder, so wird eines schnell klar: Die Welt hat sich zum Thema "Online-Netzwerke" in den letzten Jahren spürbar gedreht. Wie selbstverständlich werden heute die geschäftlichen Kontakte in XING oder LinkedIn gepflegt, privat trifft man sich in Facebook. Nach einer aktuellen Nielsen-Studie sind im deutschsprachigen Raum mittlerweile über 50% der Internetnutzer in den so genannten Sozialen Netzwerken aktiv, in Ländern wie Brasilien sind es bis zu 80% der Internetnutzer. Die Frage „Du bist ja auch in Facebook?“ ist auf dem besten Weg, das althergebrachte „Wir bleiben in Kontakt!“ zu ersetzen.

Keine Domäne der Jugend

Das eigentlich spannende an der zunehmenden Verbreitung der Online-Netzwerke ist, dass sich diese Entwicklung nicht nur auf die mit dem Internet aufgewachsene Generation der „Digital Natives“ beschränkt, sondern nahezu alle Alters- und Berufsgruppen umfasst. Bestes Beispiel für den deutschsprachigen Raum ist die Online-Community wer-kennt-wen, welche über eine überraschend heterogene Mitgliederstruktur verfügt und sich tatsächlich zu einer Art „Volksnetzwerk“ entwickeln könnte.

Vertikal oder horizontal

Neben den großen internationalen Netzwerken wie Facebook, MySpace, Orkut oder dem in Deutschland sehr populären Netzwerk studiVZ, gibt es eine Vielzahl von Netzwerken, die spezielle Interessen bedienen. Von Hundefreunden über Fotografen bis hin zu Blutspendern ist inzwischen fast jede noch so kleine Nische – mehr oder weniger erfolgreich – besetzt. Fachlich wird hier zwischen horizontalen und vertikalen Netzwerken unterschieden. Erstere sprechen eine eher breite Zielgruppe an, während sich zweitere an eine spezielle Zielgruppe wenden.

Kommunikation mit anderen Mitteln

Obwohl dies vielfach vermutet wird, entstehen mit den Sozialen Netzwerken nur in den wenigsten Fällen tatsächlich neue Interessengruppen. Viel mehr verlagert sich im Regelfall schlichtweg die Kommunikation aus im realen Leben bestehenden „Offline“-Netzwerken zunehmend in das Internet. Genauso wie sich Geschäftsleute bereits vor der zunehmenden Verbreitung virtueller Kommunikations-Plattformen bei After Work-Partys oder auf Kongressen getroffen haben, waren auch die Tierfreunde in Vereinen organisiert. Die besten Erfolgschancen haben also Online-Netzwerke, die es bestehenden Interessengruppen ermöglichen, ihre Kommunikation und Kontaktpflege über das Internet einfacher und effizienter zu gestalten.

 

Der persönliche Nutzen entscheidet

Außenstehenden  erscheint es oft so, als würden die Mitglieder in Communitys oder Foren völlig selbstlos handeln, wenn sie beispielsweise kostenlos Informationen weitergeben, die an anderer Stelle unter Umständen kostenpflichtig wären. Die Frage nach den Gründen liegt hier nahe. Sie  lässt sich allerdings nicht pauschal beantworten: Im Vordergrund steht jeweils der persönlich empfundene Mehrwert bzw. Nutzen, den ein Mitglied aus seinen Aktivitäten in einem Sozialen Netzwerk zieht. Dieser Nutzen kann allerdings höchst unterschiedlich ausfallen. Selbstbestätigung, Geborgenheit oder auch indirekte monetäre Aspekte sind wichtige Gründe..

Im Vordergrund stehen die Menschen

 

Fotolia_504440_S_489x200_02.jpgAllen Online-Netzwerken gemeinsam ist allerdings, dass diese weniger von der Technik, sondern fast ausschließlich von den im Netzwerk aktiven Personen leben. Welche Online-Netzwerke für jeden Einzelnen interessant sind, entscheidet sich vielfach durch das eigene Umfeld. Man nutzt die Dienste, in denen die eigenen Kollegen, Freunde und Bekannten auch aktiv sind. Neben der Pflege von im realen Leben geschlossenen Kontakten, werden in den Online-Netzwerken natürlich auch neue Kontakte geknüpft. Dabei kann der Anteil von Personen, die sich tatsächlich auch aus dem realen Leben kennen, im Vergleich zu rein virtuellen Verbindungen, zwischen 0 und 100% liegen.

Der persönliche Kontakt bleibt

Ersetzen Online-Netzwerke in Zukunft den persönlichen Kontakt? Klare Antwort: Nein! Online-Netzwerke sind oft weit weniger „virtuell“, als allgemein angenommen wird. Der persönliche Kontakt genießt auch heute noch einen hohen Stellenwert und wird auch durch die spannendsten Funktionen in der Lieblings-Community so schnell nicht ersetzt werden. Allerdings machen Online-Netzwerke vieles einfacher: Kontakte können heute viel leichter über Ländergrenzen und Zeitzonen hinweg geknüpft und gepflegt werden und es sind Projekte möglich, die ohne die Nutzung von Online-Netzwerken undenkbar wären.


Ob und in welcher Form ein Engagement in Online-Netzwerken interessant ist, kann und muss jeder für sich persönlich entscheiden. Sicher ist, dass Online-Netzwerke in einer zunehmend vernetzten Welt  und unabhängig von Alter und Beruf vielfältige neue Möglichkeiten eröffnen.  

 

Über den Autor

Daniel Langwasser ist Diplom-Informationswirt und selbstständiger Berater für die Themengebiete Community Management und Social Media. In den vergangenen 10 Jahren hat er als Berater den Aufbau von nationalen und internationalen Internet- und Community-Projekten begleitet und ist zudem Gründer und Betreiber unterschiedlicher Community-Projekte. Als Autor hat er zahlreiche Fachartikel rund um das Thema Community Management in verschiedensten Print- und Onlinepublikationen veröffentlicht und betreibt unter anderem auch das Fachblog www.community-management.de. Weiterhin ist er Mitinitiator des Bundesverband Community Management (BVCM) e.V.

Website: www.langwasser.de
XING-Profil: www.xing.com/profile/daniel_langwasser

Bild im Text:© Philip Date - Fotolia.com

 

Weiterführende Links

Nielsen Studie „Global Faces and Networked Places"

The Moderator Community - Internationales Netzwerk und Informationsplattform für bestehende und zukünftige Community Manager

Bundesverband Community Management (BVCM) e. V.