Innovationsstärke: Cluster für Biowissenschaften in Deutschland

Innovation ist ein Schlüssel für Wachstum und Wohlstand – dies meint jedenfalls Tom Orlik, der Chefökonom von Bloomberg Economics. Und wenn er recht hat, dann stehen die Aussichten für eine positive wirtschaftliche Entwicklung dieser drei Länder ziemlich gut. Deutschland ist im Bloomberg Innovation Index 2020 an die erste Stelle gerückt, vor den Zweit- und Drittplatzierten Südkorea und Singapur. In den Index fließen Faktoren wie die Forschungs- und Entwicklungsintensität, die Dichte an High-Tech-Unternehmen und die Zahl hochqualifizierter Fachkräfte ein.

Eine wichtige Triebfeder für eine hohe Innovationskraft ist die räumliche Konzentration von Hochschulen, Krankenhäusern, Forschungseinrichtungen und großen Unternehmen, die sich gegenseitig neues Wissen bereitstellen – sogenannte Cluster. Als promovierte Biochemikerin habe ich mich immer gefragt, wie Deutschland seine Strategie für die Biowissenschaften plant und umsetzt. In diesem Artikel möchte ich einige wichtige Aspekte der Clusterstruktur in Deutschland benennen und die wichtigsten Cluster sowie die daran beteiligten Institute vorstellen.

Verglichen mit anderen Sektoren, die eine enge Zusammenarbeit mit Hochschulen pflegen, setzen die Biowissenschaften stets Grundlagenforschung voraus und suchen dafür nach hochqualifizierten Fachkräften. Cluster erleichtern die Produktion und den Transfer von Wissen, außerdem fördern sie die Produktivität und Unternehmensgründungen. In den letzten Jahrzehnten hat Europa die Stärke seiner spezialisierten Cluster erkannt, von denen es heute 2900 an der Zahl sind. Doch nicht alle europäischen Cluster sind eine Erfolgsgeschichte. Die deutsche Biowissenschaftsbranche ist die größte des Kontinents und unterstützt kleinere Unternehmen in über 500 kleinen, unabhängigen und hochspezialisierten Branchensektoren.

Europas größtes Universitätskrankenhaus und Hunderte Life-Science-Unternehmen

Die drei wichtigsten regionalen Schwerpunkte der Biotechnologie in Deutschland sind Berlin-Brandenburg, Heidelberg-Rhein-Neckar und München-Bayern. In der Region Berlin-Brandenburg befindet sich Europas größtes Universitätskrankenhaus, die Charité – Universitätsmedizin Berlin. Außerdem gibt es in dieser Region über 500 Unternehmen aus dem Bereich der Biowissenschaften, darunter Biotechnologie, Medizintechnik und Pharmazie. Im Raum Heidelberg-Rhein-Neckar bestehen viele erfolgreiche Kooperationen zwischen globalen Chemie- und Pharmakonzernen wie BASF, Abott, Roche und Merck. München-Bayern ist eines der wichtigsten Zentren der Biotechnologie in Europa. Hier finden sich zahlreiche Teilcluster wie das Medical Valley, Würzburg und der BioCampus Straubing. Überdies gibt es in dieser Region Zentren mit einer wichtigen Förderfunktion für die Medizintechnik, darunter das Zentrum für Medizinische Physik und Technik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, das International Center for Telemedicine am Universitätsklinikum Regensburg und der Lehrstuhl für Medizintechnische Materialien und Implantate an der Technischen Universität München. Hochschulen und Forschungsinstitute spielen in der Clusterstruktur eine wichtige Rolle. Deutschland kann renommierte Forschungsgesellschaften vorweisen, wie die Max-Planck-Institute, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft und die Leibniz-Gemeinschaft. Diese Einrichtungen verfügen über hohe Forschungsbudgets, können dank einem erstklassigen Bildungssystem auf zahlreiche Fachkräfte zugreifen und versorgen die Privatwirtschaft mit Erkenntnissen der Grundlagen- und angewandten Forschung.

Die Initiative für Kooperationen zwischen Forschungsinstituten und dem Privatsektor geht zumeist von der deutschen Bundesregierung aus. Ein wichtiges Instrument ist das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM), ein Förderprogramm für die Entwicklung neuer Produkte und Technologien. Über das ZIM werden nicht gewinnorientierte Forschungs- und Technologieeinrichtungen kleiner und mittlerer Unternehmen finanziert, die als Kooperationspartner agieren.

Wegweisend für künftige Innovationen

Alles in allem zeichnet sich Deutschland durch hohe Forschungsausgaben, hochqualifizierte Fachkräfte und eine intensive staatliche Förderung von Partnerschaften zwischen öffentlichen und privaten Einrichtungen aus. Darüber hinaus weiß Deutschland diese Vorteile in die europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit einzubinden und weist damit den Weg für künftige Innovationen.

Aus all dem können nicht nur andere Länder etwas lernen. Auch für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dürfte dieser kooperative Clusteransatz einige Lektionen bereithalten. Erstens sollten angehende Forscher nach Instituten Ausschau halten, die mit der Privatwirtschaft zusammenarbeiten. Dadurch erhält das eigene Projekt mehr Aufmerksamkeit. Zweitens sollten Initiativen Promotions- oder Postdoktorandenprogramme umfassen, die mit der Entwicklung neuer Technologien im Zusammenhang stehen. Dies verbessert die Förderchancen. Drittens empfiehlt es sich, an Veranstaltungen für den Ideenaustausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft teilzunehmen, um das berufliche Netzwerk zu erweitern.

Weitere Ideen und Informationen zu diesem Thema hält die Website www.research-in-germany.org bereit. Dort finden Sie sicherlich Anregungen, wie Sie Ihre kreativen und innovativen Fähigkeiten erweitern können, aber auch Gelegenheiten, beruflich voranzukommen.

Autorin: Ana Paula Mendonça

Wer ist Ana Paula Mendonça?

Ana Paula Mendonça kommt aus Brasilien und promovierte an der Universidade Federal do Rio de Janeiro in Biochemie. Während ihrer Promotion arbeitete sie eine Zeit lang an der Universität Bremen. Zurzeit ist sie Postdoktorandin an der Universität Padua in Italien und nach wie vor sehr am Wissensaustausch zwischen Unternehmen der Life-Science-Branche und Hochschulen interessiert.

 

Zum Profil von Ana Paula Mendonça

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Januar 2021