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Thema des Monats März/April

Statements zum Thema "Wie tickt die Welt? - Zeitmanagement in Deutschland und international"



Simone Janson

Simone Janson

Journalistin, u.a. für ZEIT ONLINE, stern.de und die Financial Times, Autorin des Buches "Die 110%-Lüge. Wie Sie mit weniger Perfektion mehr erreichen" und Betreiberin des Karriere-Blogs berufebilder.de

 
"Deutsche gelten im Ausland als besonders strebsam, fleißig und pünktlich - aber auch als gestresste Hektiker, rigide und unfreundlich. Das sind zum Teil Klischees, sicher ist nicht jeder Deutsche so. Allerdings fallen Unterschiede beim Kontakt mit anderen Kulturen auf. Ich persönlich finde es angenehm, in Deutschland zu arbeiten, weil ich mich in der Regel darauf verlassen kann, dass Dinge pünktlich erledigt werden.

Können "die Deutschen" also besser organisieren und effizienter arbeiten? So einfach ist es nicht: Arbeit hat in der deutschen Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert. Das hängt historisch mit der protestantischen Arbeitsethik (dazu Max Weber: Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus) zusammen und führt in der Gegenwart dazu, dass man sich hierzulande vor allem über seine Job definiert: Jobverlust heißt auch Verlust des gesellschaftlichen Ansehens.

Kein Wunder also, dass viele Deutsche sich bemühen, im Beruf alles ordentlich, fehlerfrei und pünktlich zu erledigen und im Stress oft Freunde und Familie vergessen. Mit einem vernünftigen Zeitmanagement, sprich der richtigen Einteilung von Freizeit und Arbeitszeit und gesunder Arbeitsbegeisterung, hat dieser zwanghafte Perfektionismus, alles korrekt zu machen, aber nichts zu tun. Für die Wirtschaft ist das ein Problem: Langfristig leidet darunter ihre Innovationsfähigkeit."


Kirsten Freimann

Kirsten Freimann

Projektleiterin in der Abteilung "Internationale Handlungskompetenz" in der Vorbereitungsstätte für Entwicklungszusammenarbeit (V-EZ), InWEnt

"Kulturen haben unterschiedliche Antworten auf die Frage der Bedeutung von Zeit. Man kann sie grob einteilen in Kulturen die "Zeit haben" und Kulturen, die eine "Uhr haben". Eine andere, eher wissenschaftliche Einteilung unterscheidet monochrone Kulturen, d.h. solche, in denen Menschen gerne eins nach dem anderen abarbeiten, und polychrone Kulturen, d.h. Kulturen, deren Mitglieder gerne und gut vieles gleich-zeitig bewältigen, was auch der englische Begriff "Multitasking" beschreibt.

Die Mitglieder einer Kultur erlernen schon als Kinder einen bestimmten Umgang mit Zeit, der sich auch sprachlich niederschlägt. Die einen haben beispielsweise eine genaue Einteilung in Sekunden, Minuten, Stunden und Tage; in anderen Sprachen werden Zeitabstände an Ereignisse des Alltags oder soziale Aktivitäten geknüpft. So kann man in Madagaskar auf die Frage, wie lange etwas dauert, schon mal eine Antwort bekommen wie "die Zeit, die man zum Reiskochen braucht" oder "solange es dauert, eine Heuschrecke zu braten."


Dr. Mostafa Hunter

Dr. Mostafa Hunter

Leiter des Gesundheitswesens beim Egypt Institute of Directors, Ägypten

"Ich arbeite seit einigen Jahren sowohl in Ägypten als auch in Deutschland. Meiner Meinung nach ist die Frage des Zeitmanagements einer der wichtigsten Unterschiede zwischen diesen beiden Kulturen. Die Deutschen sind sehr pünktlich und wollen am liebsten alles im Voraus planen. Die Ägypter sind dagegen flexibler im Umgang mit der Zeit, was zu einer eher entspannten Atmosphäre in Ägypten führt. Dies fällt deutschen Kollegen und  Freunden, die Ägypten besuchen, regelmäßig auf. Diese kulturell unterschiedliche Zeitorientierung stellt eine potentielle Konfliktquelle in der Zusammenarbeit dar. Die deutsche Seite braucht einen langfristigen Plan und legt Wert auf seine genaue Befolgung, während die ägyptische Seite dies oft anders sieht.

Beide Modelle haben ihr für und wider. Während eine gute Planung als Maßgabe für die Ausführung eines Projekt hilfreich und damit ein Eckpfeiler für seinen Erfolg sein kann, so können zu starre Pläne andererseits Innovation und ein flexibles Reagieren auf den heutigen Wettbewerb verhindern. Eine gelungene Mischung der beiden Kulturen könnte vielleicht das Erfolgsrezept sein."


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