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Deutschland – das Land der Kartoffel

In keinem Land der Europäischen Union werden so viele Kartoffeln angebaut wie in Deutschland. Jede Region hat ihr eigenes Kartoffelgericht. Wie kommt das? Wie kam die Kartoffel nach Deutschland und warum ist sie so beliebt?

Döppekooche, Hoorige Knepp, Knölla, Labskaus, Backesgrumbeere, mit Zwetschgen, mit Schweinebauch oder Corned Beef, als Suppe, Salat, Kuchen oder Auflauf, gekocht, gebraten, gequellt – die Kartoffel ist ungeheuer vielfältig. Es gibt eine unüberschaubare Menge an Rezepten. Ob in der Eifel oder in Thüringen, in Franken, der Pfalz, im Rheinland oder Erzgebirge: Es gibt wohl keine Region in Deutschland, die nicht über ihr eigenes, ganz besonderes Kartoffelrezept verfügt. Wie kommt das? Warum ist die Kartoffel in Deutschland so beliebt?

In keinem Land der Europäischen Union werden so viele Kartoffeln angebaut wie in Deutschland: Rund 11 Millionen Tonnen sind es pro Jahr. Das sind fast 20 Prozent der europäischen Ernte. Damit gehört Deutschland zu den zehn größten Kartoffelerzeugern der Welt.

Wozu wird die Kartoffel verwendet?

Die Kartoffel ist in erster Linie zum Essen da: Mehr als 70 Prozent der Kartoffeln werden in Deutschland als Nahrungsmittel verwendet. Und auch wenn der Pro-Kopf-Verbrauch der Deutschen seit Jahren sinkt: Im Vergleich zu Reis (etwa 5,5 Kilo pro Kopf) und Nudeln (etwa 8,1 Kilo pro Kopf) liegt die Kartoffel mit 57 Kilogramm, die durchschnittlich jeder Deutsche im Jahr isst, bei den sogenannten „Beilagen“ weit vorne. Allerdings fallen darunter auch Fertigprodukte wie Chips, Tiefkühlkost wie Pommes frites oder Reibekuchen und Trockenprodukte wie Püree- oder Kloßpulver.

In diesem Video zeigen fünf Studierende, wie Kartoffelpuffer zubereitet werden

Wie kam die Kartoffel nach Deutschland?

Weit verbreitet in Deutschland ist die Geschichte, wie Friedrich der Große seinen Untertanen zu ihrem „Kartoffelglück“ verhalf. Er war von 1740 bis 1772 König von Preußen und wird bis heute noch gerne der „Alte Fritz“ genannt. Es wird erzählt, dass der Preußenkönig einen Kartoffelacker von Soldaten umstellen ließ, um das scheinbar kostbare Gut streng zu schützen. Das erweckte die Neugier der bislang am Kartoffelanbau nicht interessierten Bauern der Gegend. Sie klauten die Kartoffeln und begannen, sie selbst anzubauen, so berichtet es jedenfalls die Legende.

Eine schöne Geschichte, auch wenn sie wohl nicht stimmt. Die braune Knolle fand deutlich früher ihren Weg ins Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Schon im Dreißigjährigen Krieg gelangte die ursprünglich in den Anden angebaute Kartoffel von Südamerika offenbar über die Niederlande nach Franken. Dort wurde sie bereits Mitte des 17. Jahrhunderts erfolgreich angebaut und startete ihren Eroberungszug in die Küchen der anderen Herzogtümer und der Preußen. Im Jahr 1746 erließ dann der Alte Fritz den ersten der berühmten „Kartoffelbefehle“: Seine Bauern mussten fortan mindestens einen Teil ihrer Felder mit Kartoffeln bepflanzen.

Auch wenn es noch Jahrzehnte dauern sollte: Die Kartoffel verbreitete sich im ganzen Land. Schon deshalb, weil sie sich auch auf schlechten oder steinigen Böden anbauen ließ. Der Ertrag pro Fläche war höher als bei Getreide. Und für die Ausbringung und Ernte der Kartoffeln waren keine besonderen Werkzeuge erforderlich.

Die Ausbreitung der Kartoffel half dabei, die Hungersnöte zu überwinden. Spätestens im 19. Jahrhundert hat sich die Kartoffel als wichtiges Grundnahrungsmittel der Deutschen etabliert. Dafür sind die Deutschen dem Alten Fritz noch immer dankbar: Bis heute legen Besucher zum Zeichen ihrer Verehrung Kartoffeln auf das Grab des Preußenkönigs am Schloss von Sanssouci in Potsdam. 

Lecker Kartoffelsalat! So wird er zubereitet

Was ist das Besondere an der Kartoffel?

Grumbeere, Erdapfel, Bodabira, Tüffel oder Knolle: Die Kartoffel erfreut sich einer ganzen Reihe von schönen Dialektbezeichnungen. Mehr als 360 Sorten werden in Deutschland angebaut. In ganz Europa sind sogar mehr als 1.600 Sorten verzeichnet.

Doch nicht nur die Vielfalt ihrer regionalen Namen und ihrer Sorten, sondern auch ihre Inhaltsstoffe machen die braune Knolle zu etwas Besonderem. Die durchschnittliche Speisekartoffel besteht zu fast 78 Prozent aus Wasser und enthält praktisch kein Fett. Daher hat sie auch nur wenige Kalorien. Dafür verfügt sie aber über viele Mineralstoffe und Vitamine: mit 17 Milligramm pro 100 Gramm hat sie sogar mehr Vitamin C als ein Apfel.

Und ihre ökologische Bedeutung ist ebenfalls sehr hoch. Denn sie ist weltweit das viertwichtigste Grundnahrungsmittel nach Reis, Weizen und Mais. Und der Kartoffelanbau ist sehr sparsam im Wasserverbrauch: Im weltweiten Schnitt benötigt man 1.400 Liter Wasser, um ein Kilo Weizen zu ernten, 2.500 Liter für ein Kilo Reis und fast 17.000 Liter Wasser, um ein Kilo Rindfleisch zu erzeugen. Für die gleiche Menge Kartoffeln braucht man nur 130 Liter Wasser.

Auch aus diesem Grund haben die Vereinten Nationen auf die enorme Bedeutung der Kartoffel verwiesen. Das Ziel: Mit Hilfe der Kartoffel die wachsende Bevölkerung der Welt zu ernähren und gleichzeitig die Wasserressourcen zu schonen.

Esst mehr Kartoffeln!

Es gibt also viele gute Gründe, Kartoffeln zu essen. Aber der beste Grund ist immer noch, wenn es schmeckt. Und da hat die Kartoffel einiges zu bieten, denn die Vielfalt, mit der sie sich zubereiten lässt, ist riesengroß. Nicht zuletzt deshalb gehört sie immer noch zu den beliebtesten Lebensmitteln in Deutschland. Und wie ist das in Ihrem Land?

Autorin: Sabine Giehle

Gesund, vielseitig und ökologisch nachhaltig – wenn Sie Lust auf Kartoffeln bekommen haben, finden Sie in unserer Community-Gruppe „Essen und Trinken“ leckere Kartoffelgerichte.

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Januar 2018

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Kommentare

Günther
23. Mai 2018

esst mehr kartofflen!!!!!!!!!!!!!

Gudrun Bukies
26. Januar 2018

Kartoffeln gehören zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae), sind also - wie Tomaten - in Maßen zu genießen!

Krystian Leonard Chrzan
26. Januar 2018

Dass Deutschland eine Kartoffelmacht ist, wusste ich nicht. Ich bin in Grosspolen geboren. Diese Provinz, die vor ueber 1050 Jahren Polen geschaft hatte wird in anderen Teilen von Polen Pyren-land genannt. Pyra in Poznan und seine Umgebung bedeutet - Kartoffel. Das Wort Pyra stammt von Perka, so frueher werden Kartoffel in Polen genannt. Perka stammt von Peru.
Der Erdboden in Grosspolen ist arm, man kann der Weizen praktisch nicht anbauen aber Kartoffeln ja.
Ich kenne die heutige ranking nicht. Vor der Wende, in damaligen Volksrepublik Polen war ein Witz sehr bekannt. Die Sowjetunion ist Nummer 1 in der Welt (erste Platz in Kartoffelproduktion) und wir Polen sind Numer 2 ! Is jetzt Deutschland auf der Spitze ?

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