Wandel durch Austausch: DAAD-Alumni – engagiert und erfolgreich

Die Zeit mit dem DAAD prägte ihre Karriere, heute haben sie Einfluss, engagieren sich, bewegen viel: Erfolgreiche Alumni leben das Motto des DAAD, den Wandel durch Austausch.

1925 wurde der DAAD in Heidelberg gegründet. Seitdem konnten über zwei Millionen junge Menschen aus aller Welt mithilfe des DAAD in Deutschland oder im Ausland studieren und forschen. Wir stellen Ihnen Frauen und Männer vor, deren Lebensweg ohne das DAAD-Stipendium möglicherweise anders verlaufen wäre und die heute und sicher auch in Zukunft viel bewegen werden.

Ob am OP-Tisch, an der Hochschule, als Abgeordneter oder Politikwissenschaftlerin – sie alle stehen mit ihrer Karriere und ihrem Engagement auf ihre eigene Weise für das DAAD-Motto „Wandel durch Austausch“.

Er operiert die schwersten Fälle: Prof. Dr. Eka Julianta Wahjoepramono, Neurochirurg

Mikrochirurgische Methoden kannte der Doktorand Eka Julianta Wahjoepramono nur aus dem Lehrbuch, als er 1991 an das Universitätsklinikum Düsseldorf kam. „Ich lernte und praktizierte, so viel ich konnte“, sagt der Indonesier. Dem DAAD-­Graduiertenstipendium in Deutschland folgten Aufenthalte in Großbritannien, Ungarn, Japan und den USA. Wahjoepramono lernte anspruchsvollste Techniken kennen, nahm bald komplexe Eingriffe am Stammhirn vor. Heute ist er einer der international renommiertesten Neurochirurgen.

Dabei hatte er immer das Ziel, die medizinische Versorgung in seiner Heimat voranzubringen. Er baute am Neurowissenschaftlichen Zentrum des Siloam Hospitals ein Team von Neurochirurgen mit auf, das einen erstklassigen Ruf genießt. „Ich bin froh, dass Patienten in Indonesien Vertrauen in ihre eigenen Ärzte gewonnen haben.“ Stets operierte der Spezialist auch Patienten, die sich die Eingriffe nicht leisten konnten. Stolz ist er auf die Gründung der Indonesia Brain Foundation, die armen Patienten die Behandlung ermöglicht. „Ich fühle mich verpflichtet, mein Können in den Dienst aller zu stellen.“ Als Mitglied des Education & Training Committee und des Neurosurgical Anatomy Committee gibt er sein Wissen an junge Neurochirurgen aus aller Welt weiter. „Mir ist so vieles beigebracht und ermöglicht worden, von anderen Ärzten und Organisationen wie dem DAAD. Jetzt ist es an der Zeit andere zu unterstützen.“

Er motiviert die Wissenschaftler von morgen: Prof. Dr. Raúl Rojas, Informatiker

Künstliche Intelligenz ist das zentrale Thema von Professor Raúl Rojas von der Freien Universität Berlin (FU). Dazu gehört die Forschungsarbeit an fahrerlosen Automobilen, die derzeit viel diskutiert wird. Für Aufmerksamkeit sorgen auch die von Rojas’ FU-Teams entwickelten Fußballroboter, die mehrfach den Weltcup gewannen. „Solche Wettkämpfe sind eine gute Möglichkeit Studierende zu motivieren“, sagt der in Mexiko-Stadt geborene Wissenschaftler. Für seine begeisternde Lehre, die Theorie und Praxis kreativ verschränkt, erhielt er die Auszeichnung „Hochschullehrer des Jahres“.

Rojas kam 1982 als DAAD-Stipendiat nach Berlin – und blieb. Nach dem Mathematik- und Wirtschaftsstudium in Mexiko promovierte der Vielbegabte in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und wurde zum Thema Künstliche Neuronale Netze habilitiert. Seine Studierenden ermutigt Rojas, Extrazeit in Projektarbeit zu investieren und trotz engen Studienplans ins Ausland zu gehen. „Für mich hatte die Förderung durch den DAAD wegweisenden Einfluss“, sagt er. „Ein Studienaufenthalt im Ausland ist für jeden bereichernd. Wenn unsere Studierenden zurückkommen, wirken sie reifer und bringen oft eine ganz andere Einstellung mit.“

Er setzt sich für gleiche Chancen ein: Dr. Karamba Diaby, Chemiker und Abgeordneter

Der Austausch mit den Menschen in seinem Wahlkreis Halle (Saale) liegt Karamba Diaby am Herzen – „auch wenn ich nicht immer gleich eine Lösung parat habe“. Seit 2013 sitzt Diaby für die SPD im Deutschen Bundestag. „Mein Alltag hat sich seitdem komplett verändert“, sagt der promovierte Chemiker. Seit Jahren engagiert sich der im Senegal geborene Diaby für Chancengleichheit und einen Dialog der Kulturen im Einwanderungsland Deutschland. Aufstieg durch Bildung ist sein Thema. Diaby wuchs als Waise auf, hatte aber die Chance, eine gute Schule zu besuchen. Später wollte er Lehrer werden, studierte in Dakar und kam 1986 an die Universitäten Leipzig und Halle-­Wittenberg – mit einem Stipendium der DDR.

Mit der Wiederver­einigung 1990 sprang der DAAD ein und finanzierte die Zeit bis zum Diplom. „Sonst wären acht Semester umsonst gewesen“, sagt Diaby. Nach der Promotion traf er immer wieder auf Menschen, die ihn förderten. „Diese positiven Erfahrungen prägen meine politische Arbeit“, betont Diaby. Im Bundestag ließ er sich in die Ausschüsse „Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung“ sowie „Menschenrechte und humanitäre Hilfe“ wählen. „Ich sehe Bildung als ein Menschenrecht“, sagt er. „Mein Beitrag ist es, beide Be­reiche miteinander zu verbinden.“

Sie baut Brücken zwischen Asien und Europa: Prof. Dr. Ummu Salma Bava, Politikwissenschaftlerin

Als 1989 in Berlin die Mauer fiel, hatte die indische Politikstudentin Ummu Salma Bava das Thema für ihre Doktorarbeit gefunden. Mit einem Kurzzeitstipendium des DAAD ging sie 1994 für ein halbes Jahr an die Freie Universität Berlin und forschte zur deutschen Außenpolitik und zu den neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen nach der Wende. „Diese sechs Monate haben mein Leben völlig umgekrempelt“, sagt die Direktorin des Europe Area Studies Programme der Jawaharlal-Nehru-Universität in Neu-Delhi. „Ich habe berufliche Verbindungen geknüpft, die mir bis heute sehr wichtig sind.“

Als Expertin für die Beziehungen zwischen Indien, Deutschland und der EU ist sie gefragt, immer wieder lehrt sie als Gastprofessorin an deutschen Hochschulen. „Ich bilde gerne die Brücke zwischen Indien, Deutschland und Europa.“ Für ihr Engagement ist Ummu Salma Bava als erste indische Frau mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. „Das war wirklich eine große Überraschung.“ Dass sie als Frau in ihrem Heimatland erfolgreich ist, findet sie dagegen nicht ungewöhnlich. Auch ihre Mutter war Politikwissenschaftlerin, Bildung hatte in der Familie immer einen hohen Stellenwert. „Mein Ziel ist es, ein neues Zusammenwirken der politischen Kräfte zu erreichen, um den drängenden weltpolitischen Herausforderungen wirksam begegnen zu können.“

Autorin: Gunda Achterhold

Dieser Artikel wurde ursprünglich in LETTER – Das Magazin für DAAD-Alumni 1/2015 publiziert.

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