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Anti-Atomkraft-Bewegung im Wandel

„Fukushima hat die Bevölkerung wachgerüttelt“, stellt Greenpeace-Experte Björn Jettka im Gespräch mit dem Alumniportal Deutschland fest. Die Anti-Atomkraft-Bewegung habe angesichts der Katastrophe in Japan einen neuen Schwung erhalten. Alleine am Osterwochenende 2011 gingen mehr als 100.000 Menschen auf die Straße, um gegen Atomkraft zu demonstrieren. Der Kommunikationsstratege weiß: „Die Art des Protests ist heute umfassender und vielfältiger als zu Beginn der Bewegung.“

 

Neben klassischen Protestmethoden wie Demonstrationen und Menschenketten sorgt das Internet für eine schnelle und direkte Mobilisierung der Leute. „Die Menschen wollen den Impuls, der bei ihnen durch die zusammen getragenen Informationen ausgelöst wird, unmittelbar umsetzen“, erklärt Jettka. App-Kampagnen, Mitmach-Communities wie greenaction.de und Anti-Atomkraft-Gruppen in sozialen Netzwerken wie Facebook erreichen innerhalb kürzester Zeit hunderttausende Interessenten.

„Diese Interessenten gehören nicht wie früher unbedingt politischen Gruppierungen an“, analysiert Jettka. Heute könne durch das Internet jeder aktiv sein, ohne den Protest zu seinem Lebensmittelpunkt zu machen.

Anti-Atomkraft-Bewegung im Wandel

So ging in den 70er Jahren der Widerstand vorwiegend von lokalen Bürgerinitiativen aus. Schwerpunkt war, den Bau von neuen Anlagen zu verhindern. Anfang der 80er Jahre stand der Streit um die Wiederaufbereitung und Endlagerung von Atommüll im Fokus. Zentrum der Diskussion bildete das Atommülllager Gorleben. In den 90er Jahren entstand unter anderem die Protestbewegung „X-tausendmal quer“. Sie hat sich an den Widerständen gegen Castortransporte in das Zwischenlager für abgebrannte  Brennelemente in Gorleben beteiligt. Bei Blockaden kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten.

Der „Ausstieg vom Ausstieg“ heizt die Diskussion an

Die Ankündigung zum Atomausstieg der rot-grünen Bundesregierung im Jahr 2000 entspannte die Situation zunächst. Doch 2010 beschloss der Bundestag die Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke. Der „Ausstieg vom Ausstieg“, die Katastrophe in Fukushima in Japan und der 25. Jahrestag von Tschernobyl haben schließlich die Diskussion um Atomkraft neu entfacht.

Ziel bleibt: „Alle Atomkraftwerke abschalten“

Während in Deutschland auch das Aktionärstreffen des Energiekonzerns RWE durch Trillerpfeifen, Transparente und Buh-Rufe zur Anti-Atom-Kundgebung wird, staunt man in Frankreich und England über die „German Protesters“, wie Spiegel-Online schreibt. „Polen spottet über deutsche Atom-Panik“, berichtet zeit.de. Unterstützung kommt hingegen aus Österreich. Dort gibt es bis heute keine Atomkraftwerke (AKW).

Dass auch in Deutschland irgendwann das letzte AKW abgeschaltet wird, ist Ziel der Anti-Atomkraft-Bewegung. „Alle Atomkraftwerke abschalten“ lautet das Motto. Die Philosophie der Plattform greenaction.de macht deutlich, wie man dieses Ziel erreichen will: „Aus einer Stimme wird ein lauter Chor.“

Der User Alexander Gravenhorst hat zu dem Thema auch einen Blogeintrag auf dem Alumniportal Deutschland verfasst.

Mai 2011

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Kommentare

Michael
30. Juli 2012

In Japan gibt es anscheinend auch ein Erwachen der grünen Bewegung - Leider sind erst 4 Gaus mit Verseuchung von Menschen und ganzen Landstrichen notwendig gewesen!

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