„Neues zu versuchen ist heute nötiger denn je“

Siegfried Muresan, 39, wurde 2014 ins Europäische Parlament gewählt und ist seit 2019 stellvertretender Vorsitzender der christdemokratischen EVP-Fraktion. Er ist Mitglied der Nationalen Liberalen Partei Rumäniens. Von 2004 bis 2006 absolvierte Muresan mit einem DAAD-Stipendium den Masterstudiengang Ökonomie und Management an der Humboldt-Universität zu Berlin.

„Meine Vision von Europa ist, das Erreichte wertzuschätzen und zugleich der jungen Generation Chancen zu eröffnen. Durch Modernisierung und Digitalisierung, Forschung und Innovation werden neue Arbeitsplätze geschaffen. Das gesamte Berufsleben der jungen Generation wird sich im europäischen Umfeld abspielen: Jugendliche, die heute in Hamburg oder Turin aufwachsen, werden genauso eng mit Kolleginnen und Kollegen aus Estland, Portugal oder Bulgarien zusammenarbeiten wie mit anderen Deutschen oder Italienerinnen und Italienern. 

Darüber hinaus werden sie, anders als ihre Eltern und Großeltern, nicht vierzig Jahre lang denselben Job am selben Ort machen können. Junge Menschen brauchen deshalb Offenheit und internationale Flexibilität. Dafür müssen wir sie ausbilden – und darum ist es mir sehr wichtig, dass der Austausch junger Menschen in Europa weiterhin massiv gefördert wird. Neues zu versuchen ist heute nötiger denn je – und zugleich sind die Chancen für Gründerinnen und Gründer besser als je zuvor. Die EU bietet gute Fördermöglichkeiten und einen Markt mit 500 Millionen Konsumenten. Junge Europäerinnen und Europäer mit einer Geschäftsidee sollten den Mut haben, ihr eigenes Unternehmen zu gründen.

In jeder Krise der vergangenen Jahre haben wir erlebt, dass die Menschen Lösungen von Europa erwarten. Als Haushaltspolitiker setze ich mich dafür ein, dass die EU dazu auch die nötigen Mittel hat. Während der Corona-Krise hat die EU flexibel reagiert: Obwohl sie im Gesundheitswesen über keine weitreichenden Kompetenzen verfügt, ist es gelungen, auf europäischer Ebene Finanzmittel für die Anschaffung von Medikamenten oder Schutzmasken bereitzustellen, die dann an die Länder verteilt wurden, die sie besonders dringend brauchten. Die europäischen Institutionen sind besser als ihr Ruf! Aber die Ergebnisse ihrer Arbeit müssen den Bürgerinnen und Bürgern auch nahegebracht werden. 

Zugleich ist es für uns Politiker essenziell zu wissen, was die Menschen von uns erwarten. In unseren Brüsseler Büros können wir nicht alle Auswirkungen der eigenen Entscheidungen einschätzen, wir brauchen Feedback. Darum sind Veranstaltungen wie das Alumnitreffen ,Europa gestalten – Europa stärken: Ideen für Europa‘ so wichtig. Dieses hybride Event hat auch gezeigt, dass wir uns nicht unbedingt physisch treffen müssen, um Europa intensiv zu erleben. Die Corona-Krise hat die Digitalisierung beschleunigt und dazu geführt, dass wir alle besser vernetzt sind, auch nach ihrem Ende werden wir uns in Europa auf vielfältige Weise digital austauschen. Die Alumni-Veranstaltung war dafür schon ein gutes Beispiel."

Protokoll: Miriam Hoffmeyer

Haben auch Sie eine Vision für Europa? Lassen Sie andere Alumni daran teilhaben!

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Am 1. Oktober 2020 organisierte der DAAD aus Anlass der deutschen EU-Ratspräsidentschaft einen Austausch für seine Alumni aus den 27 EU-Ländern rund um die Fragen zur Zukunft der EU. An dem teils physisch, teils virtuell stattfindenden Austausch unter der Schirmherrschaft von Bundesaußenminister Heiko Maas beteiligten sich führende deutsche und europäische Persönlichkeiten. Alle Infos zur Veranstaltung finden Sie hier

Oktober 2020