Netzwerker aus Leidenschaft

Anfang November konnte Felix Barnes, Ortskraft im DAAD-Informationszentrum in Accra, trotz der Coronakrise endlich mal wieder nach Berlin reisen. Trotz vieler beruflicher Termine fand er Zeit für ein spontanes Treffen mit Studierenden aus Ghana: „Ein Stipendiat, den ich vor seiner Abreise nach Deutschland kennengelernt hatte, hatte mir das per Whatsapp vorgeschlagen. Zu dem Treffen hat er zwei Kommilitonen aus Ghana mitgebracht – so wurde unser Netzwerk gleich wieder etwas größer!“

Pro Jahr gehen derzeit etwa 30 Studierende, Doktorandinnen und Doktoranden aus Ghana mit einem DAAD-Stipendium an deutsche Hochschulen. Barnes ist es wichtig, die Geförderten frühzeitig miteinander in Kontakt zu bringen. Zweimal im Jahr organisiert der 42-Jährige ein „Pre-Departure-Event“ für neue Stipendiatinnen und Stipendiaten. „Ich lade auch immer ein bis zwei Alumni dazu ein, die den Neuen Tipps zum Studieren und zum Alltag in Deutschland geben.“ Barnes ermutigt die Geförderten auch dazu, auf der Facebook-Seite des Informationszentrums und in ihrem Newsletter über ihre Deutschland-Erfahrungen zu berichten. Und wenn er quer durch Ghana reist, um über Deutschland als Studien- und Forschungsstandort zu informieren, bittet er regelmäßig um Unterstützung aus seinem Netzwerk: „Bei meiner letzten Tour sind in manchen Städten bis zu zehn Alumni zu den Veranstaltungen gekommen. Das hat natürlich eine große Wirkung!“ Die Karrieren der Alumni und ihre Leistungen für Wirtschaft und Gesellschaft Ghanas seien schließlich die beste Werbung für den DAAD und für Deutschland, meint Barnes.

„Er liebt seinen Job wirklich“

Auch bei Felix Barnes gab 2003 ein persönlicher Kontakt den Ausschlag für die Entscheidung, nach dem Bachelorabschluss in Biochemie nach Deutschland zu gehen: Ein Freund überzeugte ihn davon, sich an der TU München für „Sustainable Resource Management“ einzuschreiben. Von der Schönheit der bayerischen Landschaft schwärmt er noch heute. Nach dem Masterabschluss ging Barnes zunächst in die USA und dann zurück nach Ghana, wo er 2008 im DAAD-Informationszentrum angestellt wurde. Seither hat er unzählige Studieninteressierte und Studierende beraten. Wie sehr sie ihn dafür schätzen, zeigte sich bei einer Konferenz des Helmut-Schmidt-Programms des DAAD im Oktober 2021: Fünf Alumni aus Ghana überraschten Barnes mit Videobotschaften, in denen sie ihm für seine große Geduld, Freundlichkeit und die kompetente Beratung dankten. „Er liebt seinen Job wirklich“, brachte es eine Alumna auf den Punkt.

Infokasten: Das DAAD-Außennetzwerk

In mehr als 60 Ländern unterhält der DAAD Außenstellen, Informationszentren (IC) und Informationspunkte. Zu den Aufgaben dieses Außennetzwerks gehört es unter anderem, Kontakte zu den mehr als 400.000 DAAD-Alumni weltweit zu pflegen. Auf Treffen oder Seminaren, die die Außenstellen und ICs organisieren, können sich Alumni miteinander vernetzen und zugleich Kontakt zu Deutschland halten. Mit seiner Alumniarbeit will das DAAD-Netzwerk auch zum internationalen Wissensaustausch beitragen und gemeinsames Engagement für eine nachhaltige Zukunft fördern.

Alumnitreffen: Das Netzwerk pflegen und sich weiterbilden

Alle zwei Jahre organisiert Felix Barnes ein großes Alumnitreffen in Accra – nur in diesem Jahr musste es wegen der Pandemie ausfallen. 2019 kamen rund 110 Alumni aus ganz Ghana zu dem zweitägigen Treffen, trotz des teils sehr hohen Zeitaufwands für die Anreise: „Aus dem Norden Ghanas dauert die Fahrt 17 Stunden“, erzählt Barnes. „Dass einige das auf sich nehmen, zeigt, wie wichtig ihnen das Treffen ist! Die Leute sind sehr glücklich darüber, dass sie dort Kontakte knüpfen und Freundschaften pflegen können.“ Die Treffen seien aber auch für die Weiterentwicklung der Alumni wichtig: „Der wissenschaftliche Austausch unter Fachkolleginnen und -kollegen spielt eine große Rolle.“ Zudem gibt es bei den Alumnitreffen immer auch Weiterbildungsmöglichkeiten, beispielsweise einen Kurs zum wissenschaftlichen Schreiben.

Das Interesse an Deutschland sei in Ghana in den letzten Jahren stark gestiegen, sagt Felix Barnes: Dass es heute das drittbeliebteste Zielland nach Großbritannien und den USA ist, liege vor allem an der größeren Zahl englischsprachiger Studiengänge an deutschen Hochschulen. Ein bisschen dürfte aber auch Barnes‘ Engagement dazu beigetragen haben. Auch nach 13 Jahren mache ihm die Alumniarbeit immer noch sehr viel Freude, meint er: „Menschen in Verbindung zu bringen ist meine Leidenschaft!“

Autorin: Miriam Hoffmeyer

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Januar 2022

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