0 Finde ich gut

Einkauf im Wohnzimmer: E-Commerce verändert das Konsumverhalten der Deutschen

E-Commerce hat sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Immer mehr deutsche Konsumenten nutzen die Vorzüge des Online-Shoppings und lassen sich von den Nachteilen nicht abschrecken. Was bedeutet dieses veränderte Konsumverhalten für die Fachgeschäfte in Deutschland?

Es ist schon sehr bequem für die Konsumenten: Bücher, Filme, Textilien und Flugtickets – dank E-Commerce kann man alles am heimischen Computer auswählen und auch gleich kaufen. Diese Art des Einkaufens hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren rasant entwickelt. Im Jahr 2000 wurden 2,5 Milliarden Euro im E-Commerce erwirtschaftet, für das Jahr 2014 wird schon mit einem Umsatz von 33 Milliarden gerechnet. Eine wirtschaftliche Erfolgsstory, so viel ist sicher. Aber was bedeutet das für das Konsumverhalten?

Die BITKOM-Studie „Trends im E-Commerce – Konsumverhalten beim Online-Shopping“ hat ergeben, dass neun von zehn deutschen Internetnutzern aus allen Altersgruppen im Internet einkaufen. Die Konsumenten kaufen vor allem Bücher, Schuhe und Bekleidung online. Aber auch Eintrittskarten zu Veranstaltungen und Unterhaltungsmedien wie CDs oder DVDs sind beliebt beim Kauf im Internet. Interessant ist auch der soziale Aspekt des E-Commerce: Beinahe drei Viertel der Internetnutzer lesen Bewertungen anderer Kunden und gut ein Drittel gibt selbst Bewertungen ab.

Vor- und Nachteile von E-Commerce

Der Einkauf im Internet bringt auch Nachteile mit sich. Verspätete Lieferung, beschädigte Ware oder auch einmal ein ganz falsch gelieferter Artikel sind keine Seltenheit. Außerdem können die Kunden sich die Ware nicht ansehen, was vor allem bei teuren Elektrogeräten oder auch bei Autos eine große Rolle spielt. Die Internetkäufer scheinen sich aber von den Nachteilen nicht abschrecken zu lassen: Obwohl laut BITKOM sechs von zehn Konsumenten schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht haben, schätzen 64 Prozent von ihnen die Problemlösungen der Anbieter als positiv oder sehr positiv ein. Die Bequemlichkeit und vor allem der unkomplizierte Preisvergleich scheinen also die Nachteile des E-Commerce für die Online-Shopper auszugleichen.

Bücher und Reisen: Wie wirkt sich E-Commerce auf diese Branchen aus?

Zu den Branchen, die vom Boom des E-Commerce besonders betroffen sind, gehören der Buchhandel und die Reisebranche. Vor allem kleinere und mittlere Buchläden müssen sich gleichzeitig gegen die Filialen großer Buchhandelsketten und gegen den zunehmenden Online-Kauf von Büchern wehren. Zwar wurden 2013 von insgesamt 9,6 Milliarden Euro im Buchhandel lediglich 2,2 Milliarden Euro im Bereich des E-Commerce umgesetzt, aber die Tendenz ist steigend. Um den Anschluss an das veränderte Konsumverhalten nicht zu verlieren, richten viele kleinere Buchläden mittlerweile ihre eigenen Online-Shops ein. Davon versprechen Sie sich eine bessere Bindung ihrer Kunden, vor allem wegen der durchgängigen Erreichbarkeit.Eine häufige Klage der stationären Fachgeschäfte ist es, dass die Konsumenten sich von ihrem Fachpersonal beraten lassen und dann im Internet einkaufen, weil dort die Preise oft günstiger sind. In der Reisebranche scheint der Fall umgekehrt zu liegen: Die Kunden informieren sich im Netz über die Angebote, suchen dann aber für die Beratung und Buchung doch lieber ein Reisebüro in ihrer Nachbarschaft auf – vor allem, wenn es um komplette Urlaubsreisen geht. Sie möchten bei der Buchung ihres Urlaubs sicher gehen, dass sie keine Fehler machen und schätzen die fachmännische Betreuung. In Deutschland geht zwar auch die Zahl der Reisebüros zurück, sie liegt aber mit knapp 10.000 im europäischen Vergleich immer noch sehr hoch.

Strategien für die Bindung der Konsumenten

Am E-Commerce wird in Zukunft kein Weg vorbeigehen und dadurch wird sich auch das Konsumverhalten weiterhin nachhaltig ändern. Es ist nun die Aufgabe der Wirtschaft und vor allem der lokalen Fachgeschäfte, sich auf ihre Stärken zu besinnen und die Kunden durch spezielle Angebote und Services an sich zu binden. Kooperationen mit Internet-Anbietern, eigene Online-Shops und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle werden dafür sorgen, dass die deutschen Konsumenten auch in Zukunft die Wahl haben: Bequemes Einkaufen mit ein paar Klicks oder sorgfältige Beratung in einer Vielfalt von Fachgeschäften.

Webinar über E-Commerce in der Community

Hat sich auch in Ihrem Land das Konsumverhalten durch E-Commerce verändert? Wie sehen Sie persönlich die Vor- und Nachteile des Einkaufens im Internet? Welche Chance – oder auch Gefahren – sehen Sie für die Wirtschaft im Zusammenhang mit dem E-Commerce? Entstehen durch Transport und Verpackung der Waren nicht auch Schäden für die Umwelt?

Diskutieren Sie mit anderen Alumniportal-Mitgliedern in der Community-Gruppe „Digitale Gesellschaft“ – dort fand auch das Webinar „E-Commerce: Vom digitalen Einkauf zu digitaler Bezahlung zu digitalen Währungen“ statt. Die Video-Aufzeichnung der Session können Sie in der Community-Gruppe durch einen Klick auf den Button „Session 2“ abrufen.

Zur Community

Autorin: Elena Krüskemper

M-Commerce

Eine spezielle Art des E-Commerce ist der Mobile Commerce oder M-Commerce. Hierbei handelt es sich um Einkäufe, die über mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablet-PCs erledigt werden. Auch hier werden hohe Zuwächse beobachtet, obwohl es bei den Konsumenten noch Vorbehalte  gibt, hauptsächlich wegen der Übertragungssicherheit ihrer Daten. Vor allem jüngere Menschen im Alter von 14 bis 28 Jahren shoppen gerne mobil, besonders interessiert daran sind junge Männer.

März 2014

Dieser Text ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. Möglicherweise unterliegen zusätzliche Inhalte wie Bilder und Videos jeweils zusätzlichen Bedingungen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie einverstanden. Zudem gilt folgende Regelung für die korrekte Benennung der Urheber und Quelle sowie Übersetzungen.

Kommentare

workers friend
28. August 2015

Das Zauberwort heißt: Beratung! Denn noch vor gründlicher Netz-Recherche mit online-Vergleich von Preisen und Produktmerkmalen steht vor allem eins - Vertrauen! Und das ist nunmal ein zutiefst menschliches Bedürfnis, das am besten in der persönlichen Begegnung erreicht werden kann. Und das ist auch gut so. Bei dem Überangebot und der elektronischen Konsumschwemme kann ein guter Fachverkäufer Orientierung und das gute Gefühl geben, das Richtige gekauft zu haben (auch wenn es nur subjektiv so ist). Auch das gehört zur Zufriedenheit mit dem Einkauf dazu.

Rainer
26. März 2014

Es zeichnet sich eine revolution in handel aber auch langfristig in der produktion ab. Am ende könnten produzenten stehen, die direkt auf globaler ebene kunden beliefern. Die infrastruktur ist da und hat für beide vorteile, da der teure zwischenhandel wegfallen wird. Ladenlokale werden ehr der beratung und produktinformation, also dem marketing dienen.
Auf diese art könnte auch erstmalig ein funktionierender markt entstehen – bei dem jeder nachfrager einen überblick über alle relevanten angebote erhält. Diese schon nach Adam Smith notwendige voraussetzung für einen funktionierenden markt wäre so erstmalig erfüllt.

Jetzt kommentieren