Nachhaltiger Kaffee von selbstbestimmten Frauen

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Sonnentrocknung der Kaffeebohnen
Sonnentrocknung der Kaffebohnen © Denyse K. Uwera

Von der Saat bis zur Röstung und Verpackung: Der mehrfach ausgezeichnete ruandische Spezialitätenkaffee wird ausschließlich von Frauen produziert. Mitbegründer des Fairtrade-Projekts ist Allan Mubiru, Alumnus des Internationalen Klimaschutzstipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung. Zur Markteinführung im Jahr 2018 startete der Ökonom und Experte für Klimafinanzierung eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne.

Aromatische Arabica-Bohnen aus den Bergen Ruandas, handgepflückt, mit einer sanften Beerennote – und viel Frauenpower. Angelique’s Finest wird ausschließlich von ruandischen Kleinbäuerinnen angebaut, die sich in Kooperativen organisiert haben. Das Besondere dabei ist: Die Bäuerinnen sind im Besitz der Markenrechte und können damit über die gesamte Wertschöpfungskette bestimmen. Das hat zahlreiche Vorteile: „Im Vergleich zum konventionellen Kaffeehandel verdienen bei unserem Modell die Bäuerinnen 55 Prozent mehr als üblich“, erklärt Mitbegründer der Initiative Allan Mubiru. „Sie sind unabhängig von den großen Kaffeeherstellern, Zwischenhändlern und dem schwankenden Weltmarktpreis für Rohkaffee.“

Gelungenes Crowdfunding

Zur Einführung des Produkts auf dem deutschen Markt im Jahr 2018 nutzte Mubiru die Möglichkeit des Crowdfundings. Über eine Online-Plattform und Social Media machte er mit Fotos, einem Blog, Videos und zahlreichen Informationen auf das deutsch-ruandische Projekt aufmerksam. Damit begeisterte er zahlreiche Kaffeeliebhaber:innen für den Fair-Chain-Ansatz, der mittlerweile mit einem QR-Code auf jeder Verpackung per Blockchain-System nachzuvollziehen ist. „Innerhalb von vier Monaten wollten wir 50.000 Euro für die Vorfinanzierung von 2.000 Kilogramm Kaffee und dessen Import nach Deutschland erzielen – und am Ende hatten wir sogar mehr erreicht!“, erinnert sich Mubiru. „Als Dankeschön haben die Unterstützer:innen von uns eine entsprechende Menge an Angelique’s Finest erhalten.“

Ein gutes Startkapital und effiziente Werbung für das Social Business Start-up: Mittlerweile ist Angelique’s Finest auch in Online-Stores deutscher Supermärkte erhältlich. 2018 vermarktete das Unternehmen 6.600 Kilo Kaffee- und Espressobohnen – und im Jahr 2020 bereits über 15.000 Kilo des Produkts. „Unser aktuelles Ziel ist es, rund 50.000 Kilo zu exportieren“, sagt Mubiru. „Das sind 50 Prozent der Bohnen, die von den Frauen geerntet werden. Die anderen 50 Prozent verkaufen wir aktuell noch für wenig Geld als Rohkaffee an die großen internationalen Kaffeehersteller.“ Das soll sich jedoch bereits in naher Zukunft ändern: „Nächstes Jahr wollen wir 100 Prozent des Kaffees der Frauenkooperative selbst vertreiben.“

Mit dem Schiff nach Hamburg zum Rösten

Schon heute stärkt das Projekt die finanzielle Unabhängigkeit, aber auch die gesellschaftliche Teilhabe der rund 1.800 Bäuerinnen: „Frauen sind für die Aussaat, die Pflege der Pflanzen und die Ernte verantwortlich, finanziell und strukturell profitieren allerdings üblicherweise die Männer vom Handel mit den Bohnen“, sagt Mubiru. „Zudem ist ein Großteil der Anbaufläche im Besitz von Männern.“ Angelique’s Finest wirkt dieser Ungerechtigkeit entgegen: Die Produzentinnen führen nicht nur beim Anbau Regie, sondern haben auch die Röstung und Vermarktung der Bohnen selbst in der Hand.

Das Veredeln der Kaffeekirschen hat die Kaffee-Kooperative mittlerweile allerdings an Röstmeisterinnen aus Hamburg übergeben. „Um nicht an Aroma zu verlieren, muss das fertige Produkt nach dem Rösten möglichst schnell in den Handel“, erklärt Mubiru. „Da wir aus finanziellen Gründen, aber auch zum Schutz der Umwelt die Bohnen nicht mit dem Flugzeug, sondern per Schiff von Ruanda nach Deutschland transportieren, haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen.“ Nachhaltigkeit spielt auch beim Anbau eine bedeutende Rolle: „Die Pflanzen wachsen in Mischkulturen nach dem Permakulturprinzip“, so Mubiru. „Das wirkt sich beispielsweise auf die Artenvielfalt positiv aus.“

Demokratisch organisierte Kaffee-Kooperativen

Die Idee zu Angelique’s Finest entwickelte er während seines Internationalen Klimaschutzstipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung in Berlin, wo er bei der Non-Profit-Organisation atmosfair beschäftigt war. „Gemeinsam mit meinem Kollegen reiste ich damals für Klimaschutzprojekte mehrmals nach Ruanda“, erinnert er sich. „Als Geschenk für unsere Freundinnen und Freunde in Berlin haben wir immer einen ursprünglichen Kaffee mitgebracht. Daraus entstand der Gedanke, Kaffeebäuerinnen und -bauern einen direkten Zugang zum deutschen Kaffeemarkt zu ermöglichen, sodass sie auch am fertigen Produkt selbstbestimmt teilhaben können.“

Zurück in Ruanda gründete er gemeinsam mit seinem Kollegen Xaver Kitzinger von atmosfair die Kaffee Kooperative Kaffeekoop GmbH. Partner von Kaffeekoop ist das Unternehmen Rwashoscco, das im Besitz von sechs ruandischen Bauernkooperativen ist. „Die Kooperativen haben damals schon in Ruanda existiert“, erklärt Mubiru. „Jede Kooperative verfügt über einen Frauenverband für die weiblichen Mitglieder, die nun Angelique's Finest produzieren.“ Kaffeekoop ist für das Marketing auf dem deutschen Markt verantwortlich und hat die Crowdfunding-Kampagne organisiert. „Die Marke Angelique’s Finest haben wir gemeinsam mit Rwashoscco entwickelt, mittlerweile haben die Kaffeebäuerinnen über Rwashoscco die gesamten Rechte inne“, sagt Mubiru. „Zudem ist die Geschäftsführerin von Rwashoscco, Angelique Karekezi, Namenspatin des Spezialitätenkaffees.“

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