Meine Nachhaltigkeitschallenge: Zwei Tage offline

Unser Gastautor Gabriel Kombassere hat sich selbst herausgefordert und als Nachhaltigkeitschallenge zwei Tage auf digitale Medien verzichtet. Für ihn war es eine positive Erfahrung, denn er hat damit nicht nur etwas für die Umwelt getan, sondern auch gemerkt, dass er viel konzentrierter arbeiten konnte. Und auch der Ausflug mit Freunden in den Tierpark Sababurg in Kassel war ein tolles Offline-Erlebnis.

Nachhaltigkeit ist für mich schon lange ein Thema. In meiner Heimat Burkina Faso engagiere ich mich gemeinsam mit Freunden für den Umweltschutz. In Deutschland verzichte ich ganz bewusst darauf, Plastiktüten zu nutzen. Nachdem in meinem Alumni-Netzwerk diskutiert wurde, eine Zeit lang auf digitale Medien zu verzichten, wollte ich das auch probieren. Denn eine digitale Abstinenz hilft nicht nur unserer mentalen Gesundheit, sondern auch der Umwelt. Der Zeitpunkt für diese Challenge war günstig: Anfang März bin ich von Gießen nach Kassel gefahren, um dort Verwandte zu besuchen. Ich nahm mir vor, an einem Wochenende in Kassel keine digitalen Medien zu nutzen.

Konzentriert lesen ohne Ablenkung durch Nachrichten

Als ich mich entschieden habe, an der Challenge teilzunehmen, war ich dabei, für mein Studium einen Vortrag zur deutschen Geschichte vorzubereiten. Statt im Internet zu recherchieren, kaufte ich mir zwei Bücher über den deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck – natürlich in einer recycelbaren Verpackung. Ohne Ablenkung durch digitale Medien schaffte ich es in Kassel tatsächlich, 211 Seiten zu lesen. Erst dadurch wurde mir klar, wie störend es sein kann, wenn ständig Messenger-Nachrichten oder WhatsApp-Meldungen auf dem Smartphone aufploppen. Und wie sehr es der Konzentration schadet. Deshalb fällt es mir manchmal schwer, E-Bücher zu lesen.

Vorbild für Kinder sein

Trotzdem war die Challenge natürlich eine Herausforderung. Geholfen hat mir, dass ich an dem Wochenende ohne digitale Medien bei Verwandten wohnte, die grundsätzlich versuchen, nicht ständig online zu sein. Sie haben einen einjährigen Sohn und möchten nicht, dass er später zu viel am Handy hängt. „Deshalb wollen wir Vorbilder für ihn sein“, sagte mir die Mutter. Gemeinsam sind wir ganz „analog” in den Kasseler Tierpark Sababurg gegangen. Das war ein sehr schönes Erlebnis, denn wir haben viele verschiedene Tiere gesehen und konnten Schweine und Wildpferde füttern.

Meine Lehre aus der Challenge: Gemeinsam mit anderen etwas zu unternehmen, macht einfach viel mehr Spaß, als über digitale Medien miteinander zu kommunizieren.

Real statt digital: Engagement in Burkina Faso

Zusammen mit Freunden kann man auch viele sinnvolle Aktionen anstoßen. In Burkina Faso engagiere ich mich seit einigen Jahren in einer Gemeinschaft von Nachwuchsautor:innen und anderen ehrenamtlich aktiven jungen Leuten für den Umweltschutz. 2018 haben wir zum Beispiel den größten Park der Hauptstadt Ouagadougou, den Park Bangreweogo, saubergemacht. Dadurch wollten wir das Bewusstsein der Besucher für umweltfreundliches Verhalten schärfen. Unsere Gruppe hat einen eigenen Social-Media-Auftritt, denn wir wollen auch in Zukunft Umweltprojekte starten, selbst wenn wir nicht alle vor Ort sind. Wir können etwas tun, egal wo wir sind.

Ich selbst möchte in meiner Freizeit weiter möglichst nachhaltig leben und auch an nachhaltigen Projekten teilnehmen. Nach meiner Challenge wurde ich allerdings erst einmal ausgebremst: Einige Tage nach meinem Selbstversuch ohne digitale Medien wurde ich positiv auf Corona getestet und musste in Isolation. Ich muss zugeben, dass ich in der Situation froh war, mit meinen Freunden über soziale Medien kommunizieren zu können.

Autor: Gabriel Kombassere

Beiträge externer Autor:innen geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Wie hilft Digital Detox der Umwelt?

Ob Smartphone, Laptop oder Tablet - ständig haben wir diese Geräte in Gebrauch. Morgens werden wir von unserem Smartphone geweckt, wir schreiben und telefonieren mit Freundinnen und Freunden, wir schauen nach dem Wetter, wir suchen die nächste Bus- oder Bahnverbindung, machen Online-Banking und hören Musik oder Podcast. Zum Arbeiten benötigen wir den Laptop und abends werden Filme oder Serien gestreamt. Die Digitalisierung hat sehr viele Vorteile, jedoch benötigen wir dafür sehr viel Strom. Dieser Energieverbrauch hat Konsequenzen für unsere Umwelt. Insbesondere bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe zur Energiegewinnung werden schädliche Treibhausgase freigesetzt. Durch Digital Detox sparen wir also Energie und leisten so einen kleinen Beitrag für die Umwelt.

ÜBER DEN AUTOR UND ALUMNUS

  • Gabriel Kombassere Gabriel Kombassere

Gabriel Kombassere, 24, ist Germanist. Er hat einen Bachelor in seinem Heimatland Burkina Faso abgelegt und belegt jetzt einen Masterstudiengang Literatur und Landeskunde. Als DAAD-Stipendiat des Programms Master of Arts German studies verbringt Gabriel das Wintersemester 2021/2022 an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Er ist freier Journalist und Autor von Kurzgeschichten und Dramen. Gabriel Kombassere schreibt für das Alumniportal Deutschland und ist Berater einer Studentenzeitschrift in Ouagadougou.

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Mai 2022

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