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Burn-out: Wenn Arbeit krank macht

Die Menschen in den Industrienationen werden immer älter. Das liegt unter anderem an der Verbesserung der medizinischen Versorgung, der Ernährung sowie der Arbeitsbedingungen. Doch gerade die Arbeitsbedingungen scheinen sich jetzt wieder gegen den Menschen zu kehren.

 

 

Burn-out – dieser Begriff für beruflich bedingte, mentale Erschöpfung taucht immer häufiger auf.
In vielen Entwicklungsländern wird noch um gesetzlich geregelte Arbeitszeiten gekämpft, werden die gesundheitlichen Belastungen durch Schadstoffe oder Lärm am Arbeitsplatz kritisiert – zum Beispiel in Chile, wo die Gesundheitsversorgung vieler Arbeiter ein ungelöstes Problem ist. Diese Probleme stehen in Industrieländern nicht mehr im Vordergrund, aber neue Studien zeigen folgendes: Selbst wenn der Arbeitsschutz hoch ist, kann Arbeit krank machen – nur anders.

 

 

Burn-out durch zu wenig Anerkennung

 

Man strengt sich an, man gibt jeden Tag sein Bestes, ist sich aber nicht sicher: Habe ich den Job noch im nächsten Jahr? Kann ich eine bessere Position bekommen, so wie es meiner Qualifikation entspricht? Erhalte ich gerechten Lohn? Erkennt mein Chef meine Leistung an? Entsteht ein Ungleichgewicht zwischen der eigenen Anstrengung und positiver Bestätigung, beginnen Menschen zu leiden. „Es sind Aspekte beruflicher Anerkennung, die häufig zu kurz kommen. Auch deshalb nehmen depressive Erkrankungen in den Industrieländern zu”, berichtet Professor Johannes Siegrist, Direktor des Instituts für Medizinsoziologie in Düsseldorf. Oft werden diese Depressionen als mentale Erschöpfung beschrieben oder als Burnout-Syndrom benannt. Burn-out ist jedoch nicht klar definiert und keine Diagnose. Hinter Burn-out kann auch eine Depression stecken. Diese ist eine ernste Krankheit.


Burn-out und Bildungsniveau


„Je geringer die Ausbildung, um so mehr macht den Menschen das Ungleichgewicht zwischen ihrer Leistung und fehlender Bestätigung zu schaffen“, sagt der Medizinsoziologe. Statistiken in Industriestaaten erhärten den Zusammenhang zwischen geringer Bildung und einer geringeren Lebenserwartung. Die sinkt auch durch im Arbeitsumfeld entwickelte depressive Erkrankungen. Steigt das Bildungsniveau, können Menschen ihre Arbeitssituation besser verändern, aktiver Lösungen finden, Hilfe in Anspruch nehmen und dem Burn-out vorbeugen.

„Das Problem wird auch in Entwicklungsländern immer relevanter“, sagt die Professorin Katja Radon vom Center for International Health an der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Häufig fehlt es aber auch an Fachkräften aus der Psychiatrie, um diese Erkrankungen zu behandeln.“

Welche Lösungen gibt es darüber hinaus? Nicht nur die äußeren Arbeitsbedingungen und die Bildung müssen weiter verbessert werden, auch die Beziehungen zwischen den Menschen am Arbeitsplatz; zum Beispiel das Verhalten von Chefs zu ihren Angestellten. „Lob ist selten. Kein Lob zu geben, ist für viele Vorgesetzte schon genug. Hier kann man auf einfachem Wege noch sehr viel machen“, sagt Johannes Siegrist. Um Burn-out zu verhindern, könnte Folgendes helfen: Angestellte erhalten mehr Freiheit zu entscheiden, ihre Arbeit wird gewürdigt, sie bekommen fairen Lohn, ein gerechter sozialer Aufstieg ist möglich – all dies beugt mentaler Erschöpfung vor.


Burn-out: ein Luxus-Problem?


Sind diese Fragen rund um Burn-out Luxus-Probleme, die mit steigendem Wohlstand auftreten? Nutzen Sie die Kommentarfunktion un schreiben Sie uns, wie man in Ihrer Heimat mit dem Phänomen Burn-out umgeht. Ist das überhaupt ein Thema? Welche Probleme prägen dort die Arbeitswelt?

 

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