0 Finde ich gut

Fahr mal wieder U-Bahn! - Das Musical „Linie 1“ als deutscher Exportschlager

Das GRIPS Theater in Berlin ist eine feste Institution in der Kinder- und Jugendtheater-
szene. Das in den 60er Jahren  gegründete Ensemble brachte  sozialkritische und realistische Kindertheaterstücke auf die Bühne. Das war ein völlig neues Konzept zu Zeiten, in denen Kindertheater vor allem mit Märchen assoziiert wurde.

Doch der Erfolg des GRIPS beschränkte sich nicht nur auf Deutschland. Die Stücke Volker Ludwigs und seiner Ko-Autoren wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt und auf der ganzen Welt gespielt. Heute spielt das GRIPS gleichermaßen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Eines dieser Erwachsenen-Stücke ist „Linie 1“, das erfolgreichste deutsche Musical nach der „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht.

Das Musical „Linie 1“

Bereits 1986, noch im geteilten Deutschland, feierte das Musical im Berliner GRIPS Theater seine Uraufführung. Die Handlung ist inzwischen ein Stück Zeitgeschichte: Ein junges Mädchen aus der Provinz flüchtet nach Westberlin um nach ihrem „Märchenprinzen“ zu suchen, einen Rockmusiker, von dem sie beim One-Night-Stand geschwängert wurde. Sie kommt am Bahnhof Zoo an, dem alten Hauptbahnhof Westberlins, und bleibt auf der U-Bahn-Linie 1 hängen. Auf ihrer Reise zwischen Bahnhof Zoo und Kreuzberg begegnet sie den unterschiedlichsten großstädtischen Typen und Schicksalen.

Obwohl die Mauer längst gefallen ist und die D-Mark vom Euro abgelöst wurde, ist im Theater in der Nähe des Hansaplatzes die Zeit stehen geblieben. Hier ist Berlin noch die Stadt, in der in allen Richtungen Osten ist.


Ein deutsches Musical als Exportschlager


Die spezielle historische Situation ist auch für ausländische Inszenierungen kein Problem. Auf der ganzen Welt gibt es mittlerweile Adaptionen: In Kalkutta lief „Chord Line“. Hier stand ein Flüchtlingsmädchen aus Bangladesch im Mittelpunkt der Handlung. In „Seoul Line 1“ kommt eine junge China-Koreanerin nach Seoul, wo sie zwischen Hauptbahnhof und dem Rotlichtviertel „588“ pendelt. Die koreanische Version war sogar noch erfolgreicher als das Original in Berlin. Während das GRIPS Theater im Mai 2011 seine 1.500 Vorstellung von „Linie 1“ feierte, ging „Seoul Line 1“ inzwischen sogar 4.000 Mal über die Bühne.

Auch die namibische Fassung wurde an die regionalen Besonderheiten angepasst: Hier kommt ein deutsches Mädchen in Windhoek an, auf der Suche nach einem namibischen Musiker, den sie bei einem Gastspiel in Deutschland kennen lernte. Sie fährt quer durch Namibia mit zahlreichen landestypischen Verkehrsmitteln wie zum Beispiel den berühmt-berüchtigten Minibus-Taxis oder einer Eselkarre. Auch in Barcelona („Linea Roja“), Hong Kong („Island Line“) und Aden („Mak Nazl“) wurde das Stück auf die jeweiligen Städte übertragen, die Originalmusik (bis auf Hong Kong) beibehalten.


Linie 1 muss keine U-Bahn sein


Aktuell läuft „Regel Nr. 1: Von Vilnius träumen verboten“ ("Taisyklé Nr.1, arba Sapnuoti Vilniu draudziama!") im litauischen Vilnius. Da es in Vilnius keine U-Bahn gibt, wurde die Handlung kurzerhand auf die Straßen der Stadt verlegt. Das Mädchen aus der Provinz sucht ihren Traumprinzen zu Fuß und fährt mit Trolleybussen durch die Altstadt von Vilnius. Premiere wurde dort schon im Jahr 2000 gefeiert, im Anschluss folgte ein ähnlich großer Erfolg wie in Seoul. Die Litauische Fassung kam 2003 sogar zu einem Gastspiel dorthin, wo die Erfolgsgeschichte begann: ans Berliner GRIPS Theater.

Kennen Sie das Musical? Haben sie selbst einmal etwas Besonders in der U-Bahn erlebt? Teilen Sie Ihre Eindrücke und Erlebnisse mit uns in der Community-Gruppe KULTUR – CULTURE!

Zur Community


>> Deutschland-Alumni Litauen

Juli 2011

Dieser Text ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. Möglicherweise unterliegen zusätzliche Inhalte wie Bilder und Videos jeweils zusätzlichen Bedingungen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie einverstanden. Zudem gilt folgende Regelung für die korrekte Benennung der Urheber und Quelle sowie Übersetzungen.

Jetzt kommentieren