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Digital-soziale Trends: „Ruanda, Estland und Indien sind sehr weit vorne“

Das betterplace lab sucht im Rahmen seines „trendradars“ nach digital-sozialen Innovationen weltweit. In Kooperation mit dem Alumniportal Deutschland werden dafür nun Trendscouts gesucht. Wir haben Moritz Eckert, Mitbegründer von betterplace.org gefragt, was genau sich dahinter verbirgt.

Herr Eckert, Sie arbeiten für das betterplace lab in Berlin. Was genau machen Sie da?

Moritz Eckert: Das betterplace lab forscht und experimentiert an der Schnittstelle zwischen Innovation und Gemeinwohl. Als gemeinnützige Forschungsabteilung von betterplace.org, Deutschlands größter Spendenplattform, verbreiten wir Wissen, inspirieren durch Geschichten und kämpfen dafür, dass die Digitalisierung positiv genutzt wird.

Was ist das Trendradar und was soll damit eigentlich erreicht werden? Was erhoffst Du Dir von der Teilnahme der Alumni auf dem Alumniportal Deutschland? 

Moritz Eckert: Der Trendradar ist eine global einmalige Datenbank von fast 1.000 innovativen Beispielen (sog. „Cases“), wie Menschen digitale Technologie für eine bessere Welt nutzen. Wir sammeln diese Cases und identifizieren immer mehr Trends an dieser Schnittstelle digital-sozial. Zum Beispiel „Doc Handy“, „Bauern empowern“ oder „Drohnen fürs Gute“. Zusätzlich geben wir in Form von Analysen Handlungsempfehlungen, wie verschiede Zielgruppen mit der fortschreitenden Digitalisierung umgehen können. Ab sofort können auch alle Deutschland-Alumni mithelfen, die Trendradar-Datenbank mit noch mehr Cases zu bereichern!

„lab around the world“: Für ein paar Wochen in die digitale Szene vor Ort eintauchen

Gibt es bei den digitalen-innovativen Trends Unterschiede zwischen den Ländern und Kontinenten?

Moritz Eckert: Unsere Cases finden wir sowohl per Desk-Research aus unserem Büro in Berlin, als auch durch unsere jährliche Feldforschungsreise, dem „lab around the world“ - und hoffentlich auch bald dank unserer Alumni-Trendscouts! Beim „lab around the world“ reist unser kleines Team einzeln mit Laptop und Rucksack für zwei, drei Wochen in ein Land und taucht in die dortige digital-soziale Szene ein, um in kürzester Zeit möglichst viel über die dortigen Gegebenheiten zu lernen. Wir sprechen mit Stiftungen, NGO, Regierungsvertretern, IT-Unternehmen, Social Entrepreneurs und vielen anderen. Dabei zeigt sich, dass einige Länder eine sehr ausgeprägte digital-soziale Dynamik haben, andere weniger. Ruanda, Estland und Indien sind beispielsweise sehr weit vorne dabei, beide unter anderem auch deshalb, weil die Regierung die Digitalisierung sehr fördert.

Welche Trends oder welche „Cases“ haben Sie am meisten beeindruckt und warum?

Moritz Eckert: Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie vor allem junge Leute innovative Produkte, Services oder Kampagnen entwickeln, die nicht das Ziel haben, ausschließlich Geld zu verdienen, sondern auch einen gesellschaftlichen Mehrwert zu erreichen. Viele Innovationen tun übrigens beides: Sie schaffen einen gesellschaftlichen Mehrwert, und der Gründer/in und sein Team können - ganz im Sinne eines Social Business - von ihrem Verdienst sehr gut leben. Das bringt dem sozialen Sektor häufig einen Innovationsschub, der ihm sehr gut tut. Aktuelle Trends sind „Drohnen fürs Gute“ - also eine völlig neue Effizienz in der Logistik von Medikamenten in Nigeria beispielsweise. Oder 3D-Druck. Ein Beispiel: das dreidimensionale Drucken von berühmten Gemälden wie der Mona Lisa, damit auch Blinde diese Kunst „erfassen“ können. Zwei Cases, die schon ein paar Jahre älter sind, und bei denen wir deshalb auch wissen, wie toll sie skalieren könnten, sind erstens „Ushahidi“, ein Crowdsourcing-Mapping-Dienst aus Kenia, der inzwischen weltweit im Katastrophenfall eingesetzt wird, um Hilfsmaßnahmen deutlich schneller zu koordinieren. Zweitens „Tarimsal Pazarlama“, eine Plattform, die die komplette Wertschöpfungskette türkischer Bauern verändert hat und von einem Online-Marktplatz bis hin zu speziellen Kreditkarten für Kleinbauern sehr viele Innovationen entwickelt und an Millionen Bauern gebracht hat.

Trendscouts gesucht!

Sie sind Deutschland-Alumni und kennen „digital-soziale Innovationen“ in Ihrem Land (also digitale Produkte oder Services, mit denen Lebensverhältnisse verbessert oder gerechter gemacht werden)? Dann begeben Sie sich mit dem Alumniportal und dem betterplace lab auf die digitale Suche und werden ehrenamtlicher Trendscout! Alle Informationen finden Sie auf unserer Trendscouts-Seite!

July 2016

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