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High-Tech in der Küche

Deutschland trinkt Kaffee. Seit mehr als 300 Jahren, jährlich im Schnitt 150 Liter. Das vergangene Jahrzehnt war nicht nur ein „Coffee-to go-Jahrzehnt“. Die Deutschen achten zunehmend auf Bohnen und Genuss.

Der Weg aus dem Bett führt immer mehr Deutsche nicht erst ins Bad, sondern in die Küche – um die Siebträgermaschine anzuschalten. 15 Minuten später ist deren Betriebstemperatur erreicht und die morgendliche Espresso-Zeremonie beginnt. Denn das Gerät, chromglänzend und oft mehrere hundert Euro teuer, verwandelt die Küche in ein Atelier für Kaffee-Künstler. Oder auch nicht. Denn viel lässt sich für das 25 ml-Endprodukt variieren: Kaffeesorte, Mahlgrad, der Druck im Siebträger, Pumpendruck, Wasserqualität.

Kaffee wird fair

Auch diejenigen unter Deutschlands Kaffeetrinkern, die nicht ganz so viel Geld für ein teures Gerät ausgeben wollen, und Stempelkanne (auch French Press genannt), Herdkanne und Filterkaffee die Treue halten, achten auf die Qualität der Bohnen. „Die Verbraucher wollen zunehmend wissen, woher ihr Produkt stammt, und wer dahinter steht.“ Das sagt Jörg Volkmann, Initiator von Coffee Hunting. So nennt sich ein kleines Netzwerk von Röstern und Handelsunternehmen, deren Ziel es ist, hochwertige Kaffees direkt einzukaufen. „Wir kennen die Produzenten selbst persönlich, besuchen sie regelmäßig, handeln mit ihnen faire Preise aus und unterstützen soziale und ökologische Aktivitäten.“ Volkmann erkennt in Deutschland einen deutlichen Trend „zu qualitativ hochwertigem, ökologisch und ethisch verantwortlichen Kaffee. Die Bedingungen in den Erzeugerländern sind dadurch deutlich mehr in den Mittelpunkt gerückt.“

Der Deutsche Kaffeeverband meldete für 2009 einen deutlichen Anstieg des Angebots von Kaffee aus ökologischem Anbau. So steht im Jahresbericht: „Honduras hat den Export kontinuierlich gesteigert und löste Mexiko als größten Exporteur von Kaffee aus ökologischem Anbau ab.“ Zu den größten Kaffeeproduzenten zählen Brasilien und Vietnam, gefolgt von Indonesien, Kolumbien, Indien, Mexiko und Guatemala.

Das Geheimnis der Röstung

 

Jede Anbauregion hat ihre eigenen Charakteristika. In einer Bohne stecken über 1.000 Aromen. Entscheidend für ihre Entfaltung sind Rösttemperatur und -dauer. Bei großen Herstellern sind zwei Minuten bei über 400 Grad üblich. Bei den kleinen Röstereien kann es bis zu einer halben Stunde bei etwa 200 Grad dauern. 300 Rösterei-Manufakturen gibt es mittlerweile in Deutschland. Carolin Maras und ihre Schwester Annika Poloczek von der „Black Pirate Coffee Crew“ helfen, hier den Überblick über die Bohnen-Mischungen zu bewahren. Sie testen diese Kaffees, stellen die Spezialitäten auf ihrer Internetseite vor und verkaufen sie. „Espresso verkauft sich doppelt so gut wie Kaffee, Bohnen drei Mal so gut wie gemahlener Kaffee“, sagt Carolin Maras. Und ganz nebenbei ist auch der Filterkaffee dabei, sein schlechtes Image abzulegen: „Der ist ebenso vielfältig wie Wein und Tee, es gibt eine richtige Filterkaffee-Kultur.“

Wie wird in Ihrem Land der Kaffee zubereitet? Gibt es bei Ihnen auch die Tendenz, der Zubereitung mehr Aufmerksamkeit zu schenken? Erzählen sie in Community, was man bei Ihnen für ein Verhältnis zum Kaffee hat.

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Mai 2011

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Kommentare

Avie Agoesman
5. Februar 2012

Aus meinem Land, Indonesien, kommen auch einige Kaffesorten in Deutschland. Zum Beispiel Kaffee aus Java, Sumatra und Toraja. Bei uns gibt es viele Kaffeeanbaugebieten, aber die meistens sind noch traditionell bewirtschaftet. Deswegen sind unsere Kaffeesorten nicht so viel exportiert worden, wie der Kaffee aus Vietnam. Man trinkt am liebsten Kaffee natur, ohne Kaffeemaschine und sogar ohne Kaffeefilter. Man giesst heisses Wasser auf den Kaffee, nimmt Milch und oder Zucker dazu und mischt alles. Wenn der Kaffee kuehler wird, bleibt der Kaffeeeinsatz unten.

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