Germanistik in Afrika: Erfolgreiche Pionierarbeit

Es gibt aktuell eine steigende Zahl deutschlernender Schülerinnen und Schüler in Subsahara-Afrika. Im Schulsystem Burkina Fasos ist Deutsch nach Englisch die zweite Fremdsprache; der Bedarf an Deutschlehrern ist groß.

Die jüngsten Statistiken für Burkina Faso berichten von mehr als 80.000 Schülerinnen und Schülern, die von 300 Deutschlehrerinnen und -lehrern unterrichtet werden. Diese kommen wiederum zumeist von Universitäten, an denen engagierte Germanistik-Dozentinnen und Dozenten einen zunehmenden Studierendenandrang beobachten.

Einer der Dozenten, die deutsche Sprache, Literatur und Landeskunde seit langem leidenschaftlich fördern, ist Dr. Jean-Claude Naba. Der 64-Jährige ist seit 1993 Dozent an der Université de Ouagadougou. Am Anfang seiner akademischen Laufbahn stand ein DAAD-Stipendium.

Obervolta, Elfenbeinküste, Deutschland

Dr. Naba erinnert sich, wie er die Förderung erhielt, um die Licence in Germanistik, vergleichbar mit dem heutigen Bachelor, zu erwerben: „Im Rahmen der Kooperation zwischen Deutschland und Obervolta (dem heutigen Burkina Faso) verlieh der DAAD Surplace-Stipendien in der Region. Wir waren drei Voltaer, die ein Stipendium für ein Studium in Abidjan in der Elfenbeinküste erhielten. Die damalige Universität in Obervoltas Hauptstadt Ouagadougou verfügte über keine Germanistikabteilung.“

Jean-Claude Naba war glücklich, auch weil er zu den ersten Germanisten seines Heimatlandes zählte, die in Deutschland studieren konnten: „Nach dem Abschluss in Abidjan konnte ich mit einem weiteren DAAD-Stipendium den Magister an der Universität des Saarlandes erwerben.“

Über den Gastautor

Gabriel Kombassere, 23, ist Germanist. Er hat einen Bachelor in seinem Heimatland Burkina Faso abgelegt und studiert jetzt im Master Literatur und Landeskunde. Er ist freier Journalist und Autor von fünf Büchern. Sein jüngstes Buch, „Séquelles et autres nouvelles“, wurde im August 2020 in Mali veröffentlicht. Gabriel Kombassere schreibt für das Alumniportal Deutschland und eine Studentenzeitschrift in Ouagadougou.

Von Saarbrücken nach Bayreuth

Allerdings entwickelte der junge Naba auch Ehrgeiz in einer anderen Disziplin: Nach dem Magister in Germanistik entschied er sich für ein Promotionsstudium in Afrikanistik. Da es damals keine Möglichkeit gab, diese Fachrichtung im Saarland zu studieren, zog er nach Bayreuth in Franken, wo die Afrikanistik neu eingeführt worden war.

„Ich hatte kein Stipendium mehr, aber die Situation war damals nicht so schwierig: Viele Studierende – auch Deutsche – finanzierten ihr Studium durch Ferien- und Gelegenheitsjobs. Ich immatrikulierte mich also an der Universität von Bayreuth, wo ich später auch Lehraufträge sowohl am Lehrstuhl für Afrikanistik I als auch am Sprachenzentrum erhielt“, erzählt er.

Naba promovierte nicht nur in Bayreuth, sondern heiratete dort auch. 1992 kehrte er nach Burkina Faso zurück und arbeitete mit Professor Bama Bapio Rosaire zusammen, der mittlerweile die Germanistik an der Université de Ouagadougou eingeführt hatte.

Beliebte Germanistik

Heute zählt die Germanistikabteilung an der Universität in Ouagadougou mehr als 2.000 Studierende. Die Mehrheit von ihnen entscheidet sich nach dem Abschluss für die Lehrtätigkeit. Nur wenige sind im öffentlichen Dienst tätig oder in der deutsch-burkinischen Entwicklungszusammenarbeit.

Jean-Claude Naba unterrichtet aktuell Morphologie des Deutschen, Übersetzen, Semantik und Kontrastive Linguistik. Außerdem hat er einen Verlag gegründet, Sankofa & Gurli. „Das hat in Deutschland angefangen“, erzählt er. „Die Hans-Böckler-Stiftung, die mich während meiner Promotion unterstützte, ermöglichte es mir auch, verlegerisches Grundwissen zu erwerben. An den BW Verlag in Nürnberg, bei dem ich meine ersten praktischen Schritte machte, denke ich mit Dankbarkeit zurück.“

Seine Zeit muss sich Naba gut einteilen: „Verleger und Dozent zu sein, das sind zwei Vollzeitbeschäftigungen“, sagt er. Und die Herausforderungen in der Germanistik nehmen durch den aktuell großen Bedarf an Dozentinnen und Dozenten in Burkina Faso weiter zu. Da trifft es sich gut, dass das Fach an der Université de Ouagadougou durch einen neu eingeführten Masterstudiengang gestärkt wird.

Gastautor: Gabriel Kombassere

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September 2020