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Crowdfunding: Ein neues Instrument zur Umsetzung von Projekten aus Kultur und Entwicklung

Mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit nutzen derzeit das Internet – und längst nicht nur als passive Konsumenten. Der Begriff Crowdsourcing bezeichnet Bereiche im Netz, in denen Nutzer tätig werden, sei es für wirtschaftliche oder soziale Zwecke. Ob als Tester, Aktivisten oder Spender wie beim Crowdfunding – die Internetgemeinschaft wird aktiv und trägt auch jenseits des virtuellen Raums zur Gestaltung von Produkten und Projekten bei.

Im Jahr 2012 nutzten weltweit 2,4 Milliarden Menschen das Internet (das entspricht etwa 30 Prozent der Weltbevölkerung) – und die Tendenz ist steigend. Immer öfter wird diese Masse von Menschen (englisch „Crowd“) im Internet für wirtschaftliche, kulturelle und gemeinnützige Zwecke aktiviert. Die Schlagworte heißen Crowdsourcing, Crowdfunding, Crowdtesting.

Crowdsourcing ist der Überbegriff für diese neuen Instrumente. Es bezeichnet die Auslagerung von Arbeitsabläufen auf eine große Gruppe freiwilliger Nutzer, die Crowd. Damit sind zumeist wirtschaftliche Abläufe gemeint, die einem Unternehmen einen Gewinn bringen sollen, zum Beispiel Usability-Tests oder Qualitätssicherung.

Jeder Beitrag zählt: Crowdfunding in Kultur und Entwicklung

Für Projekte in der Kultur oder der Entwicklungszusammenarbeit hat sich eine Variante des Crowdsourcings besonders bewährt: das Crowdfunding. Darunter versteht man die Finanzierung eines Projekts durch viele Unterstützer aus dem Internet, was seit dem Jahr 2006 an Beliebtheit bei den Nutzern gewinnt. Auf zahlreichen Crowdfunding-Plattformen werden die Projekte vorgestellt. Die Internetnutzer können frei entscheiden, welche Projekte sie mit welchen Beträgen unterstützen möchten. Manche Organisationen bieten den Spendern kleine Anreize, wie zum Beispiel kostenlose Exemplare der Produkte oder besondere Konditionen bei Veranstaltungen. Es gibt Plattformen, die sich hauptsächlich der Finanzierung von Kunst und Kultur widmen, beispielsweise kickstarter.com oder sellaband.com. Andere Crowdfunding-Plattformen unterstützen größtenteils oder ausschließlich Projekte aus dem Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, beispielsweise 2aid.org.

Skateboard und Dokumentarfilm – nur zwei Crowdfunding-Beispiele von tausenden

Deutschlands größte Online-Spendenplattform ist betterplace.org . Auf diesem Portal werden gemeinnützige Projekte vorgestellt, die finanzielle Unterstützung benötigen. Internetnutzer, die Geld spenden oder auch Zeit investieren möchten, finden hier passende Angebote. Ein in Deutschland recht bekanntes Beispiel ist die Non-Profit-Organisation (NPO) Skateistan, die in Kabul und Phnom Penh Skateboardschulen für Jugendliche gegründet hat. Sie arbeitet mit Jungen und Mädchen (vor allem in Afghanistan ist dies nicht selbstverständlich) aller Volksgruppen und auch mit behinderten Jugendlichen. Über das Crowdfunding auf betterplace.org konnten bereits 80 Teilprojekte von Skateistan vollständig finanziert werden.

Die Crowdfunding-Plattform indiegogo.com unterscheidet zwischen den Bereichen „Kreativ“ und „Wohltätigkeit“ – manchmal gibt es aber auch Überschneidungen. So konnte im Sommer 2013 mit dem Projekt „Rooting for Roona“ ein indischer Dokumentarfilm über ein kleines Mädchen mit Hydrocephalus  finanziert werden. Mit 32.000 US-Dollar ist die höchste Finanzierungssumme erzielt worden, die mit dem Instrument des Crowdfundings jemals für einen Dokumentarfilm aus Indien gesammelt wurde.

Chancen und Risiken beim Crowdfunding

Wie bei allen Dienstleistungen im Internet sollte jeder Nutzer beim Crowdfunding aufmerksam auf Tücken und Risiken achten. Wer steckt hinter dem Spendenaufruf? Wie transparent ist der Umgang mit den Ressourcen? Wie sinnvoll ist diese Initiative wirklich? Andererseits erhalten durch das Crowdfunding Künstler, Projekte und Initiativen Zugang zu Werbung und Finanzmitteln, von denen man sonst wahrscheinlich nie gehört hätte. Eine echte Chance also für alle Beteiligten.

In der Community des Alumniportals werden Fragen rund um das Schwerpunktthema „Digitale Gesellschaft – Digital Society“ diskutiert. Auch Crowdsourcing und Crowdfunding sind interessante Themen, zu denen die Mitglieder sicherlich einiges beizutragen haben. Haben Sie Erfahrungen mit Crowdsourcing gemacht? Haben Sie auf einer Crowdfunding-Plattform schon einmal gespendet oder sogar selbst ein Projekt vorgestellt? Sind diese Instrumente wirklich eine geeignete Lösung für Finanzierungslücken in Kultur und Gesellschaft?

Zur Community

Autorin: Elena Krüskemper

Mai 2014

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Kommentare

Mirjam
11. Januar 2017

Eine weitere Plattform für Crowdfunding ist startsomegood.com. Ein Beispiel für ein aktuelles Projekt ist die Gründung einer Fachhochschule im Bosomtwe District/Ashanti Region in der Nähe von Kumasi, an der Jugendliche die angewandte Gestaltung kunsthandwerklicher Produktion erlernen können. Unter der Anleitung und Lehre von Wissenschaftlern, Künstlern und Kunsthandwerkern aus dem Ausland sollen Qualitätsniveau und Wettbewerbsfähigkeit der heutigen Produktion gesteigert und attraktive Berufsperspektiven für die Jugend Ghanas geschaffen werden.
https://startsomegood.com/Willy-Brandt

MrStrikhardt
20. August 2015

Zunächst einmal ist wichtig, zwischen den verschiedenen Formen von Crowdfunding zu unterscheiden.

Es gibt:
reward-based-crowdfunding
donation-based-crowdfunding
lending-based-crowdfunding
equity-based-crowdfunding (in Deutschland auch crowdinvesting)

Jede Crowdfunding-Kampagne hat somit einen anderen Fokus und eine andere Zielgruppe.

Für den Kultursektor kommt hauptsächlich reward-based-crowdfunding in Frage. Der Künstler oder die Kulturinsititution möchte seine Idee mit Hilfe der Community umsetzen und bietet im Gegenzug Gegenleistungen an. Sie gibt aber nicht nur Geld, sondern die Community kann auch aktiv mit in den Produktionsprozess einbezogen werden und wertvolles Feedback geben. Diese Erfahrung ist sicherlich für manchen Künstler neu, aber sie kann sich positiv auf das Endergebnis auswirken.

Beste Beispiele sind dafür die Crowdfunding-Projekte von Van Bo Le-Mentzel. Er hat mit Hilfe der Crowd bezahlbare Möbel gefertigt, fair-trade Sneakers entwickelt und produziert aktuell einen Spielfilm.

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