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Fluch oder Segen? Die digitale Revolution in der Fotografie

Früher haben wir unsere Fotofilme zum Entwickeln gebracht, Abzüge nachbestellt, Bilder in Alben geklebt. Heute werden die Dunkelkammern vieler Fotografen nur noch als Lager benutzt. Dafür machen die Menschen, wo sie gehen und stehen, Bilder mit dem Handy und schicken sie in Sekundenschnelle über das Internet in alle Welt. Doch was sind die Auswirkungen der digitalen Revolution in der Fotografie?

Längst haben Digitalkameras und Handys mit integrierten Fotokameras die Märkte erobert. Viele Menschen kommunizieren, indem sie das, was sie gerade erleben, in Form von Fotos festhalten und direkt an Kollegen, Familie und Freunde schicken. Auch in politischen Krisen und Konfliktsituationen hat sich in den letzten Jahren oft die Macht von Bildern und der Möglichkeit ihrer schnellen Verbreitung rund um den Globus gezeigt.

In Bildern sprechen – die digitale Bilderflut

Die folgende Statistik vom Juli 2013 zeigt die Flut an Informationen, die im Internet ausgetauscht werden, auf 60 Sekunden komprimiert:

Dass beispielsweise auf Plattformen wie flickr oder tumblr 20 Millionen Fotos pro Minute angesehen beziehungsweise 20.000 neue Bilder eingestellt werden, mag man ebenso beeindruckend wie erschreckend finden.

Der Tod der Analog-Fotografie

Wie jeder technische Fortschritt hat auch der Siegeszug der digitalen Fotografie und ihrer Apparate Opfer gefordert. In den Medien wird immer wieder vom langsamen Tod der Analog-Fotografie gesprochen – ein Begriff, den es absurderweise auch erst seit der digitalen Revolution gibt. Sämtliche Unternehmen, die Kameras und Material wie Filme, Fotopapier oder Chemikalien produzierten, mussten sich innerhalb weniger Jahre komplett auf die digitale Fotografie umstellen. Manche haben diesen Umbruch überstanden, andere sind gescheitert. Die Traditionsmarke Konica-Minolta etwa stieg bereits 2006 aus dem Kamerageschäft aus. Auch die weltberühmte Firma Leica stand mehrmals kurz vorm Bankrott, hat die Krise aber durch die Entwicklung neuer Digitalkamera-Modelle überwunden.

Kodak: Erfinder und Opfer der digitalen Revolution in der Fotografie

Besonders brisant erscheint dabei, dass der Erfinder der ersten Digitalkamera, Steven Sasson, bei Kodak arbeitete: Kodak war lange Zeit der weltweit führende Hersteller von Kameras und Fotografie-Ausrüstung. Schon 1975 entwickelte der Ingenieur eine 3,5 kg schwere Kamera, die elektronisch ein Bild aufnahm. Das war in 23 Sekunden auf einer Kassette gespeichert und in weiteren 30 Sekunden auf einen angeschlossenen Fernsehbildschirm übertragen. Seine Chefs waren zunächst wenig begeistert, denn, so Sasson im Interview mit dem Magazin Stern: „Was ich vorführte, war eine Kamera, die keinen Film brauchte und ihre Bilder nicht auf Papier druckte“.

Noch 20 Jahre später, als andere längst auf die Veränderungen in der Fotografie-Branche reagiert hatten, konzentrierte Kodak sich auf Filme und musste im Januar 2012 Konkurs anmelden. Erst dann gelang es der Firma, sich doch noch neu zu erfinden: Heute ist Kodak auf Druckmaschinen spezialisiert. Dennoch verloren 100.000 Mitarbeiter ihre Arbeit. Und was sagt Sasson dazu? „Technology moves on." Veränderung und Fortschritt sind unausweichlich, und leider wird es dabei immer auch Verlierer geben. Auf der anderen Seite tun sich viele neue Möglichkeiten auf, für neue Produkte und für die Fotografen.“

Gefahren der digitalen Revolution

Doch bringen diese neuen Möglichkeiten auch Probleme mit sich, die es vor der digitalen Revolution in der Fotografie nicht gab: Denn Kinder und Jugendliche wachsen als sogenannte „Digital Natives“ auf. Dabei sind sie zwar selbstverständlich, aber nicht immer verantwortungsbewusst im Umgang mit den eigenen oder fremden privaten Daten und Fotos. Das Einstellen von Fotos in soziale Netzwerke bedeutet leider zugleich den Kontrollverlust darüber, wo und wofür die Bilder weiter verwendet werden.

Darüber hinaus stellt die Sicherung der ständig wachsenden Datenmengen eine zunehmende Herausforderung für IT-Experten und Datenschützer, aber auch für jede Privatperson dar. Nicht selten verlieren Menschen all ihre Fotos und damit Erinnerungen an Urlaube, Familienfeste oder andere wichtige Ereignisse, wenn die Festplatte kaputt geht - weil sie sie nirgendwo sonst gesichert haben. Und das wäre mit den guten, alten Abzügen, die wir früher in Kisten sammelten, sicher nie passiert.

Digitale Fotografie in der Kunst

Auch auf die Fotokunst hat die digitale Revolution starken Einfluss genommen. Viele Künstler, wie zum Beispiel Andreas Gursky, Thomas Ruff oder Loretta Lux, nutzen in ihrer Arbeite die technischen Möglichkeiten der Bildbearbeitung am Computer, wie der für ARTE produzierte Film „Die Fotografie nach der Fotografie“ vom Januar 2014 sehr anschaulich zeigt.

September 2014

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Kommentare

Ein Mensch
13. September 2014

Die Ueberzeugung statt die Ueberredung, aber fraglich wird die bilderrealitaet.

hbsseth
11. September 2014

The digital revolution has rendered the postal letter service redundant. Now no one writes letter except registered letters. Recently India postal service has closed 180 years of telegram service. Every thing has been taken over by emails and text massages.

maripaz
9. September 2014

LA REVOLUCIÓN FOTOGRÁFICA ES MUY IMPORTANTE PORQUE PERMITE CAPTAR UN INSTANTE EN UNOS SEGUNDOS. LAS CÁMARAS DIGITALES NOS DAN ESA FACILIDAD DE TENER UN DOCUMENTO INSTANTÁNEO PARA DIVERSOS FINES. EN LA CULTURA ES MUY VALIOSO ESTE REGISTRO, PUES TE SIRVE COMO BOCETAJE, COMO ARCHIVO VISUAL DE UNA FUTURA OBRA, O BIEN DE UN EVENTO O TRABAJO PASADO, EN EL CUAL INVERTISTE TU ESFUERZO. TAMBIÉN PARA CAPTURAR TUS OBRAS VISUALES Y REVISARLAS MAS INMEDIATAMENTE, SIN NECESIDAD DE ESPERAR A QUE SE REVELEN. AUNQUE AUN HAY FALLAS EN LAS MAQUINAS COMO EL MAL ENFOQUE O LA TOMA MOVIDA, LA REVOLUCIÓN EN LAS CÁMARAS FOTOGRÁFICAS APOYA LA LABOR CULTURAL, SOCIAL, CIENTÍFICA, ETC. TE VUELVE MAS INDEPENDIENTE, TE PERMITE CONTROLAR OTROS ASPECTOS COMO LA LUZ O LA TOMA..., QUE OTROS HACÍAN. SI BIEN ALGUNOS ABUSAN DE LA FOTOGRAFÍA EN LA VIDA DIARIA, SU APARICIÓN EN EL MUNDO NOS PERMITE CONOCER NUEVAS COSAS.

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