Forschung als Grundlage für Klimaschutzmaßnahmen

Afrika südlich der Sahara hat den Vereinten Nationen zufolge in den letzten Jahrzehnten häufigere und intensivere Klimaextreme erlebt als die restliche Welt. Für den Kontinent werden außerdem eine Zunahme sehr warmer Nächte sowie längere und häufigere Hitzewellen vorhergesagt, insbesondere in den Äquatorialregionen zwischen 15 Grad nördlicher und 15 Grad südlicher Breite (Vereinte Nationen, 2020).

Der steigende Meeresspiegel, höhere Temperaturen, heftigere Stürme und zerstörerische Brände sind einige der bedrohlichen Folgen des globalen Klimawandels. ClimapAfrica ist ein Programm des DAAD, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert wird. Es soll auf Zusammenarbeit ausgelegte, datengestützte Lösungen ermöglichen, um die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels in Afrika abzufedern.

Yakubu Musah Seidu von climapAfrica hat Dr. Lailah Gifty Akita einige Fragen zum Thema gestellt. Dr. Akita ist als Postdoc-Wissenschaftlerin am Programm beteiligt und trägt damit ihren Anteil dazu bei, die Folgen der globalen Erderwärmung zu bewältigen.

Seidu: Dr. Akita, wo liegt derzeit Ihr wissenschaftlicher Schwerpunkt?

Dr. Akita: Meine Forschungsinteressen als Dozentin an der University of Ghana umfassen Gewässerökologie, Paläoklimatologie und die Dynamik aquatischer Ökosysteme. Der Schwerpunkt meines climapAfrica-Projektes liegt auf der Untersuchung klimatischer und ökologischer Veränderungen im ghanaischen Volta-Stausee anhand biologischer Organismen wie Ostrakoden. Ostrakoden oder Muschelkrebse sind mikroskopisch kleine Krebstiere, die im Süßwasser ebenso wie in den Meeren leben. Die artenspezifischen Umweltanforderungen sind anfällig für Veränderungen in bestimmten Lebensräumen und eignen sich daher gut als Gradmesser für ökologischen Wandel.

Seidu: Was motiviert Sie zur Teilnahme am climapAfrica-Programm?

Dr. Akita: Das Programm hat einige hehre Ziele, zu deren erfolgreicher Umsetzung wir alle beitragen. So wollen wir beispielsweise anhand biologischer Indikatoren den Klimawandel in Westafrika verstehen. Derzeit bauen wir ein Netzwerk aus internationalen Klimaforscherinnen und -forschern auf und wollen Kooperationen zwischen der wissenschaftlichen Community in Ghana und Deutschland pflegen.

Seidu: Wie haben Sie von climapAfrica erfahren?

Dr. Akita: Von climapAfrica habe ich beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Bonn gehört. Mein Besuch beim DAAD wurde von der Leibniz-Universität Hannover organisiert und von der Volkswagenstiftung für Postdoc-Alumni finanziert, sodass ich vor Ort mehr über die von Deutschland angebotenen Fördermöglichkeiten erfahren konnte. Darüber hinaus kamen die DAAD-Programmleiter nach Ghana und luden mich ein, an einem Programm des West African Science Service Center on Climate Change and Adapted Land Use (WASCAL) teilzunehmen. Zum ersten Mal überhaupt von climapAfrica erfuhr ich allerdings über meine Doktorandenbetreuung, als das Programm neu angekündigt wurde. Als Teilnehmerin qualifiziert habe ich mich mit meinem innovativen Forschungsvorhaben, das gut strukturierte Ziele mit systematischen Ansätzen zur Lösung der Problemstellung verbindet. Auch die dauerhafte Zusammenarbeit von Partnern aus Ghana und Deutschland sowie gute Referenzen spielten dabei eine Rolle.

DAAD climapAfrica Postdoc Fellowships

Bewerben Sie sich jetzt für die vierte Förderperiode der climapAfrica Postdoc Fellowships. Bitte beachten Sie, dass die Förderung am 1. Juli 2021 beginnt und am 31. Januar 2023 endet und für maximal 18 Monate begrenzt ist. Bewerbungsschluss ist der 15. Februar 2021.

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Seidu: Was macht das climapAfrica-Programm so besonders?

Dr. Akita: Was climapAfrica von anderen Programmen unterscheidet, sind die Zusammenstellung thematischer Forschungsgruppen innerhalb der Region und der ausgezeichnete Rückhalt durch erfahrene Wissenschaftler in Deutschland. Die wissenschaftliche Unterstützung mittels Schulungen (z. B. Workshops und Konferenzen) ist ebenfalls sehr wichtig für eine kontinuierliche fachliche und persönliche Weiterentwicklung. Auch der Forschungsaufenthalt in Deutschland ist fantastisch.

Seidu: Welche Unterstützung erhalten Sie neben den Fördermitteln aus dem climapAfrica-Programm?

Dr. Akita: Ich bekomme dadurch die Möglichkeit, an Konferenzen, Workshops und kompetenzerweiternden Schulungen teilzunehmen. Hinzu kommen diverse andere Formen der dauerhaften Unterstützung.

Seidu: Welchen Rat würden Sie künftigen Teilnehmenden geben?

Dr. Akita: Nutzt eure Chancen, schließlich weiß man nie, was kommt! Und sät eure Saat am Morgen wie am Abend, denn man kann nie wissen, welcher Samen in fruchtbarer Erde aufgehen wird. Das climapAfrica-Programm bietet Stipendien für Wissenschaftler, die innovative Forschungsarbeit ausführen. Daneben umfasst das Programm eine Forschungsförderung für die Projektumsetzung. Dies macht es zu einer besonders attraktiven Gelegenheit für Nachwuchswissenschaftler, ihre Kompetenzen zu erweitern und innovativer zu werden. 

Autor: Yakubu Musah Seidu

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  • Dr. Lailah Gifty Akita Dr. Lailah Gifty Akita

Yakubu Musah Seidu ist Teammitglied im Programm „Climate Research for Alumni and Postdocs in Africa“ (climapAfrica) und Hauptansprechpartner in Subsahara-Afrika. Bei Interesse können Sie Kontakt zum Programmteam unter climapafrica(at)daad.de aufnehmen.

Dr. Lailah Gifty Akita ist Dozentin an der Abteilung für Meeres- und Fischereiwissenschaft der University of Ghana. Sie leitet Kurse zu den Themen Einführung in die Klimawandelforschung, Benthosökologie und Ökosysteme der Küsten. Als Postdoktorandin lag ihr Forschungsschwerpunkt auf Ostrakoden als biologische Indikatoren, anhand derer sich ökologische und klimatische Veränderungen im Volta-Stausee nachvollziehen lassen. Der Volta-Stausee ist eines der wichtigsten Binnenfischereigewässer des Landes und hat dementsprechend große Bedeutung für die in Ufernähe lebenden Menschen.

Hintergrund

Landwirtschaft wird in Afrika hauptsächlich in Form von Regenfeldbau betrieben. Millionen Menschen auf dem Kontinent sind daher für ihre Lebensmittelversorgung auf ausreichende Regenmengen angewiesen und besonders anfällig für Veränderungen der Niederschlagsmuster (UNFCCC, 2020). Die Fähigkeit zur Anpassung an den Klimawandel ist jedoch ausgesprochen gering. Im Vergleich zu anderen bewohnten Regionen der Erde mangelt es erheblich an wissenschaftlichen Untersuchungen für Afrika (IPP Media, 2020). Daher besteht die Gefahr, dass Afrika schlafwandelnd in eine Katastrophe taumelt, wenn nicht sofort Schritte unternommen werden, um die negativen Folgen des Klimawandels abzufangen.

Dr. Lailah Gifty Akita hat im Bereich küstennaher Ökosysteme wichtige Beiträge geleistet, um die verheerenden Folgen des Klimawandels zu bewältigen. Küstennahe Ökosysteme spielen eine herausragende Rolle für die Lebensmittel- und Wasserversorgung sowie für das ästhetische, kulturelle, pädagogische, medizinische, wirtschaftliche und soziale Gedeihen von Küstengesellschaften rund um den Erdball. Gleichzeitig sind solche Ökosysteme – darunter Seen, Flussmündungen und Lagunen – besonders anfällig für ökologische und klimatische Veränderungen. Lailah Gifty Akita forscht vornehmlich zum Volta-Stausee in Ghana. In ihre Arbeit bezieht sie zahlreiche Beteiligte ein, darunter Fischzüchter, das Ministerium für Fischerei und Aquakultur, die Fischereikommission, den Stromversorger Volta River Authority sowie die Unternehmen Kpong Farms Limited und Volta Lake Transport Company. Künftig wird sie Seminare anbieten, um wesentliche Erkenntnisse aus dem Projekt zu vermitteln und politische Handlungsempfehlungen zu geben. Ziel ist es, das Bewusstsein für den ökologischen Wandel rund um den Volta-Stausee zu fördern.

Januar 2021