Außenstelle Mexiko: Mit der Kraft der Sonne

Begonnen hat alles mit einem Kaffeebecher. Oder besser gesagt: mit vielen. Dr. Katharina Fleckenstein lacht, wenn sie daran zurückdenkt. Gemeinsam mit einer Kollegin holte sich die Leiterin der DAAD-Außenstelle Mexiko nachmittags oft einen Kaffee in einem Café um die Ecke. „Jedes Mal, wenn ich wieder mit einem Wegwerfbecher zurückkam, hat mich einer meiner Kollegen dafür schief angeguckt und mir irgendwann einfach einen recyclebaren Becher gegeben“, erzählt sie.

Seit Juni 2019 leitet Fleckenstein die DAAD-Außenstelle in Mexiko-Stadt. Die Geschichte mit dem Kaffeebecher ist typisch für das junge Team der Außenstelle. Fleckenstein beschreibt ihr Team als sehr umweltbewusst: „Diese Generation möchte von sich aus einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.“ Sie fühlte sich dort auf Anhieb wohl.

Von der Idee zur Umsetzung

Der Kollege, der Katharina Fleckenstein den recyclebaren Becher gab, heißt Rodrigo Márquez de la Mora Vega. Er hatte dann auch die Idee, auf dem Dach der Außenstelle Solarzellen anzubringen. Da das Gebäude dem DAAD gehört, hatte das Team die nötige Gestaltungsfreiheit. Der Bonner Zentrale gefiel die Idee und so wurde das Solarzellenprojekt als Pilot der DAAD-Außenstruktur in das hausweite Projekt zur Verbesserung des Nachhaltigkeitsmanagements aufgenommen. In dem Projekt arbeiten seit Mitte 2020 DAAD-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Thementeams zusammen, um nachhaltige Lösungen in zentralen Handlungsfeldern wie Gebäudemanagement, Vergabe und Einkauf, Öffentlichkeitsarbeit oder Veranstaltungsmanagement zu entwickeln und umzusetzen. Im Lauf des Jahres 2021 soll eine Klima- und Umweltbilanz für den DAAD erstellt werden.

Alles ging sehr schnell: Der DAAD-Alumnus Augusto Mosqueda Solís überzeugte mit seiner Firma Ecomadi, in der er seit 2015 als Technischer Leiter für Projekte im Bereich Erneuerbare Energien arbeitet. Schon nach wenigen Tagen fand die erste Hausbegehung statt und trotz der Corona-Pandemie konnte Ecomadi die Solarzellen Mitte Dezember 2020 innerhalb weniger Tage auf dem Dach der Außenstelle installieren.

Ergebnis eines Lebensweges

„Es war toll, jemanden zu haben, der den DAAD und den deutschen Kontext, aber auch lokale Gegebenheiten kennt. Das hilft uns auch bei den Behördengängen“, erzählt Katharina Fleckenstein. „Für uns ist es sehr einfach, weil sich Augusto Mosqueda wirklich um alles kümmert.“

Für Mosqueda war der Auftrag auch ein Herzensprojekt, denn vieles verbindet ihn mit Deutschland und dem DAAD. Gerne erzählt er, dass seine Geburtsstadt Taxco, eine mexikanische Bergbaustadt, 1803 Besuch von Alexander von Humboldt bekam, der dort Messungen durchführte. Außerdem hat Mosqueda, genau wie Humboldt, in Freiberg studiert. Von 2006 bis 2008 absolvierte er an der TU Bergakademie Freiberg einen Master in International Management of Resources and Environment. Um seine Masterarbeit zu schreiben, bekam er ein DAAD-Stipendium. „Das hat mir geholfen, mich auf die Masterarbeit zu konzentrieren.“

Dabei wollte er ursprünglich in die Autoindustrie. Schon während seines Bachelors führte ihn sein Faible für Autos 2003 zwei Mal für kurze Zeit nach Esslingen am Neckar, wo er unter anderem als Hilfswissenschaftler an der Fakultät für Fahrzeugtechnik der Hochschule Esslingen arbeitete. „Ich liebte Autos und Fahrzeugbau, also war das genau der richtige Ort!“, erzählt er. Aber er sei auch schon immer umweltbewusst gewesen, habe an der Uni Umweltgruppen unterstützt. Schließlich orientierte er sich mit dem Master in Deutschland in Richtung Umweltingenieurwesen.

Nach einigen beruflichen Stationen, unter anderem bei der deutschen Firma EAB New Energy GmbH, landete er dann 2015 bei Ecomadi in Mexiko. Ergebnis dieses Lebensweges sind nun auch die zwölf Solarmodule mit einer Leistung von 4440 Watt Peak auf dem Dach der Außenstelle. Zwar sind sie noch nicht in Betrieb, weil die mexikanische Energiebehörde wegen der Pandemie aktuell nicht in das Gebäude kann, um sie abzunehmen. Aber es soll nicht mehr lange dauern.

Die Chance, etwas zurückzugeben

Die Module sollen dann den gesamten Strombedarf der Außenstelle decken und ihre Energieversorgung komplett nachhaltig gestalten. Insgesamt könnte das rund fünf Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen. Ein installierter Zähler wird dies messen. Die Stromkosten sollen dadurch von rund 100 Euro im Monat auf etwa fünf Euro sinken. Und für die weniger sonnigen Tage, an denen doch Energie aus dem Netz verbraucht wird, kann am Wochenende Solarstrom ins Netz eingespeist werden. Für das Warmwasser wird dann der ebenfalls von Ecomadi installierte Solarboiler sorgen.

„Das Projekt ist für mich eine Möglichkeit, Deutschland und dem DAAD Danke zu sagen und die Dinge anzuwenden, die ich in Deutschland gelernt habe. Wissenstransfer ist ja eines der Ziele des DAAD und hier kann man sehen, dass es erreicht wurde“, sagt Augusto Mosqueda. Für die Außenstelle ist es eine Investition in eine grüne Zukunft.

Autorin: Maren van Treel

  • Augusto Mosqueda Augusto Mosqueda

Augusto Mosqueda Solís kommt gebürtig aus Taxco und wuchs in Mexiko-Stadt auf. Er machte zunächst einen Bachelor in Elektrotechnik und Maschinenbau am Institut für Technologische und Höhere Studien Monterrey (Tecnológico de Monterrey) in Mexiko-Stadt. Nach einer kurzen Zeit bei General Electric zog es ihn nach Deutschland und er studierte im Master International Management of Resources and Environment an der TU Bergakademie Freiberg. In dieser Zeit wurde er zum Teil vom DAAD gefördert.

Nach Stationen unter anderem bei der deutschen Firma EAB New Energy GmbH arbeitet er seit 2015 als Technischer Leiter für Projekte im Bereich Erneuerbare Energien bei Ecomadi in Mexiko. 2017 nahm er an einem sechsmonatigen Kurs an der TU Dresden (CIPSEM) teil, der Experten aus Entwicklungsländern, die im Umweltbereich tätig sind, im Umweltmanagement weiterbildet. Das Programm regt die Experten dazu an, ihr Wissen zu teilen und zu vertiefen und es in ihren Heimatländern anzuwenden. In den vergangenen Jahren nahm Mosqueda auch an verschiedenen Alumni-Sonderprojekten teil.

März 2021