Warum Forderungen nach einer nachhaltigen Welt keine Wunschträume sind

Wenn Historiker in einhundert Jahren die Corona-Pandemie Revue passieren lassen, werden sie an zwei unumstößlichen Fakten nicht vorbeikommen. Erstens hat die Pandemie in den Bereichen Gesundheit, Wohlbefinden, Lebensunterhalt und Bildung für bis dato ungeahnte Umwälzungen gesorgt. Zweitens ist in der Pandemie aber auch die Weltgemeinschaft enger zusammengerückt als je zuvor. Speerspitze der Bemühungen sind die Vereinten Nationen, die aktiv und sichtbar Initiativen wie die Global Education Coalition und die weltweite Impfkampagne vorantreiben. Die Weltorganisation nimmt sich vor allem der Schwächsten der Gesellschaft – Frauen und Kindern – an und schließt die digitale Lücke. Zum ersten Mal in der über 75-jährigen Geschichte der UN erkennt die Weltgemeinschaft an, dass ein Problem uns alle angeht, und zeigt den Willen zur lösungsorientierten Zusammenarbeit.

Einflussreiche Stimmen

Auf einem historischen Gipfel einigten sich 2015 alle 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen auf das gemeinsame Ziel, auf unserem Planeten die Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung zu schaffen. Die Resolution umfasste 17 Ziele, die als Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) bezeichnet werden und sich um „fünf P“ drehen: People, Planet, Partnership, Peace, Prosperity (Menschen, Planet, Partnerschaft, Frieden, Wohlstand). Der Planet und seine Bewohner bilden eine Einheit, und die Zukunft der Welt hängt vom Zusammenspiel der fünf P ab. Metaphorisch ließe sich sagen, dass wir Menschen die Mikrochips sind, die zusammen eine integrierte Schaltung bilden. Versagt eine einzelne Komponente, fällt die gesamte Schaltung aus.

Bildung ist der Schlüssel

Dreh- und Angelpunkt aller SDGs ist das Ziel, eine hochwertige Bildung und lebenslanges Lernen zu gewährleisten. Die junge Generation, ganz gleich aus welcher Gemeinschaft, soll mit Empathie, Bürgersinn und einer globalen Perspektive basierend auf dem Prinzip „Wohlstand für alle“ den Weg in die Zukunft weisen.

Ein Ansatzpunkt, der uns diesem Ziel näherbringt, wäre, die Handlungsfähigkeit im Bildungsbereich und das selbstgesteuerte Lernen zu fördern. Studierende müssen mehr kommunizieren, sowohl untereinander als auch mit ihren Lehrkräften und der Gesellschaft, um ihre Ausbildung zu reflektieren, die Zusammenarbeit zu intensivieren und einander mehr wertzuschätzen. Mit akademischen Austauschprogrammen, dem Erwerb kultureller Kompetenzen und ehrenamtlichen Tätigkeiten begeben sich Studierende auf eine lebenslange Bildungsreise. Kürzlich interviewte ich eine junge Frau, die das Thema so zusammenfasste: „Jugendliche als Pioniere des Wandels können zusammenarbeiten und eine wichtige Rolle dabei spielen, Gesellschaften näher zusammenzubringen und widerstandsfähiger zu machen.“ So beschrieb es die 16-jährige Jugendaktivistin und Sportjournalistin Ananya Kamboj aus dem indischen Chandigarh. Zentrale Bedeutung komme dabei den sozialen Medien zu, so Kamboj weiter, da sie jungen Menschen die Möglichkeit böten, sich für gesellschaftliche Veränderungen hin zu einer friedlichen, gesünderen und nachhaltigen Zukunft stark zu machen.

Bildung war schon immer wichtig, doch heute spielt sie eine bedeutsamere Rolle denn je: als wichtigster Indikator für nachhaltige Gesellschaften. Erfolg wird sich dort einstellen, wo höheren kognitiven, sozio-emotionalen und digitalen Kompetenzen der Primat eingeräumt wird. Die Erfüllung der SDGs durch progressives Denken, Design und Monitoring setzt Expertenwissen, Technologie, Zusammenarbeit, Finanzierung und ein entschlossenes Handeln aller Staaten voraus.

Die Hoffnung ruht auf dem Potenzial der Jugend

Zurzeit sind wir allerdings weit davon entfernt, die SDGs zu erfüllen. Stattdessen beobachten wir Folgendes: Während einige Chancen haben, verarmen andere. Dies bringt Gesellschaften aus dem Gleichgewicht und sorgt für Spannungen. Wie können wir behaupten, unsere Gesellschaft sei zivilisiert und prosperierend, wenn ein großer Teil der Weltbevölkerung weiterhin arm ist, Hunger leidet, keinen Zugang zu sauberem Wasser hat und ohne Strom auskommen muss? Wie können wir uns trotz des rasanten Klimawandels über Wasser halten? Wie können wir den Frieden sichern, ohne Vielfalt und Inklusion zu fördern? Die Zukunft der Welt hängt davon ab, ob wir auf diese Fragen richtige Antworten finden. Die Hoffnung ruht auf dem Potenzial der Jugend. Sie ist gut vernetzt, höchst sensibilisiert für Ungerechtigkeiten und positiv eingestellt gegenüber Diversität und Inklusion. Die Jugend bildet eine Community über Staatsgrenzen hinweg, und sie kann Einfluss auf die Politik und deren Maßnahmen nehmen.

Wir können darauf vertrauen, dass diese junge, schwungvolle Community den technischen Fortschritt zum Wohl aller einsetzen wird. Wie dies gehen kann, zeigt Danielle Wood, Professorin am MIT Media Lab. Ihr großes Ziel ist es, das Leben aller Menschen zu verbessern. In ihrem TED-Talk „Six space technologies we can use to improve life on Earth“ (Sechs Weltraumtechnologien, mit denen wir das Leben auf der Erde verbessern können) erläutert sie, welches Potenzial für nachhaltige Entwicklung, Gesundheit und Bildung einige Technologien bergen. Ganz besonders hebt sie in diesem Zusammenhang die Bedeutung der künstlichen Intelligenz (KI) hervor. Schon heute hat KI massive Auswirkungen. Die Wissenschaft hat über einhundert Anwendungsfälle ausgemacht, in denen KI dazu beitragen kann, globale Ziele zu erreichen, etwa in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Ernährung, Kampf gegen den Menschenhandel, Klimaprognosen und Prävention von Gewaltverbrechen gegen Frauen.

Die neue Weltordnung verlangt Partnern die Bereitschaft ab, Ressourcen zu teilen, soziale Beziehungen über Nationalitäten hinaus zu knüpfen sowie gemeinsame Werte und Ziele zu vertreten. Um soziale Brüche zu verhindern und unsere Anliegen in die Tat umzusetzen, müssen wir auf soziale Ausgewogenheit, Kooperation und Chancengleichheit hinarbeiten. Das einzige Heilmittel gegen soziale Verzerrungen ist eine dynamische Wirtschaft, angetrieben durch eine sozial gerechte Politik, starke demokratische Institutionen, eine gemeinsame Wertebasis und chancengerechte Bildungsmechanismen.

Wer ist Ashok Pandey?

Dr. Ashok Pandey – von Forbes India auf der Liste der 100 besten Personalmanager geführt – ist Direktor der Ahlcon International School in Delhi (Indien), an der er bis 2019 bereits als Principal eine leitende Funktion innehatte. Er ist Autor zahlreicher Artikel und Forschungsarbeiten und veröffentlichte 2019 sein drittes Buch, das den Titel „Launch your Inspiring Principal Leadership“ trägt.

Als Alumnus des Goethe-Instituts sowie Schulleiter und Mitbegründer der PASCH-Schulen vertrat er anlässlich des fünften und zehnten Jahrestags der Gründung der PASCH-Initiative sein Heimatland Indien bei den Jubiläumsfeierlichkeiten in München.

Für seine herausragenden Leistungen im Bildungswesen wurde Ashok Pandey mit dem Präsidentenorden (Rashtrapati Award) der Republik Indien ausgezeichnet. Er engagiert sich aktiv für den interreligiösen Dialog und in der Friedensbewegung. So war er Teilnehmer an der Global Peace Convention 2019 in Seoul (Südkorea), am UN Global Festival for Action zur Durchsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) 2018 in Bonn sowie am indisch-australischen Dialog 2017 in Melbourne. Ashok Pandey ist Mitglied im Verwaltungsgremium des indischen Rates für Lehrerausbildung (National Council for Teacher Education , NCTE).

Bild: privat

Sprechen wir über die Ziele für nachhaltige Entwicklung!

Hier sind einige Ideen, wie wir auf die SDGs zuarbeiten können:

1. Bekanntheitsgrad der SDGs steigern.
2. SDGs im Lehrplan von Bildungseinrichtungen verankern.
3. Handlungsfähigkeit von Studierenden fördern.
4. Influencer, politische Entscheidungsträger und religiöse Oberhäupter zur Diskussion einladen.
5. Fokus auf Chancengleichheit, Inklusion und Gerechtigkeit durch partnerschaftliche Zusammenarbeit richten.

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Juni 2021

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