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Die deutsche Sprache wächst: Welche neuen Wörter Sie jetzt im Duden finden

Fake News, Selfie, Willkommenskultur, verpeilen, tindern oder whatsappen: Neue Wörter bereichern unseren Wortschatz. Aber woher kommen sie? Und woher weiß man, welche Wörter tatsächlich in der Alltagssprache verwendet werden?

Die deutsche Sprache lebt. Und sie verändert sich. Vor allem wächst sie. Und das ist auch nötig. Schließlich entstehen ständig neue Dinge, gibt es bislang unbekannte Sachverhalte oder das Leben entwickelt sich einfach weiter. Und mit ihm unser Lebensstil. Also muss es dafür neue Begriffe geben.

5.000 dieser neuen Wörter hat der Duden in seine Neuauflage 2017 aufgenommen. Der Duden ist eines der wichtigsten Standardwörterbücher der deutschen Sprache. Die Neuaufnahme der Begriffe spiegelt die Entwicklungen wider, die in den letzten Jahren Politik, Gesellschaft, Technik, Sport und Lifestyle geprägt und verändert haben. Die Duden-Redaktion nimmt dabei nicht irgendwelche Begriffe auf, sondern nur die, die sich tatsächlich im alltäglichen Sprachgebrauch etabliert haben.

Wie die neuen Duden-Wörter gefunden werden

„Wir untersuchen den Sprachgebrauch mit Hilfe des sogenannten ‚Dudenkorpus‘“, erläutert die Redaktionsleiterin Dr. Kathrin Kunkel-Razum in einem Interview das Verfahren, wie die neuen Wörter in den Duden gelangen. Das Dudenkorpus ist eine elektronische Textsammlung aus aktuellen Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln, Romanen, Reden und informellen Textsorten wie Reparatur- und Bastelanleitungen. Mittlerweile verfügt diese Sammlung über mehr als vier Milliarden Wörter.

Mithilfe von Computerprogrammen durchsucht die Redaktion die elektronischen Texte nach bislang unbekannten Begriffen. Gefunden wurden für die Duden-Ausgabe 2017 lexikalische Neuerungen wie Fake News, postfaktisch, Selfie, Livestream, Kopfkino, verpeilen, Drohnenangriff, Darknet, Emoji, Fair Trade, Flüchtlingskrise, Schmähgedicht, Tablet oder Veggie. Die Neuzugänge sind, so sieht es Kunkel-Razum, „ein Spiegel der Gesellschaft“ der letzten Jahre.

  • Doodle

    Vom Englischen to doodle für „kritzeln“. Ein werbefinanzierter Online-Dienst zur Erstellung von Terminumfragen oder einfachen Online-Umfragen. (Quelle: Wikipedia)

  • Fotobombe, die

    Eine freiwillige oder unfreiwillige Aktion beim Entstehen eines Fotos, bei dem sich eine Person oder ein Gegenstand in den Vordergrund oder gut sichtbar in den Hintergrund drängelt. (Quelle: Wikipedia)

  • Flexitarier, der

    Person, die sich überwiegend vegetarisch ernährt, aber auch gelegentlich hochwertiges, biologisch produziertes Fleisch zu sich nimmt. (Quelle: Duden)

  • Fairteiler

    Orte, zu denen Lebensmittel gebracht und/oder kostenlos von dort mitgenommen werden dürfen. (Quelle: Lebensmittelretten.de Wiki)

  • Hätte, hätte, Fahrradkette

    Redewendung, die man verwenden kann, wenn eine Fehlentscheidung nicht mehr rückgängig gemacht werden kann oder wenn jemand eine vergangenheitsbezogene Wunschvorstellung äußert.

Erforschung der deutschen Sprache

Aber nicht nur der Duden beobachtet das Geschehen rund um den deutschen Wortschatz. Das Institut für Deutsche Sprache (IDS), Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, forscht seit Jahren zum Thema „Lexikalische Innovationen“, also den Neuerungen im Alltagswortschatz der deutschen Sprache.

Den Sprachforschern steht dabei das Deutsche Referenzkorpus (DeReKo) zur Verfügung. Es ist so etwas wie die „Ur-Stichprobe des Sprachgebrauchs“: Das Korpus umfasst fast 32 Milliarden Wörter – enthalten in belletristischen, wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Texten, in Zeitungsartikeln und vielen anderen Textsorten. Das DeReKo ist damit die weltweit größte linguistisch motivierte elektronische Sammlung deutschsprachiger Texte aus der Gegenwart und der neueren Vergangenheit.

Der Duden ist eines der wichtigsten Wörterbücher der deutschen Sprache und wird vom Verlag Bibliographisches Institut herausgegeben. Der erste Duden erschien 1880. Er wurde rasch zu einer maßgeblichen Instanz der deutschen Rechtschreibung. Die aktualisierte Ausgabe des Duden von 2017 ist die 27. Auflage des Standardwerks.

Das Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim ist die zentrale außeruniversitäre Einrichtung zur Erforschung und Dokumentation der deutschen Sprache in ihrem gegenwärtigen Gebrauch und in ihrer neueren Geschichte. Das IDS gehört zu den 91 Forschungseinrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft.

Das Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch (OWID) ist ein Online-Wörterbuch des IDS zu mehr als 1.800 Neologismen, die sich seit den 1990er Jahre im deutschen Sprachgebrauch etabliert haben.

Neuentdeckungen im Online-Wörterbuch erklärt

Hervorgegangen ist aus dieser Forschung unter anderem ein Online-Wörterbuch zum Neologismus – also zu den Neuzugängen der deutschen Alltagssprache. Untersucht wurde der Wortschatz seit den 1990er Jahren. Mehr als 1.800 neue Wörter, neue Phrasen oder Umdeutungen bereits etablierter Wörter haben die Leibniz-Forscher ausgemacht und umfassend beschrieben. Die Neuentdeckungen reichen von der umgangssprachlichen Redewendung „ab dafür“ (los geht's, das ist erledigt) aus den 1990er Jahren bis zur Phrase „ziemlich beste Freunde“ (oder auch Feinde, Nachbarn, Aussichten etc.), die auf den gleichnamigen Erfolgsfilm aus dem Jahr 2011 zurückgeht.

„Man tut gut daran“, so erklären die Sprachforscher, „sich den Wortschatz nicht wie eine große Wortsammlung vorzustellen, sondern eher wie einen Prozess, in dem alles im Fluss ist.“ Freuen wir uns darauf zu erleben, wohin uns dieser Fluss noch führt.

Autorin: Sabine Giehle

Dezember 2017

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Kommentare

Mirjam Habel
3. Januar 2018

Kampfradler, Biodeutscher und Fingerwisch – das waren die Begriffe aus unserem Gewinnspiel. Die richtigen Antworten lauten:

Kampfradler = rücksichtsloser bzw. als rücksichtslos gesehener Radfahrer
Kampfradler ist ein Schlagwort aus der deutschen Verkehrspolitik und den Medien, das für eine Debatte über verkehrswidriges und angeblich aggressives Verhalten von Fahrradfahrern steht. Hintergrund ist die Zunahme des Radverkehrs auf deutschen Straßen sowie die Wahrnehmung einer – so der im Jahr 2012 der seinerzeitige deutsche Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer – „zunehmenden Verrohung", die mit einer Missachtung von Verkehrsregeln und mangelndem Unrechtsbewusstsein einhergehe. (Quelle: Wikipedia)

Biodeutscher = Deutscher, der seine familiären und kulturellen Wurzeln in Deutschland hat
Der Begriff wurde ursprünglich überwiegend von Personen mit Migrationshintergrund zur stereotypen, sarkastisch-ironischen Abgrenzung gegen die deutschstämmige Bevölkerung verwendet.

Fingerwisch = wischende Geste eines oder mehrerer Finger über den Touchscreen eines Smartphones oder Tablets

Vielen Dank für alle Einsendungen. Die Gewinnerin wurde benachrichtigt.

Herzliche Grüße

Alumniportal Deutschland - Redaktion

Alumniportal Deutschland – Redaktion
29. Dezember 2017

Liebe Alumni,

vielen Dank für die zahlreichen Einsendungen – das Gewinnspiel ist nun beendet und die Gewinnerin bzw. der Gewinner des Dudens wird benachrichtigt.

Herzliche Grüße

Alumniportal Deutschland – Redaktion

Alumniportal Deutschland – Redaktion
22. Dezember 2017

Liebe Ludmila Golosko,

die oben angegeben E-Mail-Adresse redaktion@alumniportal-deutschland.org ist korrekt und uns haben auch schon viele Antworten darüber erreicht. Bitte versuchen Sie es noch einmal oder senden Sie Ihre E-Mail alternativ an info@alumniportal-deutschland.org – wir wünschen Ihnen viel Glück für die Duden-Verlosung!

Herzliche Grüße

Alumniportal Deutschland – Redaktion

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