Corona in Nepal: „Aktiv zu bleiben ist in Krisenzeiten überlebenswichtig”

Rupesh Shrestha arbeitet als Architekt an Wiederaufbauprojekten nach dem Erdbeben in Nepal. Als DAAD-Stipendiat schloss er 2016 sein Studium im Fach Natural Resources Management and Development an der TH Köln mit dem Master of Science ab. Rupesh Shrestha ist Schriftführer des Deutschland-Alumni-Vereins Nepal German Academic Association (NEGAAS), der sich für die Stärkung der akademischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern einsetzt. Er ist außerdem DAAD Young Ambassador und wirbt für Deutschland als Standort für Hochschulausbildung.

Wie geht es Ihnen während der Corona-Krise?

In Nepal herrscht derzeit ein strenger Lockdown. Die Anzahl der COVID-19-Fälle steigt stetig an. Unser Gesundheitssystem ist nicht so fortschrittlich wie das europäische. Wir hoffen daher, dass wir die Lage im Griff behalten. Ich arbeite derzeit von zu Hause aus und verbringe mehr Zeit mit meiner Familie. In meiner Freizeit sehe ich mir Onlineseminare zu verschiedenen Themen wie Projektmanagement, Führungskompetenzen, Architektur oder Klimawandel an. Vor Kurzem habe ich eine Forschungsarbeit über den Wiederaufbau von Kulturdenkmälern nach Erdbeben fertiggestellt, die ich Ende dieses Jahres im Rahmen einer wissenschaftlichen Konferenz vorstellen möchte. Positiv und aktiv zu bleiben ist in Krisenzeiten überlebenswichtig.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Momentan arbeite ich von zu Hause aus und erledige meine Aufgaben wenn möglich online. Ich bereite Bauzeichnungen von Gebäuden vor, die 2015 während des Erdbebens beschädigt wurden, erstelle Baukostenkalkulationen und erarbeite die technische Konstruktion. Diese Aufgaben kann ich auf meinem Laptop durchführen und digital einreichen. Andere Aufgaben wie die Beaufsichtigung vor Ort oder das Vermessen von Gebäuden und Infrastrukturen liegen derzeit aufgrund der Reisebeschränkungen vollkommen brach. Eine digitale Lösung gibt es in diesem Fall nicht. Im Büro arbeite ich wesentlich produktiver als zu Hause.

Engagieren Sie sich auch im Rahmen sozialer Initiativen?

Ja, ich bin im Deutschland-Alumni-Verein sehr aktiv. Wir verabreden uns regelmäßig online über Skype, um uns über unsere gesundheitliche Situation und derzeitigen Tätigkeiten auszutauschen. Darüber hinaus arbeite ich für die nepalesisch-deutsche Vereinigung für Akademiker (Nepal German Academic Association, NEGAAS), die drei Initiativen für den Kampf gegen das Coronavirus ins Leben gerufen hat. Die erste Initiative war eine interne Spendensammlung zum Kauf von Lebensmitteln und medizinischen Hilfsgütern für Bedürftige, die von der Krise besonders betroffen sind. Das zweite Projekt ist ein neues Pilotprogramm zur Förderung der digitalen Bildung in Nepal: Aufgrund des Lockdowns finden die meisten Lehrveranstaltungen an den Universitäten online statt. Wir unterstützen jetzt die Master-Studenten der Tribhuvan-Universität in Nepal, die Probleme hatten, an ihren Lehrveranstaltungen teilzunehmen, da sie sich zusätzliche Datenpakete oder 4G-Zugang kaufen mussten. Mit unserer dritten Initiative unterstützen wir ein Waisenhaus in der Nähe, in dem durch den Lockdown die Lebensmittelversorgung knapp geworden war. Ein Mitglied unseres Alumnivereins hat den Kontakt zu einer Stiftung hergestellt, die das Waisenhaus 15 Tage lang mit Nahrungsmitteln belieferte.

Interview: Marlene Thiele

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Juli 2020

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