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Die Abenteuer der Lotte Reiniger – Über die Anfänge des Animationsfilms in Deutschland

Den Trick- und Animationsfilm verbindet man heute in erster Linie mit Walt Disney und den Pixar Animation Studios in Kalifornien. Den ersten abendfüllenden Animationsfilm aller Zeiten produzierte allerdings die deutsche Filmemacherin Lotte Reiniger: Von 1923 bis 1926 schuf sie in Handarbeit aus rund 100.000 einzelnen Scherenschnitten den Silhouettenfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ nach Motiven der Märchen aus 1001 Nacht.

Lotte Reiniger wird 1899 in Berlin geboren und tritt schon als Schülerin mit selbst angefertigten Schattenfiguren, mit denen sie zum Beispiel Szenen von William Shakespeare nachspielt, vor ihrer Klasse auf. Auch für Film begeistert sie sich früh und ist tief beeindruckt von den Filmen des erfolgreichen Schauspielers und Regisseurs Paul Wegener. Durch ihn inspiriert nimmt sie Schauspielunterricht bei Max Reinhardt am Deutschen Theater Berlin. Hier lernt sie aber auch eine Gruppe von Künstlern und Wissenschaftlern kennen, die sich in einem Atelier namens „Institut für Kulturforschung“ mit Trickfilmen befassen.

Vom Institut für Kulturforschung zu den Märchen aus 1001 Nacht

Dort findet Lotte Reiniger nicht nur ihre Berufung in der Kunst, aus Scherenschnitten Animationsfilme zu produzieren, sondern begegnet auch ihrem späteren Ehemann Carl Koch. Mit ihm realisiert sie von nun an gemeinsam ihre Filme. Während sie dabei für Regie, Scherenschnitte und Animation verantwortlich zeichnet, fungiert Carl Koch meist als Aufnahmeleiter.

Ihr erstes eigenes Projekt ist der Kurzfilm „Das Ornament des verliebten Herzens“ aus dem Jahr 1919; international bekannt wird sie 1926 mit dem Film „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“. Dafür hat sie in dreijähriger Arbeit 24 Bilder pro Filmsekunde geschnitten und aufgenommen. Das Ergebnis: ein 66-minütiger Film aus etwa 100.000 Scherenschnitten. „Filmkünstlerische Ambitionen und großes handwerkliches Können finden in diesem Märchenfilm zusammen, dessen filigrane Figuren und phantasievolle Dekors verzaubern“, schreibt das Deutsche Filminstitut, das den filmischen Nachlass Reinigers verwaltet. Sie stirbt 1981 in der Nähe von Tübingen.

Werfen Sie einen Blick in „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“!

Trailer zu „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“

Die Errungenschaften einer Pionierin

Wo immer man von Lotte Reiniger liest oder hört, wird sie als Pionierin des Animationsfilms bezeichnet. Wo immer sich im internationalen Film heute Silhouetten bewegen, verweisen sie nach Meinung der Experten auf Reinigers animierte Schattenfiguren. Die Künstlerin erfand einen eigenen Trickfilmtisch und schuf etliche kurze und lange Silhouettenfilme, die meist auf Märchen, Mythen oder Opernstoffen basierten. 1972 erhielt sie – bereits im hohen Alter – das Filmband in Gold, 1980 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen. Anlässlich ihres 100. Geburtstages wurde 1999 vom Deutschen Filmmuseum Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Fernsehsender ZDF und Arte eine neue 35mm-Kopie von „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ angefertigt. Und obwohl der Film laut einer Umfrage des Verbundes der deutschen Kinematheken zu den 100 wichtigsten deutschen Filmen aller Zeiten zählt, ist Lotte Reiniger heute jenseits der Expertenkreise weitgehend vergessen. Um dem entgegen zu wirken, produzierten Studierende und Dozenten der Medienwissenschaften an der Universität Tübingen jüngst den Film „Tanz der Schatten“ über Leben und Schaffen der Filmemacherin. Er wurde im Frühjahr 2012 beim Internationalen Trickfilmfestival in Stuttgart gezeigt und von einer Ausstellung im Stadtmuseum Tübingen begleitet.

Dezember 2012

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Kommentare

MARÍA MANUELA COLINDRES PAZ
4. Januar 2014

EN MÉXICO ES POCO EXPLOTADO ESTE GENERO AUNQUE MUY VISTO POR LA CERCANÍA DE NUESTRO PAÍS VECINO, OJALA PRONTO HAYA MAS CONVENIOS CON OTROS PAÍSES PARA EXPLOTAR LA ANIMACIÓN, PUES POR HISTORIAS NO PARAMOS.

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