„Mein Abschluss hat mir phantastische neue Chancen eröffnet“

Wie hat die Zeit in Deutschland das Leben ehemaliger DAAD-Stipendiaten verändert? Dazu bekamen die rund 180 Teilnehmer des ersten virtuellen Absolvententreffens des DAAD im Mai 2020 einen Einblick. Der DAAD hatte ausländische Stipendiatinnen und Stipendiaten kurz vor Ende ihres Stipendiums sowie junge Alumni eingeladen und informierte einen Tag lang in einer virtuellen Messehalle über seine Alumniarbeit. Die Teilnehmer konnten sich beim „Markt der Möglichkeiten“ an verschiedenen Ständen umschauen und sich mit jungen Alumni austauschen, die über ihre Erfahrungen nach dem DAAD-Stipendium und ihrem Weg in den Beruf erzählten und in Live-Chats Fragen beantworteten. Das Alumniportal hat mit ihnen gesprochen.

Lyla Latif, Gründerin und Beraterin in Nairobi, Kenia

„Mein Aufbaustudium in Deutschland hat mein Leben radikal verändert, denn darin habe ich gelernt, über den Tellerrand zu schauen! Meine Arbeit und mein Denken sind heute nicht mehr nur auf Kenia begrenzt, sondern global. Nach meinem juristischen Masterabschluss in Nairobi habe ich zunächst im Auftrag der kenianischen Regierung an Gesetzentwürfen gearbeitet. Bei einer Reise nach Heidelberg 2014 habe ich mich dann in Deutschland verliebt: Ich war fasziniert von der Ordnung, der Infrastruktur und dem guten Gesundheitssystem, aber auch von dem strukturierten Denken deutscher Wissenschaftler. Ich dachte viel darüber nach, was sich Kenia von Deutschland abschauen könnte. Das hat mich motiviert, mich für einen DAAD-geförderten Studienplatz in Deutschland zu bewerben. Ich habe mich für den Masterstudiengang „Development and Governance“ der Universität Duisburg-Essen entschieden, weil ich die sozialökonomische Realität Kenias verstehen und lernen wollte, politische Strategien zu entwickeln. Mein Abschluss hat mir in Kenia phantastische neue Berufschancen eröffnet: Ich wurde Universitätsdozentin und internationale Nichtregierungsorganisationen haben mich als Beraterin engagiert. Mein erster Auftrag war ein Dossier für die Organisation AFRODAD, es ging um die Frage, wie Afrika mithilfe digitaler Technologien mehr Mittel für Entwicklung mobilisieren kann. Seit 2017 arbeite ich außerdem an meiner Dissertation über islamisches Steuerrecht an der britischen Cardiff University. Im Februar dieses Jahres habe ich das Beratungsunternehmen Lai’Latif&Co gegründet. Wir beraten Unternehmen, wissenschaftliche Einrichtungen und Organisationen zu Themen wie Steuerpolitik und Digitalisierung. Mein Ziel ist, dass Lai’Latif&Co zu einem einflussreichen Think Tank für die Entwicklung Afrikas wird.“

Flávio José Silvestre, Professor für Luftfahrttechnik an der Technischen Universität Berlin

„Mit der Professur in Berlin ist für mich ein Traum wahr geworden. Ich liebe diese Stadt! Von 2007 bis 2012 habe ich als DAAD-Stipendiat meine Doktorarbeit an der TU Berlin geschrieben. Damals habe ich in der Nähe vom Hackeschen Markt in Berlin-Mitte gewohnt und in diesem Kiez gute Freunde gefunden. Die vielen Leute auf der Straße, die verschiedene Sprachen sprechen, die charmanten Cafés, die kleinen Märkte und das große kulturelle Angebot für Studierende fand ich einfach klasse. Meine Diplomarbeit hatte ich übrigens auch schon in Deutschland geschrieben – 2004 am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart. Das war meine erste Auslandserfahrung, sie hat meinen Horizont sehr erweitert. Dass mir die sechs Monate am DLR so gut gefallen haben, hat sicherlich dazu beigetragen, dass ich nach Deutschland zurückgekehrt bin, um zu promovieren.  Nach meiner Dissertation wurde ich Assistenzprofessor am Instituto Tecnológico de Aeronáutica (ITA) im brasilianischen Bundesstaat São Paulo, wo ich studiert hatte. 2017 bekam ich die Chance, mich auf den Lehrstuhl für Flugmechanik, Flugregelung und Aeroelastizität an der TU Berlin zu bewerben. Der Bewerbungsprozess hat volle zwei Jahre gedauert. Jetzt baue ich an unserer Fakultät die Forschung zu elastischeren Flugzeugen auf. Schlankere, längere Flügel produzieren weniger Widerstand und verbrauchen deshalb weniger Treibstoff, sind also umweltfreundlicher. Solche Flügel sind flexibler und das hat Einfluss auf die Dynamik des Fluges. Bei meiner Forschung geht es um die Modellierung der Flugdynamik, aber auch um automatische Systeme zur Flugregelung.“

Linda Zagaska, Projektmanagerin bei der Deutschen Bahn in Nürnberg

„Deutschland ist für mich das Land der Technologie, darum habe ich mich schon als Kind dafür interessiert. Auch die Sprache liegt mir – in der Schule mochte ich Deutsch lieber als Englisch. Am liebsten hätte ich schon vom ersten Semester an in Deutschland studiert, aber ich war mir nicht sicher, ob ich das schaffe. Darum habe mich an der Schlesischen Technischen Universität Gliwice in Polen für Energietechnik eingeschrieben. Gegen Ende meines Bachelorstudiums bin ich mit einem Erasmus+ Stipendium für ein Semester an die Universität Rostock gegangen und habe meine Bachelorarbeit bei einem deutschen Windkraft-Unternehmen geschrieben. Das hat mir die Sicherheit gegeben, mich für ein DAAD-Masterstipendium zu bewerben. Für den Studiengang „Electrical Engineering“ an der Uni Rostock musste ich einige Kurse in Mathematik und Physik nachholen. Das war viel Arbeit, aber ich bekam dadurch auch mehr Zeit zu überlegen, auf welchen technischen Bereich ich mich konzentrieren will. Vier Monate vor dem Masterabschluss habe ich angefangen, Bewerbungen zu verschicken. Der Übergang hat dann super geklappt: Ende Juni hatte ich meinen Master und seit August 2019 arbeite ich als Projektmanagerin bei der Deutschen Bahn. Wir planen den Gleisbau auf der neuen ICE-Strecke zwischen Ingolstadt und München und den Ausbau des Bahnhofs Pfaffenhofen. Das ist eine sehr komplexe Arbeit, es wird nie langweilig. Auch die Landschaft rund um Nürnberg gefällt mir sehr, denn da kann man tolle Mountainbike-Touren machen.“

Protokolle: Miriam Hoffmeyer

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Juni 2020