„Deutschland ist meine zweite Heimat“ – Alumniportal Deutschland Fachtag im Irak

Dicht gedrängt saßen die Teilnehmer am Vormittag des 23. Februar 2010 im Konferenzraum des Europäischen Technologie- und Trainingszentrums (ETTC) in Erbil, als sich das Alumniportal Deutschland zum ersten Mal im Irak präsentierte. Mehr als 120 Teilnehmer – Hochschulprofessoren, Ingenieure, Agrarwissenschaftler, Lehrer, IT-Fachkräfte, Verwaltungsmitarbeiter genauso wie junge Rückkehrer, Deutschstudenten und Unternehmer – trotzten dem Sandsturm, der im Vorfeld der Veranstaltung den Verkehr fast zum Erliegen brachte. Zahlreiche Alumni waren aus Bagdad, Mosul und vielen anderen irakischen Städten angereist.

 

Das große Interesse hatte seinen Grund: die Organisatoren hatten ein anspruchsvolles und facettenreiches Programm zusammengestellt, das nach der Begrüßung mit Erich Gutmann, den Programmdirektor des ETTC, durch Dr. Karin Lutze, stellvertretende Geschäftsführerin der Berliner Nonprofit-Organisation AGEF, näher vorgestellt wurde. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen dabei die Möglichkeiten der immer stärker genutzten Onlineplattform Alumniportal Deutschland.


Wie können Fachkräfte „trained in Germany“ ihre Expertise gewinnbringend nutzen? Welche Möglichkeiten für Unternehmen bieten sich durch eine bessere Vernetzung, im Irak genauso wie in Deutschland? Tausende Iraker sind in Deutschland ausgebildet worden; ihre fachliche wie interkulturelle Kompetenz besser zu erschließen, oder, wie Karin Lutze es formulierte, „Brain Gain für alle“ zu ermöglichen, war das erklärte Ziel der Premierenveranstaltung des Alumniportals im Irak. Schwerpunkte der Präsentation waren denn auch die vielfältigen Möglichkeiten für internationale Absolventen deutscher Aus- und Weiterbildungseinrichtungen, mithilfe des Portals nach Stellen und Aufträgen von Unternehmen aus Deutschland und dem Irak zu suchen oder auch ihr eigenes Qualifikationsprofil zu veröffentlichen. Doch nicht nur für Absolventen, auch für Unternehmen kann das Alumniportal zu einer wertvollen Unterstützung werden, bei der Suche nach Fachkräften und Aufträgen ebenso wie bei der Vernetzung über Grenzen hinweg.


Anerkennende Worte für die Veranstaltungsinitiative gab es nicht nur von offizieller Seite, unter anderem durch den deutschen Konsul Dr. Joerg Grotjohann oder Falah Mustafa Bakir, Abteilungsleiter für Auswärtige Beziehung der kurdischen Regionalregierung. Im Laufe der Veranstaltung wurde das große Interesse an engerer Kooperation mit deutschen Unternehmen bei vielen Teilnehmern deutlich. Darüber hinaus wurde immer wieder der Wunsch nach einem stärkeren Engagement Deutschlands bei wissenschaftlicher Ausbildung und beruflicher Qualifikation geäußert.


Dies wurde auch in einem Expertengespräch, unter anderem mit Volker Wildner, Leiter des neugeschaffenen Deutschen Wirtschaftsbüros Erbil, und Shadi Khoshnaw vom ebenfalls neugegründeten Network of Women Entrepreneurs and Business Owners, deutlich. Defizite gibt es demnach noch immer bei einer qualifizierten Ausbildung von der Schule an sowie bei der Vernetzung von theoretischem und praktischem Lernen. Doch es gibt hoffnungsvolle Ansätze, gerade vor Ort, in der irakisch-kurdischen Provinzhauptstadt Erbil. So werden am ETTC bereits seit einiger Zeit im Rahmen angepasster Berufsausbildungen einheimische Mechaniker und Baufacharbeiter qualifiziert und mit internationalem Knowhow ausgebildet. Mehr noch: die ETTC-Kurse in modernem Recht, Umwelt, Medien, öffentlicher Verwaltung und vielen weiteren Themengebieten bieten auch Alumni entsprechende Weiterqualifizierungsmöglichkeiten.


Es war vor allem ein Satz, der immer wieder fiel an diesem Tag: „Deutschland ist meine zweite Heimat“. Diese Verbundenheit zum Wohle der Menschen vor Ort und der Wirtschaft in beiden Ländern nachhaltig zu nutzen, Fachkräfte ebenso wie Unternehmen besser zu vernetzen, war das erklärte Ziel der Veranstaltung. Das Alumniportal Deutschland eröffnet dafür nach Einschätzung von Dr. Karin Lutze von AGEF ein großes Tor respektive viele kleine Türen für Alumni, Unternehmen und Organisationen im Irak. Der erste große Schritt ist gemacht, darüber waren sich die vielen Teilnehmer beim abendlichen Ausklang bei deutscher Bratwurst und kurdischem Jazz einig.

 

Weitere Berichte zur Alumni-Veranstaltung am 23. Februar 2010

AK-News: Deutsche Wirtschaftsplattform in Erbil vorgestellt

AGEF.net: Neue Möglichkeiten für Arbeit und Wirtschaft im Irak


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