Corona in Jordanien und im Jemen: „Der richtige Moment, gemeinsam zu kämpfen”

Ahmed Al-Kebsi stammt aus dem Jemen und studiert derzeit Water Resources and Environmental Engineering in Irbid, Jordanien. Im September 2019 nahm er im Rahmen seines DAAD-Masterstipendiums in Jordanien an einer Summer School der Frankfurter Goethe-Universität zu Umwelt- und Fernerkundungsdatenanalyse teil.

Herr Al-Kebsi, wie erleben Sie die Corona-Pandemie?

Ich stamme aus dem Jemen, lebe derzeit aber in Irbid, Jordanien. Die Stadt befindet sich seit über zwei Wochen im Lockdown, da hier die Zahl der Corona-Fälle landesweit am höchsten ist. Wir sind praktisch rund um die Uhr zu Hause, wie es das Gesundheitsministerium angeordnet hat. Mittlerweile sieht es etwas besser aus, die Zahl der registrierten Fälle sinkt. Ich arbeite von zu Hause an einem Forschungsprojekt und halte per E-Mail und Videokonferenz Kontakt zu meinem Betreuer.

Haben Sie etwas aus Ihrer Heimat Jemen gehört?

Ich bin im Kontakt mit meiner Familie und mit Freunden. Im Jemen gab es lange Zeit keine Fälle von COVID-19. Das wohl vor allem, weil die meisten Flughäfen und Häfen seit fünf Jahren kriegsbedingt geschlossen sind. Wirtschaft, Infrastruktur und Gesundheitssystem sind instabil und können der Epidemie nicht trotzen. Man muss sich vor Augen führen, dass es bloß 400 Beatmungsgeräte für über 30 Millionen Menschen gibt. Der Jemen tut alles, was er kann: Hunderte öffentliche Orte wurden desinfiziert, im ganzen Land gibt es Aufklärungskampagnen. Leider kam es Mitte April zum ersten Fall von COVID-19.

Wie denken Sie über die Zukunft?

Ich sehe das Glas als halb voll und glaube, dass die Quarantäne unsere Freundschaften und Beziehungen stärkt. Zum Beispiel kommuniziere ich über WhatsApp-Gruppen mit Freunden und DAAD-Alumni in vielen Ländern. Ich denke, dass große Änderungen klein anfangen können. Menschen aus der ganzen Welt sollten ihre Erfahrungen weitergeben, sich engagieren und denjenigen Hilfe anbieten, die kein Einkommen haben. Ich hoffe, dass die Welt diese Krise bald bewältigen kann und niemand mehr einen geliebten Menschen verliert. Und schließlich hoffe ich, dass der Krieg im Jemen beendet wird und alle Konfliktparteien erkennen, dass jetzt der Zeitpunkt ist, gemeinsam zu kämpfen, statt sich zu bekriegen.

Interview: Marlene Thiele

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Mai 2020

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