Wie uns der Klimawandel krank macht

  • 2022-09-16
  • Gastbeitrag von Alumnus Komlan Godfried Amouzou
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SDG Ziel 13: Maßnahmen zum Klimaschutz
SDG Ziel 3: Gesundheit und Wohlergehen

© Getty Images/piyaset

Über den Klimawandel wird viel diskutiert. Man kann jedoch den Eindruck gewinnen, dass manche das Thema eher nebensächlich, belanglos oder sogar nervig finden. Dabei geht es jeden und jede an, egal, wo er oder sie lebt oder welchen sozialen Status eine Person hat. Das betrifft insbesondere die gesundheitlichen Aspekte des Klimawandels. Denn die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Gesundheit werden immer deutlicher. Das zeigt die aktuelle medizinische Forschung.

Ob das Hochwasser 2021 im Ahrtal in Deutschland, die verheerenden Waldbrände in mehreren europäischen Ländern in diesem Jahr oder Dürren und massive Überschwemmungen weltweit: Extreme Wetterphänomene sind keine isolierten Vorfälle. Der kann als gemeinsame Ursache nicht ausgeschlossen werden. Inzwischen ist auch klar, dass die klimatischen Veränderungen sich negativ auf die Gesundheit der Menschen auswirken – und zwar unabhängig davon, wo sie leben und welchen sozialen Status sie haben. 

In Deutschland forderte eine Hitzeperiode im Jahr 2003 nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) etwa 7.500 Todesopfer. Sie verursachte außerdem zahlreiche hitzebedingte Krankheitsfälle aufgrund von Dehydrierung, Hitzeschlag und Herz- und Kreislauferkrankungen.

Im australischen Bundesstaat Victoria löste ein ungewöhnlich starkes Gewitter 2016 einen Gesundheitsnotstand aus. In , der Hauptstadt Victorias, und seiner Umgebung mussten an nur zwei Tagen 8.500 Personen wegen Atemproblemen in Kliniken behandelt werden. Mehrere Menschen starben. Sie litten unter sogenanntem Gewitterasthma (Thunderstorm asthma), das durch einen erhöhten Pollenflug während eines Sturms verursacht wird, sowie durch die Tatsache, dass die Pollen durch den Gewitterregen zum Platzen gebracht werden.  

Welche gesundheitlichen Folgen des Klimawandels sind bereits bekannt?

Der Klimawandel kann unsere Gesundheit direkt oder indirekt beeinflussen. Nicht nur die von ihm begünstigten sind für unser Leben und unsere Gesundheit gefährlich. Viele zeigen, dass der Klimawandel auch für soziale und psychische Belastungen verantwortlich ist. Phänomene wie Extremhitze, Stürme, Erdrutsche oder Starkregen können Angstzustände, Depressionen oder Stress erzeugen und die mentale Gesundheit der Betroffenen negativ verändern.

Mit der fortschreitenden Erwärmung der Erde nehmen die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels logischerweise zu. Das berichten mehrere wissenschaftliche Institutionen im Fachmagazin „The Lancet“. Besonders gefährdet sind Diabetiker, Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronischen Atemwegserkrankungen, Kleinkinder, ältere Menschen sowie mehrfach erkrankte Personen. So nimmt etwa die Zahl der Senioren zu, die in Zusammenhang mit Hitzewellen sterben. Außerdem lösen die Veränderungen der Wetterbedingungen Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus und begünstigen die Ausbreitung von Krankheitserregern, Infektionskrankheiten sowie von Allergien. 

Dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge werden beispielsweise durch Zecken und Mücken verstärkt Viren und andere Erreger übertragen. Da das wärmere Wetter zu einer Verlängerung der Pollenflugsaison führt, sind auch Allergiker mehr belastet. Zusätzlich zählen Flüssigkeitsmangel und eine Zunahme des Hautkrebsrisikos zu den gesundheitlichen Folgen der Hitzewellen. 

Der Klimawandel führt auch zu Dürrephasen, die Ernten in vielen Regionen zunichtemachen und somit Hungersnöte oder Mangelernährung nach sich ziehen. Davon sind vor allem Länder des Globalen Südens betroffen. Solche indirekten Auswirkungen des Klimawandels verstärken ohnehin schon vorhandene soziale Ungleichheiten, was wiederum zu mehr gesundheitlicher Ungleichheit führt. 
 

Ist ein Ausweg in Sicht?

Leider zeigen Prognosen, dass das Schlimmste noch bevorsteht. Die Erdatmosphäre erwärmt sich kontinuierlich, wie eine Grafik von Statista, einer deutschen Online-Plattform für Statistik, auf Basis von Daten der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa zeigt: Im Juni 2020 lag die Durchschnittstemperatur um 2,08 °C über dem Jahresdurchschnittswert der Referenzperiode von 1980 bis 2015. Erwartet werden weitere extreme Wetterereignisse. Zusätzlich könnte der Klimawandel die Ausbreitung potenziell verheerender Virentypen begünstigen. Das ist die Erkenntnis einer neuen Studie, die von Forschenden mehrerer Universitäten durchgeführt und im Fachmagazin “Nature” veröffentlicht wurde. Der Klimawandel ist demnach die größte Gesundheitsgefahr. Jede weitere Erderwärmung wird schwerwiegende Folgen für das Leben und die Gesundheit der Menschen haben.

Viele Folgen des Klimawandels sind leider bereits irreversibel. Dennoch kann das Ausmaß der Veränderungen eingedämmt werden, denn menschliche Aktivitäten haben den Klimawandel verursacht und verschärfen ihn weiterhin. Wenn wir unsere Lebensweise ändern, können wir den Entwicklungen etwas entgegensetzen. Dabei sind nicht nur Maßnahmenpakete von Regierungen oder Organisationen von Bedeutung. Jede einzelne Weltbürgerin und jeder einzelne Weltbürger kann etwas zur Verminderung von Treibhausgasemissionen beitragen.
 

Mit der Kennzeichnung „Gastbeitrag“ weisen wir darauf hin, dass die Verfasserin bzw. der Verfasser nicht Mitglied unserer Redaktion ist. Gastbeiträge stammen in der Regel von Alumni und Alumnae aus unserer Community und enthalten gegebenenfalls persönliche Meinungen. Diese müssen nicht immer mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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Kommentare

  • „Interkulturellle Forschung interesoert mir sehr. Gibt es doch ein Institut in Berlin ? Adresse ?“

    Raúl Paramo - Ortega, 29.09.2022

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