
Jede revolutionäre Idee braucht eine kleine Entstehungslegende. Die der Mikrokredite geht so: Vor 35 Jahren trafen in einem Dorf in Bangladesch der Wissenschaftler Muhammad Yunus und eine Korbflechterin aufeinander. Der Professor wollte wissen, was die Frau bräuchte, um genügend Geld zum Leben zu verdienen.
Schon etwa 30 Euro würden ihr die Existenzgründung ermöglichen, rechnete sie ihm vor. Doch da sie arm sei, habe sie keine Chance auf einen Kredit. Er lieh ihr das Geld, sie konnte selbst den Bambus für ihre Körbe kaufen – und zahlte den Minikredit fristgemäß und plus Zinsen zurück.
Friedensnobelpreis für das Erfolgsmodell „Mikrokredite“
Nach diesem Erlebnis gründete der bangalische Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus die „Grameen Bank“. Die Idee: Menschen in Entwicklungsländern, die keinerlei finanzielle Sicherheiten, dafür aber einen Plan für eine Existenzgründung haben, werden mit Krediten über durchschnittlich etwa 100 Euro unterstützt. Anders als bei der klassischen Entwicklungshilfe sind dafür jährliche Zinsen fällig. Denn die Mikrokredite sind keine edle Spende – sondern im Kern ein marktwirtschaftliches Instrument.
Der Erfolg gab Yunus Recht. Aufgrund der intensiven Betreuung und Beratung der Menschen, die einen Kredit aufnahmen, lag die Rückzahlquote bei 98 Prozent. Alleine in Bangladesch konnten sich Hunderttausende selbständig machen. 2006 bekamen Muhammad Yunus und seine Bank für ihre Idee den Friedensnobelpreis. Die Mikrokredite wurden weltweit als Wundermittel gegen Armut gefeiert. Immer neue Mikrofinanzbanken entstanden. Die Zahlen schwanken, je nach Studie, zwischen 10.000 und 70.000 Instituten, viele davon sind gewinnorientierte Unternehmen. Eine große indische Mikrofinanzbank ging im vergangenen Jahr an die Börse und warb mit hohen Eigenkapitalrenditen.
Mikrokredite in der Kritik: Zinsenfalle und Finanzhaie
Die Mikrokredite gerieten jedoch nach und nach in den Strudel des Kapitalismus – und in die Kritik, weil sie angeblich Menschen in die Schuldenfalle treiben. In Indien nahmen sich 2010 mehrere Bauern das Leben, weil sie die hohen Zinsen nicht mehr zahlen konnten. 20 Prozent jährlich berechnet die Grameen Bank, begründet durch den hohen Betreuungsaufwand. Einige unseriöse Mikrofinanzinstitute in der Region liehen sich Geld zu normalen Zinssätzen und verliehen es zu Wucherzinsen – von bis zu 60 Prozent weiter.
Kaum jemand kontrolliert in Indien noch, ob das geliehene Geld tatsächlich als Startkapital für ein Unternehmen genutzt wird. Studien bestätigten, dass viele das Geld nutzen, um einfach nur zu überleben: Sie kaufen Lebensmittel davon oder bezahlen Arztkosten. Und wenn die Geldgeber auf Rückzahlung drängen, dann wird bei einem anderen der unzähligen Unternehmen ein weiterer Kredit aufgenommen.
Seitdem gelten die Mikrokredite als entzaubert. Und die Ökonomen streiten, ob die Probleme in Muhammad Yunus’ Idee begründet sind - oder ob eine eigentlich gute Idee zum Opfer einer entfesselten Finanzwelt geworden ist.
Maren Bekker
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Povolni
16.03.2012 13:13 Uhr
http://noncredit-money.org/?cat=33&lang=sr
Maija
09.02.2012 12:48 Uhr
I just saw yesterday the movie, which highly criticised the MicroCredit. Or actually the other side of the MicroCredit. The Micro debt, and a public lecture and film screening by the Danish journalist Tom Heinemann:<br /> <br /> <br /> <br /> “THE MICRO DEBT. A CRITICAL INVESTIGATION OF THE DARK SIDE OF MICROCREDIT”<br /> This all really killed any trust in this loan system, and revealed growing poverty and bigger poor people indebtedness than ever before. Those are sad but valuabe news to take steps further, and to understand what to do when people cant pay back their microcredits. How not to violate their human rights, and how not to expel those people from communities...
Volana ANDRIA
05.01.2012 07:17 Uhr
Mikrokredite sollte die Lösung für Leute auf dem Land sein, besonders in den Entwicklungsländern, vorausgesetzt, dass sie während des Prozesses begleitet werden. Ich stimme mit der Stellungnahme von Herrn Zongo Bourahima. Mikrokredit sollte nicht ein Mittel zur Verarmung den Ärmsten werden.