Im Leben ist das Glas vielleicht nicht immer voll, aber ein halb volles Glas gepaart mit etwas Hoffnung ist perfekt.

Ahmed Al-Kebsi ist DAAD-Alumnus aus dem Jemen und lebt zurzeit in Irbid (Jordanien), wo er sein Studium im Bereich Wassermanagement und Umwelttechnik abschließt. Im letzten Interview für das Alumniportal gab er sich trotz aller Schwierigkeiten, mit denen er zu kämpfen hatte, optimistisch. Wir haben gefragt, ob das Glas aus seiner Sicht immer noch halb voll ist.

Ahmed, wie ist die aktuelle Situation im Jemen? In den Medien kommt das Land, wahrscheinlich aufgrund der Pandemie, derzeit kaum vor. Herrschen in deiner Heimat immer noch Krieg und eine humanitäre Krise?

Der Jemen hat während der Corona-Wellen sehr schwere Zeiten durchlebt. Die offiziellen Zahlen sind weit entfernt von der erschreckenden Realität. Zurzeit ist die Pandemiesituation etwas besser, weil Sommer ist und zwei Millionen Impfdosen von UNICEF und der WHO eingetroffen sind. Der fast vergessene Krieg hat aber nie aufgehört, jeden Tag sterben Menschen. Saudi-Arabien blockiert immer noch die Flughäfen und Häfen, und das Land erlebt eine der schlimmsten humanitären Krisen der Welt.

Wie geht es deiner Familie und deinen Freunden?

Meiner Familie und meinen Freunden geht es gut, danke. Allerdings habe ich im Krieg meinen Onkel, meine Cousins und viele gute Freunde verloren. Die Situation ist allgemein schwierig, da die Wirtschaft zusammengebrochen ist und leider viele meiner Freunde arbeitslos geworden sind.

Letztes Jahr hast du gesagt, dass die Krise der richtige Zeitpunkt sei, zusammenzustehen, und hast die Hoffnung ausgedrückt, dass die Welt das schnell überstehen werde. Siehst du Anzeichen dafür? Ist das Glas deiner Meinung nach immer noch halb voll?

Obwohl einige Länder verantwortungslos gehandelt haben, würde ich sagen: ja. Die Zusammenarbeit zwischen Ländern – insbesondere wenn ein bestimmtes Land sehr hohe Fallzahlen hatte – zeigt, dass alle gemeinsam gegen die Pandemie kämpfen. Dafür spricht auch die Bereitstellung von Ausrüstung und Impfstoffen. Sogar im Jemen teilten Menschen aus verschiedenen Konfliktparteien verfügbare Ressourcen im Gesundheitswesen und unternehmen gemeinsame Anstrengungen.

Ich hoffe, dass Politikerinnen und Politiker dem folgen und gemeinsam gegen Ignoranz, Armut, Korruption und andere echte Feinde kämpfen werden. Ich denke, dass die Coronakrise bald vorüber sein wird, doch die Welt muss sich auf die nächsten Herausforderungen einstellen. Dazu müssen mehr Zeit und Ressourcen für Forschung und Wissenschaft bereitgestellt werden. Im Leben ist das Glas vielleicht nicht immer voll, aber ein halb volles Glas gepaart mit etwas Hoffnung ist perfekt.

Möchtest du uns deine Pläne für die Zeit nach deinem Abschluss in diesem Jahr verraten?

Ich wollte schon immer ein kleines Unternehmen oder eine lokale Organisation im Jemen gründen, aber in der jetzigen Lage ist es sehr schwer, dort etwas aufzubauen. Außerdem möchte ich, dass meine Tochter eine gute Ausbildung bekommt, die ihr der Jemen derzeit nicht bieten kann. Deshalb suche ich nach einer Arbeits- oder Promotionsstelle in Deutschland. Die Konkurrenz ist heftig, aber es gibt keine andere Alternative für mich. Bevor ich aber den nächsten Schritt gehe, möchte ich meine Familie besuchen, vorausgesetzt dass der Flughafen in Sanaa geöffnet wird.

Das Interview führte für das Alumniportal Deutschland: Admir Lleshi

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Juni 2021

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