
Juli 2014. Die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien beginnt und zieht die Blicke der Welt auf sich. Millionen Menschen wollen gleichzeitig in die Stadien und zu Fan-Festen, nur bricht leider der Verkehr zusammen. So sieht das Szenario aus, das in vier Vorlesungen an vier Hochschulorten in Brasilien diskutiert wird.
Die Kernfragen lauten: Wie kann man vermeiden, dass es soweit kommt? Wie kann Mobilität auch in extremen Situationen garantiert werden? Schon jetzt sind Pendler im Bus oder im eigenen Auto in den brasilianischen Metropolen täglich oft drei und mehr Stunden unterwegs.
Vom 10. Oktober bis 3. November beschäftigt sich das Alumniportal deshalb beispielhaft mit innovativen Mobilitäts-Konzepten in vier Ballungszentren Brasiliens:
In Curitiba am 13. Oktober ab 19 Uhr im Goethe-Institut
In Salvador am 18. Oktober ab 19 Uhr im Goethe-Institut
In Belo Horizonte am 25. Oktober ab 19 Uhr in der Architekturschule Escola de Arquitetura da UFMG
In São Paulo am 3. November ab 19 Uhr im Goethe-Institut
Dabei wird weltweit mitdiskutiert – natürlich zeitversetzt. 48 Stunden nach dem Vortrag werden die digital aufgezeichneten Inhalte ins Alumniportal gestellt und sind als Podcast zu hören. Eine Stunde lang stehen die Hochschullehrer zum Chat bereit. Meist wird Portugiesisch gesprochen. Die Veranstaltung hat eine hohe fachliche Qualität. Renommierte Wissenschaftler stellen die Problematik aus ihrer Sicht dar.
Schnellbusse helfen in Curitiba
In Curitiba ist Prof. Dr. Sérgio Póvoa Pires der Garant für eine fundierte Analyse der örtlichen Transportlogistik. Er ist Alumnus der Deutschen Stiftung für Internationale Entwicklung. Die Stadt im Süden des Landes verfügt seit Jahren über ein effizientes Schnellbussystem. Doch reicht das für 2014 aus? Was ist mit Carsharing und Radwegen?
Salvador baut an der Metro weiter
In Salvador hält Prof. Dr. Ilce Marilia Dantas Pinto vom UFBA einen Rückblick auf die Verstädterung von Salvador und erläutert die daraus resultierenden, besonderen Herausforderungen für das öffentliche Transportsystem. „Was ist bis 2014 noch zu verbessern?“, lautet ihre Frage. Dabei wird die Forscherin durchaus kritisch mit den bestehenden Transportmöglichkeiten der Stadt umgehen. Was schlagen die Studierenden vor? Gibt es unkonventionelle Lösungen? Die seit 2004 im Rohbau brachliegende Metrolinie soll nun endlich bis zur „Copa“ fertiggestellt werden. Offene Frage in Salvador: Was ist mit einer Straßenbahn und könnte das Vorortzug-System ausgeweitet werden?
Belo Horizonte denkt an Radwege
In Belo Horizonte ist Prof. Dr. Ronaldo Guimarães Gouvea vom UFMG der Mann am Pult. Auch er fragt sich, wie die Massen 2014 die Stadien erreichen sollen, Hubschrauber, wie sie jetzt schon die Offiziellen und Reichen in vielen Städten Brasiliens benutzen, scheiden als Massentransportmittel jedenfalls aus. Es wird deutlich, dass es ums Image des öffentlichen Nahverkehrs in Brasilien geht, der bei der Mittelschicht äußerst schlecht angesehen ist. Helfen auch hier Radwege und Straßenbahnkonzepte?
São Paulo und das Image des Nahverkehrs
In São Paulo fällt Prof. Dr. Renato Luiz Sobral Anelli, DAAD-Alumnus in Stuttgart, die Rolle zu, ein Resümee der Reihe zu ziehen. Er setzt zunächst die Verkehrssituation der Stadt von 1970 zu der von heute in Relation. Busspuren, Vorfahrt für den öffentlichen Nahverkehr und neue Metrolinien können helfen. Doch gibt es zum Beispiel im reichen Innenstadtviertel Higienópolis heftigen Widerstand gegen eine geplante Metro-Station. Sie spüle nur Arme und Kriminelle herbei, befürchten Anwohner. Allein die Metrolinie 2 in São Paulo ist akzeptiert. Darin fahren auch fein gekleidete Damen und Herren in die Businesshauptstraße Paulista.
Internationale Erfahrungen nutzen
Da es gerade in Deutschland viele Verkehrsexperten, Studierende aus den Bereichen Raumordnung, Geografie, Bauingenieurwesen oder auch Fahrzeugbau gibt, hoffen die Veranstalter auf eine rege Auseinandersetzung mit dem Thema Mobilität. Es ist dieses Hauptproblem, mit dem sich auch alle großen Automobilhersteller befassen. Nur sind hier keine fernen Utopien gefragt, sondern praktikable Lösungen, die sich bis 2014 verwirklichen lassen. In kurzen Beiträgen wird die Verkehrssituation vergangener sportlicher Großevents in vergleichbaren Städten beleuchtet. China, Südafrika und Indien bieten sich als Vergleichsobjekte an.



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Adolfo Garcia
05.05.2012 21:28 Uhr
Je groesser die Stadtaetten jesto grosser die Problemen b.z.w. schwieriger die Loesungen