Jobs und Perspektiven für die Jugend

Avocados, Ananas, Mangos und Maracuja: Uganda hat eine breite Palette an leckerem Obst und Gemüse, aber auch beliebte Kaffee- und Teesorten zu bieten. Gyaviira Kaleebu sieht in den fruchtbaren Böden großes Potenzial und möchte mit landwirtschaftlichen Verarbeitungsfabriken die ökonomische Situation seines Landes verbessern.

Herr Kaleebu, der Export landwirtschaftlicher Produkte macht einen großen Teil des Bruttoinlandsprodukts Ugandas aus. Worin genau besteht der Vorteil von Verarbeitungsfabriken?

Mit den Fabriken schaffen wir einen Mehrwert, der direkt den Bäuerinnen und Bauern Ugandas zugutekommt. Dabei planen wir, uns zunächst auf die Verarbeitung von Kaffee und einiger Obst- und Gemüsesorten wie Ananas, Orangen, Zitronen, Palmnüsse, Eukalyptus, Guaven, Mispeln, Avocados, Mangos, Auberginen und Stachelbeeren zu spezialisieren. Der Gedanke dabei ist, im Vergleich zum Rohprodukt beispielsweise mit Saft oder Fruchtkonzentrat einen höheren Preis zu erzielen. Gleiches gilt für den Vertrieb von Kaffee: Gelingt es uns, die Bohnen in Uganda zu rösten und zu verpacken, bleibt ein deutlich größerer Teil der Wertschöpfung in unserem Land. Dabei wird der ugandische Kaffee dank seines intensiven Geschmacks international sehr geschätzt: Weltweit sind wir der zweitgrößte Exporteur von Robusta-Bohnen. Derzeit befinden sich die Anlagen allerdings noch im Aufbau. Wir sind auf der Suche nach finanzieller Unterstützung, da wir das Kapital von 783.757 US-Dollar allein nicht aufbringen können. Eigentümer der landwirtschaftlichen Fabriken werden sieben Bauernverbände aus dem Distrikt Masaka sein, die eigenverantwortlich über ihre Produkte bestimmen können.

Inwiefern werden die Anlagen helfen, die gesellschaftlichen und ökonomischen Herausforderungen Ugandas zu bewältigen?

Ein Problem Ugandas besteht in der Subsistenzwirtschaft, das heißt, die Bäuerinnen und Bauern produzieren meist nur für den eigenen Bedarf. Mithilfe der Verarbeitungsfabriken kann es uns gelingen, größere Einheiten im Bereich der Landwirtschaft zu bilden. Das schafft Arbeitsplätze, beseitigt Armut und sorgt für eine höhere landwirtschaftliche Produktivität. Damit wirken die Fabriken auch der massiven Emigration von jungen Menschen in die Vereinigten Arabischen Emirate sowie nach Europa und Asien entgegen. Man muss wissen, dass rund 70 Prozent unserer 44 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner nicht einmal 25 Jahre alt sind. Deren Abwanderung müssen wir verhindern, denn Uganda benötigt seine Arbeitskräfte – in den Fabriken werden zahlreiche neue Jobs und damit Perspektiven auch für Menschen ohne Ausbildung entstehen. Gleichzeitig steigern wir auf diese Weise die Exporteinnahmen und verhelfen so dem Land zu einem mittleren Einkommensstatus. Mit dem Gewinn der Fabriken wollen wir außerdem die schulische Ausbildung von Waisenkindern und frauengeführte Unternehmen fördern.

Der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill hat Uganda einst als „Perle Afrikas“ bezeichnet. Zu Recht?

Auf jeden Fall. Ich lade jeden ein, sich selbst von der Schönheit des Landes und dessen Potenzial ein eigenes Bild zu machen! Uganda bietet einer artenreichen Tierwelt wie beispielsweise Elefanten, Löwen, Leoparden, Schimpansen und seltenen Vogelarten ein zu Hause. Durch den Süden unseres Landes verläuft der Äquator, sodass wir von der hohen Sonneneinstrahlung profitieren. Ein weiteres Plus ist eine ausreichende Menge an Wasser: Uganda liegt sowohl am Victoriasee, dem größten See Afrikas, als auch am Nil, dem längsten Fluss der Welt. Das ist perfekt für unsere Landwirtschaft.

Autorin: Christina Pfänder

Gyaviira Kaleebu

Gyaviira Kaleebu aus Uganda hat an der Päpstlichen Universität Urbaniana in Rom Philosophie und Katholische Theologie studiert. Anschließend spezialisierte er sich an der Makerere-Universität in Kampala und am Uganda Management Institute auf die Bereiche Projekt-Monitoring, -Evaluation und -Management sowie Social Entrepreneurship. Gyaviira Kaleebu arbeitet für die deutsche Projekthilfe Uganda.

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Juli 2022

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