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Abwarten und Tee trinken

Deutschland gilt nicht als reine Tee-Trinker-Nation. In der Tat ist der Kaffeeverbrauch um ein Vielfaches höher als der Teeverbrauch. Vor allem schwarzer Tee wird immer beliebter und die an der Nordseeküste lebenden Ostfriesen sind sogar die Weltmeister im Tee-Trinken.

Es hat lange gedauert, bis der Tee nach Deutschland kam. Dann aber kräftig: 100 Tassen Tee am Tag empfahl zum Beispiel der Leibarzt des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg im 17. Jahrhundert. Nur der Adel konnte sich das Luxusgut kaufen. Es kam als grüner Tee nach einer achtmonatigen Schiffsreise nach Deutschland und war entsprechend teuer. Heutzutage verläuft der Transport natürlich bedeutend schneller und Tee ist für jedermann erschwinglich. Weltmeister im Tee-Trinken sind die Ostfriesen mit 290 Litern Tee im Jahr – die deutschen Küstenbewohner liegen damit weit vor den Traditionstrinkern aus England und Irland. Der deutsche Durchschnittsverbrauch liegt bei 26 Litern im Jahr – Tendenz steigend. Der Kaffeeverbrauch hingegen erreicht ganz andere Werte: 165 Liter im Jahr – das sind etwa vier Tassen täglich für jeden Einwohner vom Baby bis zum Greis.

Woher kommen die Tees? 

Der bekannteste und meist verkaufte ist der Schwarze Tee, der durch Trocknen der Blätter, Ausrollen und Oxidation entsteht. Die Anbaugebiete für die kräftige Ostfriesenmischung etwa sind Sri Lanka (Ceylon), Assam im Osten Indiens und die Region die Stadt Darjeeling am Fuße des Himalayas. Es ist eines der berühmtesten Tee-Anbaugebiete der Welt. Aus Indien stammen auch viele Grüne Tees, der ursprünglich aber aus China kommt. Aus Indien kommen, neben Japan, die meisten Sorten. Eine Besonderheit ist der Weiße Tee, der in Südchina, Sri Lanka und Kenia angebaut wird. Er wird aus den noch ungeöffneten Blattknospen an den Spitzen des Teestrauchtriebs gewonnen. Sie sind von einem silbrig-weißen Flaum umgeben. Der Tee ist sehr wertvoll – 30.000 Blattknospen ergeben ein Kilogramm Tee. Der Rooibus- oder auch Rotbusch-Tee wächst ausschließlich auf den Hügeln am Kap Südafrikas. Die nadelähnlichen Blätter des Rotbuschs werden einmal jährlich geerntet, zerkleinert, fermentiert und in der Sonne getrocknet. Dieser Tee enthält viele Vitamine, Mineralien und Spurenelemente und ist koffeinfrei.

Auch Deutschland hat eine Teezeremonie

Nicht nur die Japaner zelebrieren die Zubereitung von Tee. Während in Japan allerdings das Ritual der Zubereitung einen eigenen Wert hat, geht es in Deutschland darum, einen optimalen Geschmack zu bekommen. In beiden Kulturen gilt jedoch: Teezubereitung braucht Zeit. Nach ostfriesischem Brauch kommt erst Tee in die Kanne. Etwa 20 Gramm pro Liter sind ein Minimum. Man rechnet auch einen Löffel pro Tasse und einen für die Kanne. Das heiße Wasser - der Aufgruss - soll die Blätter gerade bedecken. Dann drei bis fünf Minuten ziehen lassen. Jetzt wird die Kanne mit heißem (nicht mit kochendem) Wasser aufgefüllt. Anschließend füllt man den Tee durch ein Sieb in eine vorgewärmte Servierkanne. Erst werden Kluntjes (weißer Kandiszucker) in die Tasse gegeben, dann gießt man den Tee ein: Wenn der Zucker sich zersetzt, kann man ein leichtes Knistern hören. In die volle Tasse wird dann ein Löffel Sahne langsam vom Rand her eingefüllt. So entstehen „Wulkje“ – weiße Wolken. In Ostfriesland wird der Tee nicht umgerührt. Die Sahne wird links herum, also gegen den Uhrzeigersinn, eingetröpfelt. So bleibt die Zeit stehen, sagen die Ostfriesen – eine schöne Vorstellung, denn zum Teetrinken sollte man sich Zeit nehmen!

Wie ist das in Ihrem Land? Wird viel Tee getrunken, oder eher ein anderes Getränk? Welche Teesorten sind besonders beliebt? Gibt es eine bestimmte Zeremonie bei der Zubereitung? Teilen Sie Ihre Geschichten mit uns in der Community-Gruppe KULTUR-CULTURE!

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September 2011

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Kommentare

Natalya Klementjeva
2. Februar 2012

In Kasachstan trinkt man beliebter Tee als Kaffee. Das ist meistens ein schwarzer Tee mit Milch oder mit Sannne. es schmeckt immer gut und richt auch sehr lecker. Es gibt verschiedene Sorten, aber meiner Meinung nach ist der geblätterte schwarze ceylonische Tee der beste. Den Tee trinkt man sowohl am Morgen, als auch am Abend. zuerst gießt man Milch in die Tasse ein und dann aufgegießten Tee. manche trinken Tee mit Zucker und mit süßen Keksen oder Torten.

Zongo Bourahima
11. November 2011

Unser Tee heißt The vert de Chine. Ein grüner Tee aus China. Er wird tagsüber getrunken in kleinen Gruppen. Er wird serviert meistens in drei Gläschen, die die Gäste unter sich verteilen. Das Zusammentrinken aus gleichen Gläschen ist ein Symbol dafür, dass die Menschen gleich sind und sich gegenseitig unterstützen würden...

Prakash Chitale
3. November 2011

Hier hat man das Teetrinken a la Ostfriesland beschrieben. In meinem Marathi Roman 'Mulkhawegla' (also der Fremde), der die Geschichte eines Inders in Deutschland von 1932 bis 1982 schildert, wird diese Tee-Zeremonie ausfuehrlich beschrieben. Die Hanldung findet ja hauptsaechlich in Emden statt.

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